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Kirche, Politik

Boden markieren, Sitzplätze «punktieren»

27.05.2020
Ab dem 28. Mai sind Feiern aller Religionen wieder erlaubt. Die Kirchgemeinden müssen nun in Kürze die vorgeschriebenen Schutzkonzepte umsetzen. Wie das geht, zeigt die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg. Sie startet am Pfingstsonntag wieder mit Gottesdiensten. Anfang Woche wurden die Kirchen dafür eingerichtet.

Am Montag gleicht die Kirche Wattwil einer Baustelle: Bänder, Markierungspunkte und Desinfektionsmittel stehen für die Arbeiten bereit. Eine Anzeigetafel empfängt mit «Herzlich willkommen!», darauf stehen zugleich Verhaltensregeln. Die Mesmer Werner Häne und Heidi Ünes sowie Pfarrerin Nanette Rüegg richten die Kirche für den ersten Gottesdienst am Pfingstsonntag nach den Auflagen des Bundes ein. Acht Seiten umfasst dieses «Schutzkonzept für Gottesdienste», darin steht zum Beispiel: Bodenmarkierungen am Eingang und in den Gängen anbringen. Weiter sind die Plätze in den Bänken mit Punkten markiert, so dass der vorgeschriebene Zweimeterabstand besteht. 

150 Meter Band, 210 Punkte 
Für die Arbeiten in den Kirchen Wattwil, Lichtensteig und Krinau haben die Mesmer 210 Punkte für die Bezeichnung der Sitzplätze und 150 Meter Band für die Markierung am Boden bestellt. «Es ist eine spezielle Art der Vorbereitung auf die Gottesdienste», sagt Pfarrerin Nanette Rüegg. Sie ist für das Schutzkonzept verantwortlich. «Wir freuen uns sehr, wieder feiern zu können, sind aber auch etwas angespannt». 

Singen vorerst nicht erlaubt
Auch für die Durchführung der Gottesdienste gelten Auflagen. So ist Singen vorerst nicht erlaubt (siehe Zusatzbox) und die Feiern sind mit maximal 40 Minuten etwas kürzer als üblich. Die Kirchgemeinde erhebt Name und Telefonnummer als Kontaktdaten für die Nachverfolgung einer allfälligen Infektion. Die Daten werden streng vertraulich behandelt und nach 14 Tagen geschreddert. Vor und nach den Gottesdiensten werden die Räume gut gelüftet, und Oberflächen wie Türklinken und Abendmahlstisch gereinigt. 

Mehr Personal im Einsatz 
Um die Vorgaben umzusetzen, ist zusätzliches Personal zur Instruktion im Einsatz. Für die maximale Anzahl Einzelpersonen pro Kirche giltder Richtwert, dass jeder Besucher eine Fläche von vier Quadratmetern hat. Damit sinkt die Platzzahl auf etwa einen Siebtel. Sind Personen aus demselben Haushalt dabei, können es mehr sein: für sie gilt der Zweimeterabstand nicht. Besonders gefährdeten Personen wird empfohlen, weiterhin religiöse Angebote über andere Kanäle zu nutzen. 

Die Gottesdienste mit Pfarrer Rainer Pabst und Organistin Heidi Preisig finden am Pfingstsonntag um 9.30 Uhr in Wattwil und um 10.30 Uhr in Lichtensteig statt. Es sind dieselben Inhalte, denn die Kirchgemeinde bittet, die Feier am Wohnort zu besuchen. 

 

Text und Foto: Daniel Klingenberg – Kirchenbote SG, 27. Mai 2020

Gesang – die St. Galler Kantonalkirche empfiehlt

«Bekanntlich wird nach dem Schutzkonzept für Gottesdienste davon abgeraten, mit der Gemeinde zu singen. Wir schlagen vor, dass dieses zentrale Element der reformierten Liturgie nicht ersatzlos gestrichen wird, sondern nach Möglichkeit dadurch aufrecht erhalten bleibt, dass Solistinnen und Solisten, kleine Gesangsgruppen oder Bands die Lieder vortragen und die Gemeinde dazu einladen, innerlich mitzusingen. Dies ist für Bands relativ einfach umzusetzen. Für eine adäquate Umsetzung klassischer Kirchenlieder mit Orgelbegleitung empfehlen wir hier ein gutes Beispiel mit drei freiwilligen Laiensängerinnen und -sängern aus der Gemeinde.» (ref-sg.ch)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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