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Kultur

Stiftskirche Schönenwerd wird zur Konzertkirche

Mit einer Konzertreihe soll die Stiftskirche Schönenwerd zum kulturellen Zentrum in der Region werden. Der Auftakt dazu beginnt mit einem Barockkonzert mit Musikern aus der Schola Cantorum Basiliensis.

Roman Stahl schreitet durch das Kirchenschiff, streckt die Hände in die Höhe und ruft begeistert: «Hören Sie die Akustik, die Kirche ist doch geschaffen für Konzerte.» In der Tat, die Stiftskirche Schönenwerd bietet sich mit ihrer barocken Pracht, der prächtigen Orgel und Bestuhlung als Aufführungsort geradezu an. 
35 Jahre lang traten hier Künstler und Orchester auf, dies mit Erfolg. Doch 2015 gab die Konzertinitiatorin, die Organistin Elisabeth-Frey-Bächli, ihre Tätigkeit auf. Nach ihrem Rücktritt versank das Konzertwesen in einen Dornröschenschlaf, sagt Roman Stahl. Der Organist, der in Schönenwerd als Kantor arbeitet, bedauerte es, dass in dieser Kirche so selten konzertiert wurde. Er und Dario Gheno, der das Projekt coacht, wollen die Konzerttradition aus dem Schlaf wecken. Sie haben bis Frühling sechs Konzerte in der Stiftskirche geplant. 

Startschuss im September
Das Programm kann sich sehen lassen: Unter dem Titel «Arcadia – Il giardino d’amore» startet die Reihe mit einem Barock-Konzert. Junge Musiker aus der Schola Cantorum Basiliensis spielen im September Stücke von Alessandro Scarlatti, Pietro Torri und Johann Adolf Hasse. Es sind Werke aus dem Italien des 18. Jahrhunderts, die um den Sehnsuchtsort des Gartens der Liebe kreisen.
Im Oktober steht die Königin der Instrumente im Zentrum. Die russische Organistin Anastasia Kovbyk spielt Werke vom Frühbarock bis zur Moderne. 

Das seltene Spiel eines Zinks
Im November kommt ein historisches Musikinstrument zum Zuge, das man nur noch selten antrifft: Der Zink. Das hölzerne Instrument, das wie eine Kreuzung zwischen Flöte und Trompete aussieht, war im 17. Jahrhundert eines der wichtigsten Instrumente. Sein Ton erinnert an die menschliche Stimme. «Der Zink lässt sich schwer spielen und ist nahezu in Vergessenheit geraten», sagt Roman Stahl. Das Konzert der Organistin Christiane Lux und des Zinkisten Hans Jakob bietet die seltene Gelegenheit, das Instrument zu erleben.

«Ave maris stella» lautet der Titel des Cembalokonzerts der Dirigentin und Organistin Helene Ringgenberg. Das Konzert findet im Januar in der Marienkapelle statt, von wo der Klang den ganzen Kirchenraum erfüllen wird. Im Februar tritt das deutsche A-cappella-Ensemble «Man(n)Singt» auf und singt Werke von der Renaissance bis zum Pop. Das Abschlusskonzert der Reihe, das im März stattfindet, wird Roman Stahl selber gestalten. Was er darbieten wird, will er nicht verraten, das solle eine Überraschung werden, sagt er. Wenn Roman Stahl von dem Programm erzählt, spürt man seine Leidenschaft. Für den 34-Jährigen ist die Musik Teil seines Lebens. Der gelernte Orgelbauer absolvierte an der Universität Heidelberg den Studiengang Kirchenmusik. Heute arbeitet er als Organist und Chorleiter für mehrere Kirchgemeinden.

Gesucht werden Mitglieder
für den Freundeskreis
Das Projekt stösst in den umliegenden Kirchgemeinden auf grossen Zuspruch. «Sie begrüssen es, dass die Stiftskirche mehr belebt wird», erzählt Dario Gheno. Entsprechend unterstützen die christkatholische und reformierte Gemeinde Schönenwerd die Konzertreihe. Das Ziel des Projekts sei es auch, die christlich geprägte Kultur lebendig zu halten.
Der Eintritt in die Konzerte ist gratis. Am Schluss wird eine Kollekte erhoben. Damit die Konzertreihe finanziert werden kann, braucht es die nötige Unterstützung und Gelder. 2015 waren das Vereinskonto und der Freundeskreis der Stiftsmusiken aufgelöst worden. Gheno und Stahl wollen diesen wieder aktivieren. Sie suchen deshalb Interessenten, die dem Freundeskreis beitreten möchten, oder Sponsoren, welche das kulturelle Vorhaben unterstützen. Die beiden sind überzeugt, dass viele aus dem Niederamt, Olten und Aargau die Konzerte besuchen werden. Die 35-jährige Konzerttradition der Stiftskirche dürfte dann weitergehen.

Tilmann Zuber                                 

29. September, 17 Uhr, Arcadia – Il giardina d’amore, Verein tesori della musica, Basel.
Die Konzerte finden von September bis März (ausser Dezember) am letzten Sonntag vom Monat um 17 Uhr statt.
Informationen zum Freundeskreis und
Sponsorin: konzertprojekte@hotmail.com