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Politik

Saatgut: Seit jeher eine Machtfrage

Fastenkampagne 2020 der drei Hilfswerke Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein nimmt sich des gerechten Saatguts an.

Der christkatholische Pfarrer aus Neuenburg, Nassouh Toutuongi, bringt die ökumenische Fastenkampagne auf den Punkt: «Die Kontrolle über Saatgut ist seit jeher eine Machtfrage.» Die Zahlen der «globalen Vermögenspyramide», welche die Bank Credit Suisse (CS) veröffentlicht, sind deutlich: In den Industrieländern verdienen etwa zwanzig Prozent der Erwachsenen weniger als 10 000 Dollar im Jahr. In Indien und Afrika hingegen fallen mehr als 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in dieses Segment. Für viele Einwohner von Niedriglohnländern sei es eher die Norm als die Ausnahme, ein Leben lang diesem Armutssegment anzugehören, hält die CS fest.

Fingerzeig auf das Saatgut

Die Gründe für das Armutsgefälle mögen vielfältig sein. Die diesjährige Fastenkampagne pickt eine der Ursachen heraus: das Saatgut. Nassouh Toutuongi, Sohn eines Libanesen und einer Schweizerin, benennt Aspekte des Saatgut-Handels, die problematisch sind. Unternehmen sei es heute möglich, gentechnisch manipuliertes Saatgut patentieren zu lassen und dieses als «exklusives und kommerzielles Produkt» zu verkaufen, betont Toutuongi. «Gewisse Unternehmen» wollten gleichzeitig Bauernfamilien verbieten, das eigene, traditionelle Saatgut mit anderen Landwirten zu «tauschen». So werde eine Art niederschwelliger Handel unterbunden.

Antwort auf Klimawandel

Die ökumenische Kampagne thematisiert die Bewahrung der Vielfalt des Saatgutes auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Im «Kampagnenmagazin 2020» heisst es, dass nach wie vor 70 Prozent der Nahrungsmittel weltweit von kleinbäuerlichen Betrieben angebaut werden und nicht von der Agrarindustrie. Dieses lokale Saatgut sei besser an die regionalen klimatischen Bedingungen angepasst als die Industrieprodukte.

«Mais soll nicht mehr zur Produktion von Pharmazeutika, Kunst- oder Biokraftstoffen verwendet werden.»

Das katholische Fastenopfer, das reformierte Brot für alle und das christkatholische Hilfswerk Partner sein fordern via Kampagne, dass die Bauern und Bäuerinnen einen sicheren Zugang zu ihren Ressourcen und auch die Kontrolle über diese bewahren können. Eine gefestigte, kleinbäuerliche Landwirtschaft könne eine «wichtige Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels sein».

Stimmen aus aller Welt

Heute dominierten drei internationale Saatgutkonzerne den weltweiten Markt. Diese versuchten in verschiedenen Ländern, gesetzlich ihre Produkte zu schützen und auf dem Markt durchzusetzen. Dadurch werde ein «jahrtausendealtes Landwirtschaftssystem» zerstört, schreiben die Hilfswerke. Die Gewinnung von Saatgut lag in Kenia immer bei den Bäuerinnen. Diese gaben ihr Wissen an ihre Töchter weiter, schreibt Ruth Nganga im Kampagnenmagazin und ergänzt: «Dass dies nun plötzlich verboten sein soll, ist absurd.» Mais soll nicht mehr zur Produktion von Pharmazeutika, Kunststoffen oder Biokraftstoffen verwendet werden, verlangt die Guatemaltekin Inés Pérez. Und Mercia Andrews aus Südafrika fügt an: «Wir sind die Hüterinnen des Landes, des Lebens und des Saatguts.»

Eintauchen in die Liebe Gottes

Die Hilfswerke haben für die Kampagne Materialien bereitgestellt, darunter auch ein Meditationsbüchlein. Die Texte dazu hat der Autor Pierre Stutz verfasst, der bis 2002 Priester in Neuenburg war und nach seinem Coming-Out als Homosexueller einen neuen Weg ging. Es sei ihm darum gegangen, aufzuzeigen, «dass unser Eintauchen in die Liebe Gottes uns bestärkt, auftauchen zu können für Frieden in Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung». So begründete Stutz seinen Einsatz für die Fastenkampagne.

Text: Georges Scherrer, kath.ch | Foto: Brot für alle


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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