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Spiritualität

«Wie ein guter Rotwein»

20.07.2020
Seit 41 Jahren sind Alfred und Margrit Wolfer ein starkes Team – sowohl in der Beziehung als auch im Rebberg. Sie erklären, was die Entwicklung eines Weins mit ihrem Leben als Paar gemeinsam hat und welche Rolle der Glaube spielt.

«Vertrauen bildet beim Rebbau und in einer Beziehung die Basis», sagt Alfred Wolfer. Man könne die Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft sowie für die Entwicklung des Weins zwar optimal einrichten. Am Schluss werde jedoch vieles der Natur überlassen. Stets versuchen sollte man indes, «das Unkraut in Schach zu halten». Margrit Wolfer betont, dass sowohl die Beziehung als auch der Wein Zeit zum Reifen und Ausdauer in der Pflege brauchen. «Unsere Partnerschaft ist wie ein guter Rotwein», bringt es Alfred Wolfer auf den Punkt. «Rotweine haben eine lange Lebensdauer und verändern sich mit der Zeit. In jedem Stadium haben sie ihren Reiz.» Als junger Wein schmecke er lebhaft, unruhig und spritzig. Mit der Zeit reife er, beruhige und harmonisiere sich. «Der Rotwein wird immer verträglicher. » So sei es auch in einer Beziehung.

Erinnerungen wecken
Alfred und Margrit Wolfer haben 32 Jahre lang das Weingut Wolfer in Weinfelden geführt. Vor acht Jahren hat ihr Sohn den Betrieb übernommen. Die Eltern unterstützen ihn bei Bedarf. Das ist besonders während der Vegetationszeit, also dem Wachstum der Weinreben der Fall. «Bei der Arbeit im und um den Rebberg ergänzen wir uns sehr gut», betont Margrit Wolfer. Es sei ein langer Weg, bis sie den fertigen Wein in der Hand halten können, ergänzt ihr Ehemann. Der Wein als Endresultat sei im symbolischen Sinne förderlich für eine gesunde Partnerschaft. Beim Trinken kämen Erinnerungen an die Entstehung hoch. «Unsere Weine assoziiere ich mit starker Verbundenheit, da wir ein reiner Familienbetrieb sind.»

Schöpferisch tätig
Für das Ehepaar ist der Glaube zentral im Leben. «Wenn wir auf unser Leben als Paar zurückblicken, hat uns der Glaube in vielen Situationen geholfen», sagt Alfred Wolfer. Der Glaube stelle für sie eine gemeinsame Basis dar. «Als Winzer führen wir eine schöpferische Tätigkeit aus.» Grund- und Gottvertrauen spielten dabei eine grosse Rolle. «Jedes Jahr vertrauen wir darauf, dass die Trauben reif werden und es keine Zwischenfälle gibt», sagt Margrit Wolfer. Dieses Vertrauen sei auch in der Partnerschaft wichtig.


Seminar «Paare im Weinberg» mit Margrit und Alfred Wolfer: Mittwoch, 26. August 2020, 18.30 bis 22 Uhr, Weingut Wolfer, Weinfelden. Mehr erfahren.


(Jana Grütter)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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