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Politik

«Bü... Bü... Bündnerfleisch!»

19.05.2020
Der Lachanfall von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz ging um die Welt. Humor hat die Macht, Trübsal zu vertreiben.

Wenn man Ihren Namen auf Youtube eingibt, kommt zuoberst das Video, das «Spiegel online» von Ihrem berühmten Lachanfall im Nationalrat eingestellt hat. Freut Sie das?

Ich habe nichts dagegen, auch nicht, dass ich ständig darauf angesprochen werde. Immer noch. Wohin ich gehe. Ich schäme mich auch nicht dafür, denn jeder, der etwas länger darüber nachdenkt, realisiert, dass der Lachanfall einen ernsten Hintergrund hat. Denn das, was ich las, war kein Text von mir, sondern von einem Juristen der Eidgenössischen Zollverwaltung, der seine Aufgabe hervorragend gemacht hatte und dabei die vielen Verordnungen in unserer überadministrierten Welt blossstellte. 

Waren Sie sich des humoristischen Potenzials des Vortrags bewusst?

Nein. Da ich in dieser Fragestunde für Parlamentarier noch einige andere, wichtigere Antworten geben musste, konnte ich nur einen kurzen Blick auf den Text zum Thema «Grenzüberschreitendes Würzfleisch» werfen – und seufzen. Als ich dann am Rednerpult stand (im September 2010), haben meine Augen – wie man das so macht – immer zwei, drei Zeilen vorausgelesen. Plötzlich fielen sie auf das Wort Bündnerfleisch. Und der Rest ist Ihnen bekannt.

Vielleicht sollte man das Video nach jeder «Tagesschau» als Hausmittel gegen Corona-Trübsal ausstrahlen, da man darüber auch nach wiederholtem Betrachten noch Tränen lachen kann?

Eine Frau aus Zürich hat mir einmal geschrieben, dass sie, obwohl sie nicht einmal 30 Jahre alt ist, unter Depressionen leiden würde. Wenn ein Anfall drohte, hätte sie schon mehrfach das Video geschaut und danach wäre es ihr gleich viel besser gegangen! Ist das nicht schön?

Wie Hans-Rudolf Merz mit der Macht als Bundesrat umging, lesen Sie hier.

Interview: Reinhold Hönle, Journalist BR, Baden | Fotos: Keystone-sda, Peter Klauzner und Gian Ehrenzeller – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2020

Hans-Rudolf Merz

Hans-Rudolf Merz wurde am 10. November 1942 in Herisau geboren. Nach seinem Wirtschaftsstudium an der HSG St. Gallen war er lange als selbständiger Unternehmensberater tätig. Für die FDP des Kantons Appenzell Ausserrhoden wurde er 1997 in den Ständerat und 2003 in den Bundesrat gewählt, wo er bis zu seinem Rücktritt 2010 das Wirtschaftsdepartement führte. 2008 erlitt er während der Finanzkrise einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Merz war von 1968 bis zu ihrem Tod 2016 mit der Künstlerin Roswitha Merz-Schüller (75) verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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