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Politik

«Was die KVI will, ist anmassend»

20.10.2020
Ulrich Knoepfel, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Glarus, setzt sich gegen die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) ein. Im Interview begründet er seine Haltung.

Herr Knoepfel, warum lehnen Sie die KVI ab?

Ulrich Knoepfel: Die Initiative setzt auf Konfrontation statt auf Dialog und schadet den Menschen, denen sie helfen will. Schweizer Unternehmen zögen sich aus Risikoländern zurück – zugunsten beispielsweise von chinesischen Konzernen ... Die absurde Ausdehnung der Haftungskaskade auf Tochterfirmen und Lieferanten, verbunden mit Beweislastumkehr, schafft extrem unfaire Bedingungen. Schliesslich soll anderen Ländern ihr Justizwesen aus der Hand genommen und Prozesse sollen in die Schweiz transferiert werden. Das ist ein quasi-kolonialistischer Übergriff.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in Ihrer Haltung zur Konzernverantwortungsinitiative? 

Knoepfel: Als Christ weiss ich mich von Gott aufgerufen, Verantwortung wahrzunehmen für Mensch und Schöpfung. Dazu gehört auch die sinnvolle, lebensfördernde Gestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in unserem Land. Insofern also ist die Mitwirkung an politischen Entscheidungen für mich auch Christenpflicht. Aber selbstverständlich engagiere ich mich nur in eigenem Namen und beanspruche nicht, für die Kirche zu sprechen. 

Weshalb sollen Kirchen in diesem Fall politisch Position beziehen? 

Knoepfel: Kirchen sollen sich für wichtige Werte einsetzen, wie den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt. Über den Weg zu diesen Zielen können Christen aber in guten Treuen oft geteilter Meinung sein. Eine Volkskirche, die bei kontroversen Themen einseitig Partei ergreift, übergeht damit zwangsläufig ihre andersdenkenden Mitglieder. Tut sie dies wiederholt, so können sich diese dann immer weniger mit ihrer Kirche identifizieren. Wir erleben das heute bei etlichen Kantonalkirchen mit offensichtlicher rot-grüner und wirtschaftsfeindlicher Schlagseite.

Haben wir das Recht, uns in das Rechtssystem beziehungsweise Angelegenheiten fremder Staaten einzumischen?

Knoepfel: Der Umgang mit ungerechten Zuständen und Handlungen in anderen Ländern ist sehr heikel. Diese Staaten schätzen äussere Einmischung genauso wenig wie wir Schweizer. Eine generelle Regel gibt es hier nicht. Manchmal ist stille Diplomatie das Beste. Je nachdem aber ist verhaltener oder unverblümter Widerstand angezeigt. Jedenfalls muss man sich gut überlegen, was man tut. Ein systematischer Übergriff in die rechtliche Zuständigkeit anderer Länder, wie dies die KVI will, ist aber äusserst anmassend.

Können Sie auch mit dem Gegenvorschlag leben, der die Haftung der Konzerne für Tochterunternehmen ausschliesst?

Knoepfel: Ja, unser Komitee befürwortet den Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament. Dieser schliesst die Haftung für Tochterunternehmen aber nicht grundsätzlich aus, knüpft diese aber an überschaubare, kontrollierbare Voraussetzungen nach geltendem Recht. Dies ist ethisch angebracht.

An Kirchen prangen Transparente für die KVI. Die Gegner sind nicht vertreten. Werden Sie vor den Kopf gestossen?

Knoepfel: Ja natürlich. Ich würde dort keinen Gottesdienst besuchen.

Fürchten Sie bei Annahme der KVI Kirchenaustritte namhafter Unternehmer und damit Geldgeber der Kirche?

Knoepfel: Solche Kirchenaustritte erfolgen schon heute aufgrund der äusserst einseitigen und wirtschaftsfeindlichen Kampagne aus kirchlichen und Hilfswerkkreisen. Diese Unternehmerpersönlichkeiten sagen uns, dass sie sich in der Kirche nicht mehr willkommen fühlten. Ein wichtiger Zweck unseres Ethikkomitees ist es dementsprechend, deutlich zu machen, dass es in den kirchlichen Behörden und der Pfarrerschaft auch Menschen gibt, die anders denken. Einige Kirchenaustritte konnten wir damit schon verhindern.

Worauf verzichten Sie persönlich in Ihrem Alltag, weil das Produkt unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wird?

Knoepfel: Je nachdem würde ich solche Produkte nicht kaufen, z.B. Billigkleider. Allerdings ist dies eine zwiespältige Sache, denn unter Umständen schadet man den Betroffenen durch den Boykott erst recht. Ich finde es deshalb vordringlich, sich dafür einzusetzen, dass in den betreffenden Ländern geordnete Zustände herrschen und die Schwachen darin zu unterstützen, sich zu wehren. Hier sehe ich durchaus eine wichtige Aufgabe für kirchliche Hilfswerke und andere Nichtprofitorganisationen.

Hier geht es zum Interview mit Martin Schmidt, St. Galler Kirchenratspräsident und Befürworter der KVI. 

Interview: Katharina Meier / Stefan Degen | Foto: pd – Kirchenbote SG, November 2020

 

Worum es geht

Am 29. November wird über die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative KVI abgestimmt. 

Was will die Initiative?

Die KVI fordert, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz die Menschenrechte und internationale Umweltstandards auch ausserhalb der Schweiz zu respektieren haben und dafür haftbar gemacht werden können. Das betrifft auch das Verhalten ihrer Tochterfirmen und ökonomisch abhängiger Firmen – ausser sie können eine angemessene Sorgfaltsprüfung beweisen. Mit der Initiative sollen die Menschen in Entwicklungsländern besser vor Missbräuchen geschützt werden. Zudem soll sie verhindern, dass der Ruf der Schweiz durch Verfehlungen einzelner Konzerne in Mitleidenschaft gezogen wird. 

Indirekter Gegenvorschlag

Bundesrat und Parlament lehnen die KVI ab. Die Haftungsregelung geht ihnen zu weit. In seiner Botschaft anerkannte der Bundesrat aber die Anliegen der Initianten als berechtigt und stimmte mit dem Parlament einem Gegenvorschlag zu. Der Gegenvorschlag tritt in Kraft, falls die KVI an der Urne abgelehnt wird. Er enthält keine Konzernhaftung des Schweizer Unternehmens bei Fehlverhalten von Tochterunternehmen oder wirtschaftlich abhängigen Zulieferern. Er enthält indes für bestimmte Unternehmen die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung über die Achtung der Menschenrechte und den Umweltschutz. Geht es um Konfliktmineralien und Kinderarbeit, müssen die Unternehmen zusätzlich Sorgfaltsprüfungspflichten erfüllen. (tz/meka)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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