Logo
Leben & Glauben

Offen für neue, weite Welten

Ein Hackbrett, nicht die Urkunde, erinnert die Roggwilerin Eliane Burgherr an ihre Konfirmation.

Sie hat vor Kurzem von Bischofszell nach Roggwil gezügelt und die Konfirmationsurkunde nicht auf Anhieb, sondern erst später in einer Kiste gefunden. Eliane Burgherrs Herz scheint nicht an diesem Schriftstück zu hängen.

Dies erstaunt nicht. Das Papier kommt eher daher wie ein Zertifikat für einen bestandenen Schreibmaschinenkurs. Die Urkunde setzt die Konfirmation einer Kreditkarte gleich, die darauf hinweist, dass bei Gott immer ein offenes Konto da ist, wo Power und Hilfe bezogen werden kann. Die Idee ist gut gemeint. 

Wärme, Licht, Geborgenheit
«Auf mich wirkt die Urkunde aber etwas unpersönlich», sagt Eliane Burgherr und präsentiert im Gegenzug das von ihr ausgewählte Konfirmationsbild. Die Fotografie zeigt ein Glas mit brennender Kerze, umfasst von zwei Händen. «Dies ist für mich Sinnbild von Geborgenheit, Licht und Wärme.»

Weiter als die Nasenspitze
Das Erinnerungsstück vermittelt auch etwas Zeitloses. Da wählte ein junger Mensch nicht einfach aus einer Laune heraus oder einem Trend entsprechend, da wurde und wird weiter gesehen als nur bis zur eigenen Nasenspitze. In die Weite blickend und denkend, so wie dies der Konfirmationsspruch suggeriert? Gut möglich. Für die 19-Jährige passt der Spruch. Sie sieht in ihm denn auch eine Aufmunterung, die Welt in ihrer Mannigfaltigkeit zu entdecken. Darin eingeschlossen ist für Eliane Burgherr vor 

«Die Schalllöcher habe ich selber entworfen.»

allem die Natur, mit der sie sehr verbunden ist. Aufgewachsen auf dem Lande, in einer Familie, die sich fast selber versorgen konnte, half sie schon früh, dem benachbarten Bauer beim Heuen und zu Hause die Kleintiere versorgen. Dieses Verantwortungsbewusstsein setzte sie dann später auch als Aupair für die Kinder der Gastfamilie ein sowie als Konfleiterin und Begleiterin des Jugendlagers.

Musisch, kreativ
Das Miteinander schätzt die «Stiftin» nun auch in ihrem Lehrbetrieb, der Evang.-ref. Kirche in St. Gallen, dem Ort, wo sie ab dem Kindergarten begonnen hat, Hackbrett zu spielen. Denn nachdem sie an einer «Stobete» eine «Määdlemusig» gesehen hatte, hämmerte sie zu Hause permanent mit den Filzstiften auf den alten Klavierstuhl ein. Der St. Galler Musiker Ruedi Bischoff förderte das Talent und seit Kurzem besitzt Eliane Burgherr nun ein eigenes Hackbrett. Es war ihr Wunschgeschenk zur Konfirmation. «Die Schalllöcher dazu habe ich selber entworfen.» Das Instrument erinnert sie fortan an den Zustupf von Gotte, Götti und Eltern sowie an das Fest.

 

Text | Foto: Katharina Meier  – Kirchenbote SG, Dezember 2019

 

Konfirmationsspruch von Eliane Burgherr

«Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, du stellst meine Füsse auf weiten Raum.»
Psalm 31,8a und 9b

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen