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Wirtschaft

Konzernverantwortung: Der Film zur Initiative

Der Dokumentarfilm «Der Konzern-Report» zeigt anhand zweier Beispiele, wie Schweizer Grossunternehmen das Leben der Bevölkerung in Entwicklungsländern gefährden.

Seit fast drei Jahren debattiert das Parlament über die Konzernverantwortungsinitiative. In der Frühlingssession hätten die Politikerinnen und Politiker nun definitiv entscheiden sollen, ob sie verbindliche Regeln mit einer abgeschwächten Haftung wollen, wie es der Nationalrat vorschlägt, oder nur eine Berichterstattungspflicht, wie es der Ständerat möchte. Da das Parlament die Session wegen des Coronavirus abgebrochen hat, ist diese Entscheidung nun vertagt worden. Hätte sich der Ständerat durchgesetzt, wäre die Initiative höchstwahrscheinlich diesen Herbst zur Abstimmung gekommen. Wie es jetzt weitergeht, wird man sehen.

Die Initianten, die von den Kirchen unterstützt werden, wollen ihr Anliegen in der Öffentlichkeit bekannter machen. «In den Lokalkomitees kam der Wunsch auf, dass die Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen selber mehr zu Wort kommen», sagt Tom Cassee, Mitarbeiter des Initiativsekretariats. Dieses Anliegen wurde mit Hilfe eines Dokumentarfilmes umgesetzt, für dessen Produktion Tom Cassee zuständig ist. Produziert hat den Film der Verein Konzernverantwortungsinitiative KOVI.

Aus der Sicht der Einheimischen
Der Film richtet seinen Fokus auf zwei Fälle, die stellvertretend für den ökologischen und sozialen Raubbau stehen. Zum einen werden die Probleme der heimischen Bevölkerung mit einer Kohlemine von Glencore in Kolumbien, zum anderen mit einem Zementwerk von LafargeHolcim in Südwest-Nigeria geschildert. «Die Menschen berichten im Film, wie sie und ihre Gesundheit geschädigt werden und warum sie keine Chance sehen, mit Hilfe der Justiz zu ihrem Recht zu kommen», sagt Tom Cassee. Die Protagonistinnen bringen die Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen ihrer Dorfgemeinschaften zum Ausdruck. Ergänzend dazu bewerten Expertinnen und Experten vor Ort die Situation aus rechtlicher, naturwissenschaftlicher und medizinischer Sicht. Das Filmmaterial ist aktuell, die unterschiedlichen Stellungnahmen hat ein Filmteam im Oktober und Dezember letzten Jahres eingeholt.

Kaum Zugang zur Justiz
Komplettiert wird der Film mit Stimmen aus der Schweiz. So erklärt etwa der ehemalige Ständerat Dick Marty, Co-Präsident des Initiativkomitees, was die Initiative anstrebt. Die Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, Simone Curau-Aepli, betont als Vertreterin der Kirche: «Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Schutz der Menschenrechte und der Schöpfung weltweit gelten soll.» Tom Cassee ist mit dem Resultat des Films zufrieden. Besonders betroffen machten ihn die rechtliche Situation in diesen Ländern: «Mich empört immer wieder, wie wenig die Menschen dort Zugang zur Justiz haben und damit der Willkür der Konzerne ausgeliefert sind.»

Detlef Kissner, kirchenbote-online, 26. März 2020

Wegen des Coronavirus mussten die für März und April geplanten über 300 Vorführungen des Films in der ganzen Schweiz verschoben werden. Infos: www.konzern-initiative.ch/konzern-report