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Kirche

Frauen in der Kirche: «Es braucht einen langen Atem»

10.12.2019
Am 14. Juni war Frauenstreiktag. Frauen gingen für die Gleichberechtigung auf die Strasse. Wie es um die Frauen in den Kirchen steht, berichteten die Provinzoberin Tobia Rüttimann und Pfarrerin Sybille Forrer in Flüh.

Zwei Frauen, deren Biogra e nicht unterschiedlicher sein könnte: Eine ledig, hat ihren Beruf aufgegeben und lebt im Kloster. Die andere machte ihren Beruf zur Berufung, verheiratet, Mutter eines Kindes, bekannt aus ihren Fernsehauftritten: Schwester Tobia Rüttimann, Provinzoberin des Klosters Ingenbohl, und die reformierte Pfarrerin und vor- malige «TV-Pfarrerin» Sybille Forrer aus Kilchberg ZH. Trotz unterschiedlicher Vita arbeiten beide in der Kirche. Rüttimann in der katholischen, die Frauen den Zugang zum Priesteramt verwehrt. Forrer in der reformierten, in der Frauen auf der Kanzel selbstverständlich sind. Es sei ein langer Weg gewesen, bis man dies erreicht habe, erklärte Sybille Forrer auf dem Podium in der Ökumenischen Kirche Flüh. Schon 1918 wurde die erste Theologin ordiniert, konnte aber offiziell keine Stelle antreten, da den Frauen das Stimm- und Wahlrecht fehlte. Erst 1960 konnten unverheiratete Theologinnen ein vollwertiges Pfarramt übernehmen, an der Seite eines männlichen Kollegen. Solche Restriktionen gebe es inzwischen nicht mehr, so Forrer.

«Bis Frauen die Priesterweihe erhalten, braucht es noch lange», sagt Schwester Tobia, «auch wenn an der Basis viel geschieht.» Papst Franziskus gehe Schritt für Schritt vorwärts, indem er etwa verantwortungsvolle Pos- ten in der Kongregation mit Frauen besetze. Die Oberin bedauerte es, dass viele Katholikinnen im Kampf für Anerkennung der Atem ausgehe und sie aufgeben.

Apostelin Junia wurde zum Mann
Für Schwester Tobia ist es biblisch nicht nachvollziehbar, dass Frauen kein Priesteramt übernehmen können. Frauen begleiteten Jesus auf seinem Weg. Und der Römerbrief berichtet von der Apostelin Junia, aus der die Kirche später einen Mann machte. «Dass Frauen aus den Ämtern elen, ist ein Prozess der Kirchenge- schichte», so Schwester Tobia.

Sybille Forrer stimmte ihr zu: «Man darf nicht vergessen, Männer haben die Bibel geschrieben.» Heute sei es wissenschaftlich erwiesen, dass Jesus Jünger und Jüngerinnen hatte und Maria Magdalena zur Apostelin berufen war. Im Johannesevangelium erschien Jesus Maria Magdalena und sie überbrachte die Botschaft der Auferstehung.» Forrer gratulierte Schwester Tobia zu ihrem Mut, sich so offen zu äussern und sich für die Priesterweihe von Frauen einzusetzen.

Tilmann Zuber