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Gesellschaft

Corona-Krise

«Together» für jene, die gar nichts haben

17.04.2020
Aktionen für Corona-Geschädigte gibt es viele. Eine davon will jenen ein kleines Einkommen ermöglichen, die sonst nichts mehr haben. Das ist aber nicht ganz einfach.

Die Idee klingt einleuchtend: «Gemeinsam helfen wir Selbständigen und Menschen ohne Festanstellung mit einem Überbrückungseinkommen durch die Krise.» So steht es auf der Website together-now.ch. Die Aktion soll jenen kurzfristig etwas Geld bringen, die wegen der Corona-Krise existenzielle Sorgen haben. Die also weder genug auf dem Sparbuch haben noch vom Staat, von Versicherungen, Stiftungen oder Verwandten und Freunden genug erhalten, um über die Runden zu kommen.

Gesammelt wird das Geld über eine laufende Crowd-Funding-Kampagne, eine «Schwarm-Finanzierung». Seit dem 19. März läuft sie, und nach einem knappen Monat wurden bereits rund 250'000 Franken gespendet. Silvan Groher, einer der Initianten, äussert sich auf Anfrage freudig überrascht über den Erfolg. Es sei unklar gewesen, wie gross die Spendebereitschaft in diesen unsicheren Zeiten ist. «Doch die Solidarität war riesig. Das haben wir auch beim Teilen online gemerkt und durch die vielen Kommentare und Blumen – ebenfalls online –, die wir kriegten.»

Wenn gar nichts mehr da ist
Und wie gewährleisten die Initianten von der Crowd-Funding-Plattform wemakeit und den Vereinen «Dein Grundeinkommen» und Dezentrum, dass das Geld wie versprochen verteilt wird? Gemäss der Ausschreibung sollen nur Personen in wirklichen finanziellen Notlagen, die durch die Massnahmen des Bundes wegen der Corona-Pandemie entstanden sind, Beiträge erhalten – dies aber so unkompliziert und schnell wie möglich. Sie müssen zudem in der Schweiz leben und über ein Bankkonto verfügen. 

Wer Geld erhalten möchte, muss online einen Antrag stellen. Dabei muss unter anderem bestätigt werden, dass keine Ausgleichskasse, kein Erspartes, keine Versicherung, kein Kredit und keine Unterstützung aus dem Umfeld die finanzielle Notlage mindert; dass Geld dringend nötig ist; ob Kinder zu finanzieren sind, wie hoch die Lebenskosten sind, wie hoch das Einkommen im Durchschnitt ist, wie lange schon Selbständigkeit in welcher Branche vorliegt.

Über 100 Anträge in einer Woche
In der ersten knappen Woche seien bereits «weit über 100 Anträge» eingegangen, sagt Silvan Groher. Als betrügerisch wurde keiner eingestuft, hingegen 95 als sehr dringend: «Das bedeutet, die Menschen haben keine andere Unterstützung, sind in finanzieller Not und benötigen diesen oder sicher nächsten Monat Geld, um zu überleben.» Noch nicht ausgewertet sei, welche Branchen wie stark vertreten sind.

Doch wer entscheidet wie, wer wie viel Geld bekommt? Gemäss Groher ist es «ein unabhängiges Gremium von helfenden Menschen». Diese würden die Anträge einzeln prüfen und nach einem Punktesystem einstufen. Auf dieser Basis entscheide schliesslich das Gremium und zahle kurz darauf aus. Pro Person gibt es maximal 2500 Franken, die ersten Auszahlungen sollen jetzt erfolgen.

Auswahlverfahren ethisch abgesichert
Beim Entwickeln des Fragebogens und des Punktesystems habe den Initianten eine Ethikagentur beigestanden. «Wir wollen aufrichtig, transparent und fair sein», sagt Groher. Alle eingenommenen Spenden seien auf der Website ersichtlich. Und würden 5.5 Prozent nicht direkt weitergegeben: 4 Prozent würden für Transaktionsgebühren und 1.5 Prozent für den Betrieb durch Wemakeit eingesetzt.

Dass das Geld auch wirklich an seinen deklarierten Ort gelangt, darauf müssen Spendende einfach vertrauen. «Weil wir keine Gauner sind und Produkte, Dienstleistungen und Ideen entwickeln, die Menschen dienlich sind», hält Silvan Groher fest. Sie setzten sich alle ein «für eine menschlichere und inkludierendere Gesellschaft und Wirtschaft». Sollte mehr Geld eingehen, als durch Anträge beansprucht wird, würde es dem Verein «Dein Grundeinkommen» zugutekommen. 

Marius Schären, reformiert.info, 17. April 2020

Unterstützung sammeln verschiedene Organisationen:
Caritas, Glückskette, Heks, Together now

Papst Franziskus fordert Nachdenken über Grundeinkommen
«Die Zeit ist gekommen, um an eine Form von universalem Grundlohn zu denken»: Das schrieb der Papst gemäss Medienberichten in einem Brief an katholische Arbeitnehmerverbände. Die katholische Tageszeitung «L ́Avvenire» veröffentlichte das Schreiben am Ostersonntag. Franziskus spricht sich darin für die Einführung eines Grundeinkommens für einkommensschwache Arbeitnehmer mit prekären oder informellen Arbeitsverhältnissen aus. Er ruft dazu auf, mit Blick auf die Zeit nach der Coronavirus-Epidemie nachzudenken über neue gesellschaftliche Formen.