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Spiritualität

Die erste Autobahnkirche der Schweiz soll in Graubünden stehen

Die erste Autobahnkirche der Schweiz soll in Graubünden gebaut werden. Stehen soll sie an der A 13, der Autobahn, die den Norden und den Süden verbindet. Das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & De Meuron will sie bauen. Finanziert werden soll der Bau vor allem durch Spenden.

Die Idee zu dem Projekt entstand am Stammtisch. Der reformierte Pfarrer Jens Köhre von Andeer und der ortsansässige Gemeindepräsident Hans Andrea Fontana sind die geistigen Väter des Projekts. Vorbild für das Projekt in Andeer sind vor allem Autobahnkirchen in Deutschland, die erfahrungsgemäss gut frequentiert werden. Inzwischen wird das Projekt Autobahnkirche von einer 15-köpfigen Interessengemeinschaft aus Andeer betreut. Sie war es auch, die auf die Basler Architekten Herzog & de Meuron zuging mit der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, eine Autobahnkirche in der Schweiz zu realisieren.

«Überrascht und erfreut» zeigte sich Jacques Herzog über die Anfrage aus Andeer – und stimmte zu. Gerade, dass die Bewegung für das Bauprojekt aus der Bürgerschaft kommt, also «bottom up» ist, überzeugte den Architekten. Für ihn sei der Bau «eine seiner momentan grössten Herausforderungen als Architekt». Denn es gebe keine Vorgaben für einen solchen Bau, weder finanziell noch architektonisch.

Der ersten Visualisierung zufolge wird die Kapelle von weitem über vier aneinander lehnende Wände sichtbar sein. Nach oben offen, um den Himmel zu sehen. Angelehnt an den Gehörgang eines Ohres, werden unterirdisch vier verschiedene Räume entstehen, so ein Raum mit Kerzen zur Andacht und ein Raum mit einem sogenannten Anliegenbuch, um Gedanken zu platzieren. Der Rohbau der Kirche soll im Dezember 2020 stehen. Das Projekt finanziert sich vor allem über Spenden. Erste Kostenschätzungen liegen in zwei bis drei Wochen vor.

Die beiden Landeskirchen des Kantons unterstützen das Bauprojekt ideell. Cornelia Camichel-Bromeis, Vize-Kirchenpräsidentin und Dekanin der reformierten Kirche, lobte die «Hartnäckigkeit und Vision» der Interessengemeinschaft. Denn heutzutage eine Kirche zu bauen, sei nicht alltäglich. Sie und Bischof Peter Bürcher, der apostolische Administrator des Bistums Chur, wünschten dem Projekt viel Erfolg und Segen. Darüber hinaus betonte Camichel-Bromeis den «besonderen ökumenischen Moment». Erstmalig in ihrer sechsjährigen Amtszeit sei sie gemeinsam mit ihrem «katholischen Pendant» öffentlich aufgetreten.

Die A 13 verläuft durch das bündnerische Val Schons (Schams), in dem auch die Gemeinde Andeer liegt. Seit jeher ist die Region für den Transit von Norden nach Süden bekannt. Sichtbar ist das an einigen Wegkirchen, die es seit dem Mittelalter gibt. Die Kirche im Nachbardorf Zillis beispielsweise ist mit einem Wandbild des Heiligen Christopherus verziert. Der Legende nach schützt der Blickkontakt mit diesem Heiligen vor dem plötzlichen Tod.

«Mit der Autobahnkirche wollen wir den Menschen, die bei uns durchfahren, einen Raum zum Innehalten schenken», sagte Pfarrer Jens Köhre an der Pressekonferenz in Andeer. Die Kirche solle nicht in Konkurrenz zu den bereits bestehenden 13 Kirchen im Tal sein, sondern auf diese hinweisen und Menschen ermutigen, auf der Durchreise anzuhalten und das Schams kennenzulernen.

Constanze Broelemann, rformiert.info, 20. Februar 2020