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Kirche

Der Corona-Song

27.04.2020

Am Anfang stand der Text zu einem Gebet. Nach dem letzten erlaubten Gottesdienst in Wilchingen diskutierte man, was die Kirchgemeinde nun Nützliches machen könnte. Neben der Nachbarschaftshilfe kam die Idee «Beten, wann immer die Glocken läuten». Für jene, die vielleicht nach Worten suchen würden, schrieb Pfarrer Martin Breitenfeldt ein einfaches Gebet «Gott segne unseren Ort, unser Land und unsere Welt / Schenk uns die Gelassenheit und die Fähigkeit, das Richtige zu tun und zu lassen. / Sei bei den Kranken und Sterbenden. Gib den Frauen und Männern in Verantwortung einen klaren Kopf und allen, die jetzt gefordert sind Durchhaltevermögen. Wir danken dir, dass wir nicht alleine sind. Amen»

Das Gebet wurde im Dorf ausgehängt und im Gemeindebrief veröffentlicht. Doch damit nicht genug. Breitenfeldt schickte es der Musikerin Alexandra Forster. Sie schrieb dazu eine Melodie. Die Komponistin hatte schon eine der vier Hymnen des Bodenseekirchentags geschrieben. Ein Gitarrist half aus Australien mit, den Song einzuspielen. Inzwischen hat das Corona-Lied die Tausender-Marke bei YouTube geknackt. Und Radio Seefunk und andere Sender haben das Lied gespielt. Auch sonst setzt die Kirchgemeinde auf Musik: Wilchingen hat einen Brauch aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges ausgegraben. Während der Kriegstage blies Pfarrer Eugen Coulin jeden Morgen in der Früh einen Coral aus dem Fenster des Pfarrhauses. Breitenfeldt hat diese Tradition wieder aufgenommen. Jeden Tag spielt jetzt je ein Posaunist Lieder vom Kirchenhügel. «Sie sollen den Menschen Mut machen», sagt der Pfarrer.

Tilmann Zuber, Kirchenbote