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Kirche

Neuer Wein in neue Schläuche

Den Reformationsgottesdienst im Zürcher Grossmünster gestalteten Bundesrat Guy Parmelin und Gottfried Locher, Präsident des Kirchenbundes, gemeinsam. Im Zentrum der Predigt: Die Reformation als Innovation für Kirche und Staat.

Als ehemaliger Winzer und heutiger Bundesrat sei ihm Jesus, der Wasser in Wein verwandelte, sympathisch, witzelte Bundesrat Guy Parmelin in seiner Begrüssung. In seiner Predigt würdigte der Volkswirtschaftsdirektor die Reformation als Innovationsschub für Kirche, Staat und Gesellschaft. Neuer Wein gehöre in neue Schläuche, zitierte er das Bibelwort aus dem Markusevangelium. «Die Wirtschaft braucht Innovation, ebenso das Leben.»

Der Bundesrat machte klar, dass Kirche, Staat und Wirtschaft kein Selbstzweck seien, sondern den Menschen zu dienen hätten. Gleichzeitig gebe es keinen Wohlstand ohne funktionierende Wirtschaft. Die Zukunft der Institutionen Kirche und Staat hänge davon ab, ob sie offen seien für Neues, ohne gleichzeitig alles Alte aufzugeben. «Wir sollten wagen, Neues zu denken, wie dies die Reformatoren taten», so Parmelin. Doch die Wirtschaft basiere auch auf Werten und Traditionen. Von daher sei es wichtig, dass das biblische Wort zum Tragen komme, nicht vom Gesetz her, sondern von der Liebe Gottes.

In seiner Predigt knüpfte Kirchenbundspräsident Gottfried Locher an der Innovation an. «Die ständige Erneuerung ist zutiefst reformiert, denn die Reformation beruht auf dem Glauben, das nichts bleibt, nur weil es schon immer so war.» Innovation bedinge Freiheit, Demokratie und beinhalte einen Fehleranteil. Für Locher ist Innovation kein Freipass für Beliebigkeit, denn Jesus habe eine Richtschnur vorgegeben. «Und der Glaube sei ein Stachel im Fleisch der Gleichgültigkeit», so Locher. Staat, Kirche und Wirtschaft hätten je ihren Auftrag, dazu gehöre auch, dass man sich gegenseitig kritisiere.

Nach der Predigt teilte Bundesrat Guy Parmelin zusammen mit Gottfried Locher, dem Grossmünsterpfarrer Martin Rüsch und den Helferinnen und Helfern das Abendmahl aus.

Tilmann Zuber, 4. November 2019