Logo
Kultur

«Gott färbt ab»

24.03.2020
Andrea Schwarz gehört zu den meistgelesenen christlichen Autorinnen unserer Zeit. Den Thurgauerinnen und Thurgauern möchte sie demnächst durchs «chaotische» Leben helfen.

«Schreiben ist meine Form der Verarbeitung, ich bringe meine Eindrücke zum Ausdruck.» Andrea Schwarz schreibt über Alltägliches, überrascht ihre Leserinnen und Leser immer wieder mit einer etwas anderen Sicht der Dinge, wie im Buch «Eigentlich ist Weihnachten ganz anders» oder «Eigentlich ist Maria ganz anders». Ihre Texte sind authentisch, und dies dürfte auch das Erfolgsrezept sein. Über 55 Bücher hat sie in den vergangenen 35 Jahren veröffentlicht. Sie ist dem Leben, der Lebendigkeit auf der Spur, und ihr Glaube hilft ihr dabei.

Gefragte Referentin
Andrea Schwarz ist gelernte Industriekauffrau, hat Sozialpädagogik studiert und arbeitet heute als pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück. Nebst der Schriftstellerei ist sie auch eine gefragte Referentin und Kursleiterin und wird auf Einladung der beiden Landeskirchen nun erstmals in den Thurgau kommen. Der Zeitpunkt ist nun aber wegen des Coronavirus-Veranstaltungsverbots unklar. Sie liest zum Thema «Glauben – wenn mitten im Leben ein Stück Himmel aufblitzt». Ebenfalls ist ein Kurstag mit Andrea Schwarz zum Thema «Von Chaos, Ordnung und dem wahren Leben» vorgesehen. «Es geht in diesem Kurs um Gegensätze », erklärt Andrea Schwarz. Um Gegensätze wie Nähe und Distanz oder Arbeiten und Beten und darum, zwischen Gegensätzen oder Gegenpolen eine gute Balance zu finden. Alleine schon das Wissen um Gegensätze könne helfen, den Alltag besser zu gestalten. Wenn dann eines Tages das Chaos das Leben durchkreuze, man aber wisse, dass dieses auch eine neue Ordnung mit sich bringt, dann reagiere man anders auf Chaos-Situationen.

Mit Menschen unterwegs
«Wenn man lange genug bei Gott rumhängt, färbt der Typ auch irgendwie ab.» Dieses Zitat von Richard Rohr hat Andrea Schwarz als Titel für ein Wochenendseminar ausgesucht. «Ich will den Seminarteilnehmern Anregungen und Ideen für die Lebensgestaltung aus dem Glauben mit auf den Weg geben, wir werden der Bedeutung des Seins nachspüren», sagt sie. Andrea Schwarz freut sich: «Es ist für mich immer wieder spannend und bereichernd mit Menschen unterwegs zu sein.»


(Barbara Hettich, 30. März 2020)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen