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Leben & Glauben

«Wir kochten auf einem Holzherd»

Während rund dreier Jahrzehnte hat Elvina Krähenmann in Wildhaus für den ökumenischen Suppentag gekocht. Seit 2018 ist nun ein junges Team im Einsatz.

Eine echte Bündner Gerstensuppe mit viel Gemüse und Fleisch gehört für die erfahrene Köchin Elvina Krähenmann zum Suppentag. Die aus dem bündnerischen Schams stammende und seit rund 50 Jahren im Toggenburg wohnhafte Frau weiss aus eigener Erfahrung, wie eine grosse Familie mit einfachen Mitteln ernährt werden kann. «Wir waren acht Kinder und lebten in ganz einfachen Verhältnissen. Gekocht wurde auf einem Holzherd», blickt sie auf ihre Kinder- und Jugendjahre in Zillis zurück. Auch in der eigenen Familie mit vier Kindern standen einfache und nahrhafte Gerichte im Mittelpunkt.

Verzicht, Beisammensein, Gutes tun
«Mit dem Entscheid, sich an einem Sonntagmittag von einem Teller Suppe zu ernähren, verbinden die Menschen Verzicht mit Beisammensein und der Bereitschaft, etwas vom eigenen Überfluss Benachteiligten abzugeben», fasst die Köchin das Ziel des Suppentags kurz zusammen. «Deshalb ist es auch wichtig, dass die Suppe satt macht.»

«Je weniger Auslagen wir haben, desto mehr Geld können wir für die Hilfe Benachteiligter verwenden.»

 

Rund 150 Liter habe sie jeweils zubereitet, darin enthalten je sechs Kilo Rüebli, Sellerie, Lauch, Kabis und zwei Kilo Zwiebeln. Nebst der Gerste hätten auch eine kräftige Bouillon und natürlich ein paar grosszügige bemessene Fleischstücke – und sozusagen als Berufsgeheimnis – eingekochte Milch zum Binden der Suppe dazugehört. «Der schönste Lohn war, wenn die Gäste die Teller mit viel Appetit leer gegessen haben.» 

Ein Gemeinschaftserlebnis
Nicht nur der Kochprozess, sondern bereits das Gemüserüsten bleibt Elvina Krähenmann in guter Erinnerung. «Am Vortag trafen sich jeweils ein paar Frauen und schnitten das frische Gemüse klein. Das waren immer sehr vergnügliche Stunden. Wir konnten plaudern, Neuigkeiten austauschen und dazu wurden die Berge der klein geschnittenen Rüebli, Sellerie und Co. immer grösser.» Ein besonderes Kränzlein windet die langjährige Köchin auch dem ehemaligen Dorfmetzger von Wildhaus: «Solange diese Metzgerei bestand, konnten wir geräucherte Brustspitze abholen, und dies unentgeltlich.» Heute müsse das Fleisch gekauft werden, aber Spenden von Gerste und Gemüse seien auch beim neuen Team hoch willkommen. «Je weniger Auslagen getätigt werden müssen, desto mehr kann für das eigentliche Ziel des Suppentags, die Hilfe für Benachteiligte, verwendet werden.»

Süsses zum Abschluss
Claudia Brauchli ist im neuen Team für die Organisation der Helferinnen und das Bereitstellen und Decken der Tische verantwortlich, Rosi Ziener kocht am 8. März das dritte Mal, und so wird der Suppentag auch dieses Jahr wieder für eine grosse Zahl Gottesdienstbesucherinnen und Besucher zu einem wichtigen Tag im Jahresablauf werden. Nicht zu vergessen die vielen Kuchenspenden: «Wer sich mit einer Suppe zufriedengibt, gönnt sich gerne als Abschluss etwas Süsses», wissen die Verantwortlichen. «Süssgetränke, Wein und Kaffee sind zu bezahlen, für Suppe, Kuchen und Mineralwasser werden freiwillige Spenden entgegengenommen», so Claudia Brauchli.

 

Text | Foto: Adi Lippuner, Journalistin BR, Wildhaus  – Kirchenbote SG, Februar 2020

 

Das Miteinander bewegt

Eine nahrhafte Suppe geniessen, statt sich ein ganzes Sonntagsmenü zu gönnen, so bringt Edith Gantenbein, ehe-
maliges Mitglied der evangelischen Kirchenvorsteherschaft, den Suppentag auf den Punkt. Sie schätzt das Zusammensein über die Konfessionsgrenzen hinaus. Pfarrerin Eva Anderegg und Pfarrer Tobias Claudy sagen: «Die Suppentage in Wildhaus und Alt St. Johann beginnen wir mit einem ökumenischen Familiengottesdienst. Katholisch und reformiert, klein und gross, fröhlich und nachdenklich treffen wir uns, um von armen und benachteiligten Menschen auf der Welt zu hören und Spenden zu sammeln. Anschliessend essen wir, an liebevoll gedeckten Tischen, gemeinsam eine feine Suppe. An diesem Tag wird besonders spürbar, wie viel Gutes ein Miteinander bewirkt und b
ewegt.» (adi) 

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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