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Kirche

Kirchenentwicklung: «Wir müssen über Corona hinausdenken»

25.11.2020
Die Schaffhauser Kirche will sich weiterentwickeln. Dabei helfen sollen Erkenntnisse aus der ersten Corona-Welle.

Digitale Formen kirchlicher Angebote stehen dabei weit oben auf der Wunschliste. Über Corona hinausdenken. Darum geht es in diesem Jahr am «Ernte-Event» zur Kirchenentwicklung, der jährlich im Herbst über die neuesten Erkenntnisse informieren soll. Dieses Jahr findet der Anlass corona-bedingt digital statt. Videos präsentieren die Inhalte des «Ernte-Events» auf dem Kirchen-Web. «Wir wollen lernende Kirchgemeinden sein», sagt Cornelia Busenhart, Kirchenrätin und Verantwortliche des Referats Kirchenentwicklung, und erklärt: «Ursprünglich wollten wir die guten Ideen aus der ersten Corona-Zeit nicht verlieren, nicht wissend, dass wir sie bereits jetzt wieder benötigen. Deshalb haben wir die Ideen zusammengetragen und stellen sie nun allen Interessierten zur Verfügung.»

Geld aus dem Zukunftsfonds

Die zukünftigen Kirchenentwicklungsprojekte sollen über den sogenannten «Zukunftsfonds» finanziert werden. Mittels umfassender Umfragen hat der Kirchenrat erforscht, welche Ideen und Innovationen aus der ersten Corona-Welle einem weiterführenden Bedürfnis entsprechen. Heiss im Rennen sind digitale Formen. «Interne und externe Umfragen haben ergeben, dass ein Grossteil der Befragten weiterhin Online-Gottesdienste schauen würde, am liebsten als anonyme Zuschauergruppe», so Busenhart. Gefragt könnten in Zukunft auch Angebote im Internet für alle Altersgruppen wie Online-Community-Gruppen, Online-Jugendgottesdienste, Podcasts, Videoimpulse oder zum Beispiel Schnitzeljagden über eine App für Konfirmandinnen und Konfirmanden sein.

Gemäss den Umfragen ist auch das Bedürfnis nach spiritueller Inspiration gross: «Besonders die Stationenwege in der Natur sind in der Corona-Zeit sehr geschätzt und gerade auch von Familien genutzt worden», sagt die Kirchenrätin.

In der letzten November-Woche kann man in den Schaffhauser Kirchgemeinden St. Johann-Münster, Zwingli und Steig spirituelle Räume besuchen, die zur persönlichen Meditation und Stille einladen: «Dies ist eine typische Weiterentwicklung unserer Erkenntnisse aus den Analysen und entspricht auch dem Bedürfnis von kirchenfernen Personen, wie unsere Umfragen ergeben haben.»

Auch das soziale Engagement der Kirche steht weit oben auf der Hitliste. «In ihren Antworten haben die Leute betont, dass sich die Sozialdiakoninnen und Pfarrpersonen Zeit für sie genommen haben, als weniger Veranstaltungen möglich waren. Sie sind die ganze Zeit hindurch ansprechbar geblieben. Das wurde enorm geschätzt und zeigt uns, dass der persönliche Kontakt wichtiger ist als möglichst viel Betriebsamkeit.»

Besondere Gottesdienste sind gefragt

Gottesdienste besuchen die Menschen eher dann, wenn sie mit Feiertagen, Musik, Beerdigungen, Hochzeiten oder einem kulturellen Angebot verbunden sind. Auch Gottesdienste im Freien oder an besonderen Orten ziehen die Menschen an. «In diesem Bereich hat Corona zu vielen kreativen Formen geführt. Ich denke an die Gartengottesdienste oder an die Stationenwege in den Kirchen. Hier müssen wir unbedingt weiterdenken, auch über Corona hinaus.»

Die Kirchenentwicklung sei auf einem guten Kurs: «Unsere Analyse hat Richtungen angezeigt, die wir als Kirche beschreiten möchten», sagt Busenhart. Hauptakteure dabei sollen die Gemeinden bleiben. «Wir von der Kirchenentwicklung wollen die Projekte nicht vorgeben, sie müssen von der Basis herkommen. Grundsätzlich hat jede und jeder die Möglichkeit, sich einzubringen.»

Adriana Di Cesare