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Spiritualität

Alles ist vergebens

Das biblische Buch Kohelet behandelt grundsätzliche Fragen des Lebens, welche, erklärt Pfarrerin Käthi Meier-Schwob.

«Ich betrachtete alle Werke, die unter der Sonne vollbracht wurden, und siehe, alles war nichtig und ein Greifen nach Wind.» (Kohelet 1,14)

Im Ernst – steht das wirklich so in der Bibel? Das klingt nach einer Krise, wie sie viele kennen: Was ist sinnvoll? Wo finde ich Halt? Wenn das Kosten-Nutzen-Denken ins Absurde gesteigert wird. Wenn Gewalt nicht aufhört. Wenn der Klimakollaps droht. Kann ich als Einzelne etwas bewirken oder ist mein Einsatz vergebliche Mühe, ein «Greifen nach Wind»?

Das Buch Kohelet, auch «Prediger» genannt, ist das jüngste Buch im Alten Testament. Es lohnt sich, das kleine Buch zu lesen und dem Verfasser genau zuzuhören. 

Windhauchstimmung
«Nichtig und flüchtig, alles ist nichtig», so tönt es wie ein Refrain. Das hebräische Wort für «nichtig und flüchtig» heisst wörtlich übersetzt Windhauch. Es steht für die Vergänglichkeit des Menschen und für die Vergeblichkeit aller Arbeiten und Anstrengungen. In Windhauch-Stimmung treffen sich die städtischen Kaufleute bei einem Gastmahl, wie es in der Antike gepflegt wird. Dazu gehören Gesänge und Vorträge mit philosophischen Weisheiten, in kritischer Auseinandersetzung mit dem Glauben an Gott. 

Geniesse das Leben
«Auf, iss dein Brot mit Freude, und trink deinen Wein mit frohem Herzen; denn längst hat Gott dieses Tun gebilligt» (Koh 9,7). Der Verfasser des Buches Kohelet ermutigt uns dazu, nichts aufzuschieben, sondern die Arbeit zu verrichten und das Gute zu geniessen, das Gott uns schenkt. Allen Fragen, allen Zweifeln, aller Ratlosigkeit zum Trotz.

«Alles hat seine Zeit»
Dieses Sprichwort stammt ebenfalls aus dem Buch Kohelet. «Eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden.» Das hat etwas Tröstliches: Da alles ein Windhauch ist und wir nichts festhalten können, müssen wir das Schöne wieder gehen lassen. Doch auch das Schwere zieht einmal vorbei. 

Lebenskunst kann darin bestehen, zu erkennen, welche Zeit im Moment dran ist. Ist es Zeit, zu schweigen oder zu reden? Die Zeit zu trauern oder sich zu freuen? Zeit, sich zu
engagieren oder das Unabänderliche hinzunehmen – im Vertrauen, dass Gott uns in
seinen Händen hält?

Ein Gebet von Reinhold Niebuhr drückt es so aus: «Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.» 

 

Text: Käthi Meier-Schwob, Pfarrerin, Goldach | Foto: Pixabay  – Kirchenbote SG, November 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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