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Politik

«Die St. Galler Kirche ist zurückhaltend mit Abstimmungsempfehlungen»

20.10.2020
Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, setzt sich für die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) ein. Im Interview begründet er seine Haltung.

Herr Schmidt, warum befürworten Sie die KVI?

Martin Schmidt: Ich bin der Meinung, dass wir uns alle für eine menschenwürdige und gerechte Welt einsetzen müssen. Unsere christlichen Hilfswerke und die staatliche Entwicklungshilfe sorgen schon seit Jahren dafür, dass Menschen vor Ort gut leben können. Gerade auch im Blick auf die Migration sollten wir darauf achten, dass Menschen in ihrer Heimat lebenswerte Bedingungen vorfinden. Wenn dann unsere «eigenen» Firmen teilweise verhindern, dass das geschieht, ist das kontraproduktiv. 

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in Ihrer Haltung zur Konzernverantwortungsinitiative? 

Schmidt: Ich glaube, dass Gott Mensch geworden ist, damit es in dieser Welt menschlicher wird. Daher setzen wir uns ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Der Glaube und die Kirchen sind nicht nur für das persönliche Seelenheil zuständig, sondern damit wir uns dafür engagieren, dass es in dieser Gesellschaft christlich, menschenwürdig und gerecht zu- und hergeht. Mein Glaube fordert mich auf, mich in dieser Welt für gerechte Strukturen einzusetzen.

Weshalb sollen Kirchen in diesem Fall politisch Position beziehen? 

Schmidt: Die St. Galler Kirche ist in der Regel zurückhaltend mit politischen Stellungnahmen und mit Abstimmungsempfehlungen. Aber grundsätzlich sind wir als Landeskirche vom Staat aufgefordert, am Wohl in der Gesellschaft mitzuwirken und uns einzubringen. Der Bettag ist ein Symbol dafür. Wir engagieren uns mit dem Staat in den Bereichen der Bildung, der Seelsorge, des Sozialdienstes und vielen Bereichen mehr. Und politisch sein heisst ja, sich für die «polis», also für die Gesellschaft, einzusetzen. Das hört an den Kirchenmauern nicht auf.

Haben wir das Recht, uns in das Rechtssystem beziehungsweise Angelegenheiten fremder Staaten einzumischen?

Schmidt: In einer globalisierten Welt hören die Gesetze und die Regeln nicht einfach an den Landesgrenzen auf. Globales Wirtschaften erfordert auch globale Verantwortung. Ich halte es für unmoralisch und unchristlich, so zu tun, als könnte ich meine Überzeugungen an den Grenzen ablegen. Menschenrechte und Menschenwürde sind global und weltweit einzuhalten und nicht dem Profit unterzuordnen.

Können Sie auch mit dem Gegenvorschlag leben, der die Haftung der Konzerne für Tochterunternehmen ausschliesst?

Schmidt: Wir hatten als Kirchen auf einen guten Gegenvorschlag gehofft. Der jetzige ist «zahnlos» und wenig erfolgversprechend. Er fordert, dass Konzerne einmal im Jahr über Menschenrechte und Umwelt berichten müssen – oder aber erklären können, wieso sie dies nicht tun wollen. Ausgewählte Unternehmen müssen zudem eine Sorgfaltsprüfung, bezogen auf Kinderarbeit und Konfliktmineralien, durchführen. Diese Regelung enthält keine Sanktionen. Das ist wie Schwarzfahren ohne Bussenandrohung.

An Kirchen prangen Transparente für die KVI. Die Gegner sind nicht vertreten. Werden Sie vor den Kopf gestossen?

Schmidt: Es ist richtig, dass die Meinungen in der Kirche genauso auseinandergehen wie die in der Gesellschaft. Daher bin ich für dialogische Formen der Meinungsäusserung, der politischen Gespräche und Auseinandersetzungen. Ich würde z.B. Gottesdienste und Predigten nicht für Positionierungen verwenden, da dort keine Möglichkeit zum Dialog besteht. Auch Fahnen und Banner an Kirchtürmen finde ich schwierig. Sehr wohl halte ich aber Infostände, Podiumsdiskussionen nach einem Gottesdienst, Strassenaktionen, Flyer etc. für zielführend.

Fürchten Sie bei Annahme der KVI Kirchenaustritte namhafter Unternehmer und damit Geldgeber der Kirche?

Schmidt: Es ist möglich, dass das passiert. Aber ich kann ja meine Überzeugung oder einen Entscheid des Kirchenrates nicht abhängig machen von einer Drohkulisse möglicher Austritte. Martin Luther hat einmal gesagt: «Hier stehe ich, ich kann nicht anders!» Zudem gibt es inzwischen Komitees bis weit in die bürgerlichen Kreise und auch aus der Wirtschaft, die die KVI unterstützen. Auch kenne ich viele Wirtschaftsleute, die dafür sind, weil ihnen das Image des Profitstrebens, «das über Leichen geht», auch leid ist.

Worauf verzichten Sie persönlich in Ihrem Alltag, weil das Produkt unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wird?

Schmidt: Ich achte genau darauf, wo etwas produziert wird. Und es ist ja nicht so, dass ich auf etwas verzichten müsste, ich muss möglicherweise bereit sein, mehr dafür zu bezahlen. Von daher sind die Argumente in der KVI ja nicht neu. Wie erwähnt, haben die Kirchen und Hilfswerke schon seit Langem Gerechtigkeit angemahnt, z.B. beim Landgrabbing, Umweltschutz oder bei Kinderarbeit. Neu ist, dass neben Appellen und Boykotten die Verursacher nun stärker in den Blick kommen und Haftung dafür ein Thema ist.

Hier geht es zum Interview mit Ulrich Knoepfel, Glarner Kirchenratspräsident und Gegner der KVI. 

Interview: Katharina Meier / Stefan Degen | Foto: Andreas Ackermann – Kirchenbote SG, November 2020

 

Worum es geht

Am 29. November wird über die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative KVI abgestimmt. 

Was will die Initiative?

Die KVI fordert, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz die Menschenrechte und internationale Umweltstandards auch ausserhalb der Schweiz zu respektieren haben und dafür haftbar gemacht werden können. Das betrifft auch das Verhalten ihrer Tochterfirmen und ökonomisch abhängiger Firmen – ausser sie können eine angemessene Sorgfaltsprüfung beweisen. Mit der Initiative sollen die Menschen in Entwicklungsländern besser vor Missbräuchen geschützt werden. Zudem soll sie verhindern, dass der Ruf der Schweiz durch Verfehlungen einzelner Konzerne in Mitleidenschaft gezogen wird. 

Indirekter Gegenvorschlag

Bundesrat und Parlament lehnen die KVI ab. Die Haftungsregelung geht ihnen zu weit. In seiner Botschaft anerkannte der Bundesrat aber die Anliegen der Initianten als berechtigt und stimmte mit dem Parlament einem Gegenvorschlag zu. Der Gegenvorschlag tritt in Kraft, falls die KVI an der Urne abgelehnt wird. Er enthält keine Konzernhaftung des Schweizer Unternehmens bei Fehlverhalten von Tochterunternehmen oder wirtschaftlich abhängigen Zulieferern. Er enthält indes für bestimmte Unternehmen die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung über die Achtung der Menschenrechte und den Umweltschutz. Geht es um Konfliktmineralien und Kinderarbeit, müssen die Unternehmen zusätzlich Sorgfaltsprüfungspflichten erfüllen. (tz/meka)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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