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Wirtschaft

«Wenn beide die Faust im Sack machen, ist der Kompromiss gelungen»

24.03.2020
Wer ins Vermittlungsamt zu Antje Ziegler kommt, ist zerstritten. Dabei geht es nur vordergründig ums Geld. Oft stecken Kränkungen dahinter.

Ein blockierter Parkplatz brachte das Fass zum Überlaufen. Eine grosse Familie hatte einen Hof geerbt und das Erbe aufgeteilt. Uneins war sie sich, wem der Parkplatz hinter dem Haus gehörte und ob man fremden Boden befahren durfte, um dorthin zu gelangen. Bis eine Partei die Zufahrt blockierte. Dann kam es zum Schlichtungsverfahren. Bei Vermittlerin Antje Ziegler ging der Streit erst richtig los: «Wer wem etwas zuleide getan hatte, wer adoptiert ist, wer einen anderen Vater hat, und so weiter.» Darauf tat Ziegler ihre Einschätzung kund: «Das Parkplatzproblem kann ein Gericht lösen. Man kann im Grundbuch nachschauen, Land abtauschen.» Wichtiger sei aber folgende Frage: «Wollen Sie wirklich bis zum Lebensende Ihren Geschwistern zuleide werken?»

Unbezahlte Zalando-Rechnungen

Das Vermittlungsamt ist im Zivilrecht die erste gerichtliche Instanz. Oft geht es um Geldforderungen: um unbezahlte Zalando-Rechnungen, um mangelhaft erledigte Handwerksarbeiten, um Probleme unter Nachbarn und Stockwerkeigentümern. Oder eben um Erbschaftsstreitigkeiten. Ziegler klärt den Sachverhalt und gibt eine juristische Einschätzung. Meistens wird so eine Lösung gefunden. Sonst erteilt sie eine Klagebewilligung und der Fall gelangt ans Kreisgericht.

Versöhnung als Ziel

Die Erfolgsquote im Schlichtungsverfahren ist hoch. Bloss etwa ein Drittel der Fälle kommt ans Kreisgericht, zwei Drittel werden bereits im Schlichtungsverfahren beigelegt. Ziegler sieht sich denn auch als Friedensstifterin: «Das Wichtigste ist, dass die Parteien sich versöhnen.»

 

«Da muss viel schiefgelaufen sein, dass ein Vater nicht mit Freude die Ausbildung seiner Tochter unterstützt.»

 

Das gelinge aber nicht immer. Manchen gehe es nur darum, recht zu haben. «Recht zu haben und recht zu bekommen sind aber zwei verschiedene Dinge», sagt Ziegler, im Nebenamt auch Kirchenrätin der refomierten Kirche St. Gallen. «Wenn beide Parteien die Faust im Sack machen und das Gefühl haben, sie hätten etwas verloren, dann ist der Kompromiss ausgewogen.»

Dramen wie auf RTL 2

Wie geht Ziegler um mit dem Streit, den sie tagtäglich erlebt? «Ich schalte jeweils auf ‹Fernseh-Modus›», erzählt die Rechtsanwältin. «Manchmal erlebe ich Dramen wie im Nachmittagsprogramm von RTL 2.» Besonders nahe geht es ihr, wenn erwachsene Kinder gegen ihren Vater um Alimente streiten. «Da muss viel schiefgelaufen sein, dass ein Vater nicht mit Freude die Ausbildung seiner Tochter unterstützt.» Das sei manchmal tieftraurig.

Zuhören ist das wichtigste

Wie bringt man zerstrittene Menschen dazu, sich zu versöhnen? «Durch Zuhören», betont Ziegler, «gekränkte Menschen wollen ihre Geschichte erzählen.» Das dauere etwa eine Stunde. Danach versucht sie, mit den Parteien eine Lösung zu finden. Bei der Familie, die um den Parkplatz stritt, misslang dies. «Ihr Bedürfnis war tatsächlich, sich gegenseitig zuleide zu werken. Ich dachte mir, denen kann nur noch Gott helfen.»

Text | Foto: Stefan Degen – Kirchenbote SG, April 2020

Rache im Strafrecht

Strafen sind im Zivilrecht nicht vorgesehen, sondern im Strafrecht. «Das Ziel ist primär die Resozialisierung, dass Verurteilte nach Verbüssen ihrer Strafe keine Delikte mehr begehen», erläutert Lukas Gschwend, Strafrechtsprofessor an der Universität St. Gallen. Zudem entfalte die Strafe eine präventive Wirkung: einerseits durch Abschreckung, andererseits, indem sie das Vertrauen ins Justizwesen stärke. Die Bevölkerung sehe dann, «dass etwas passiert». Bloss bei sehr schweren Delikten spiele der Gedanke der Rache eine Rolle, etwa bei Völkermord, der nicht verjähre. «Die Rückfallgefahr ist bei einem 90-jährigen Täter Jahrzehnte nach dem Delikt gering», sagt Gschwend. «Rache» sei aber auch hier nicht der passende Begriff: «Man spricht von ‹Schuldausgleich›.»


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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