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Gesellschaft

«Das Gesicht kann lügen»

28.01.2021
Mummenschanz-Mitbegründerin Floriana Frassetto (70) über den Glauben, man könne sich hinter einer Maske verstecken, ihre Suche nach Wärme und das Silvesterchlausen.

Frau Frassetto, was fasziniert Sie am Spiel mit den Masken?

Florian Frassetto: Wissen Sie, das Gesicht kann lügen. Ich kann Sie zum Beispiel anlächeln, Ihnen in die Augen schauen und behaupten, dass es mir gut gehe. Habe ich eine Maske auf, ist es schwieriger zu schwindeln, da die Körpersprache weniger leicht manipulierbar ist als die Mimik. Es ist also ein Trugschluss, wenn die Leute meinen, sie könnten sich hinter einer Maske verstecken.

Welches ist Ihre Inspiration?

Einerseits all das, was tagtäglich um uns herum passiert, Eindrücke und Entdeckungen auf Reisen sowie die Objekte und Materialien, die wir sammeln, um daraus Masken zu machen.

 

«Schlimm ist, wenn der amerikanische Zoll die Einfuhr des WC-Papiers blockiert.»

 

Wir versuchen immer, das Drama des Lebens auf eine humorvolle und poetische Art darzustellen. Schön ist, dass wir dafür eine universelle Sprache gefunden haben, die für alle Kulturen gut verständlich ist.

Seit zehn Jahren arbeiteten Sie mit einer neuen Generation von Darstellern zusammen. Was hat diese eingebracht?

Sie bringen ihr Talent und neue Inputs ein. Das ist ein wunderbarer Austausch. Ich muss dabei ein wenig kämpfen, damit der rote Faden nicht verloren geht. Der erste Antrieb des Künstlers ist immer, dem Publikum möglichst viel zu geben, doch viel ist nicht immer gut. Weniger ist mehr. Speziell bei Mummenschanz.

Neigen die Jungen mehr zur Unterhaltung und Sie zur Poesie?

So würde ich das nicht ausdrücken. Ich habe die Philosophie sicher mehr verinnerlicht, weil ich schon fast fünfzig Jahre Teil von Mummenschanz bin. Was die Jungen einbringen, ist ihre unglaubliche physische Energie, die ich mit 70 Jahren nicht mehr besitze. Dafür habe ich eine grosse spirituelle Energie.

Welches sind Ihre Favoriten unter den vielen Masken, die Sie entworfen haben?

Die Röhren, die Toilettenpapier-Maske und der grüne Mund, doch das ändert sich jeden Tag, je nach Stimmung. (lacht)

Können Sie uns von lustigen Missgeschicken mit den Masken erzählen?

Uff, wenn das Material nicht so reagiert, wie man es sich wünscht. Man arbeitet zum Beispiel mit einer Plastikform, bläst diese zu stark auf und alles explodiert. Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist jedoch, dass dir der amerikanische Zoll die Einfuhr deines Toilettenpapiers nicht erlaubt. Das ist schlimm, ganz schrecklich!

Weshalb?

Dann muss ich den Beamten erklären, dass wir für unsere Show unbedingt unser deutsches WC-Papier brauchen, weil es stark ist und nicht abreisst, wenn die eine Figur in diesem Sketch weint und der anderen die Ohren abfallen. Wenn sie entgegnen, dass es in ihrem Land genug gutes Toilettenpapier gibt, besänftige ich sie: «Es ist sogar das beste der Welt, aber leider zu weich.»

Haben Sie als Italoamerikanerin eine Beziehung zum Carnevale?

In meiner Jugend fand ich ihn noch sehr elegant, einfach wunderbar! Als ich Venedig in den Achtzigerjahren erneut besuchte, war er nur noch laut und vulgär. So bevorzuge ich die Basler Fasnacht. Sie ist toll. Ich habe sie einst mit Bernie Schürch (ihrem früheren Lebens- und Bühnenpartner, Anm. d. Verf.) volle drei Tage und drei Nächte durchlebt und war fasziniert. Mein Lieblingsevent ist aber das Appenzeller Silvesterchlausen. Wenn gejodelt wird, muss ich immer weinen. Das berührt mich zutiefst. 

Wie hat sich die Bedeutung der Religion in Ihrem Leben verändert?

Ich wuchs in einer katholischen Privatschule auf. Ich konnte es kaum ertragen, so schmerzten meine Knie! (lacht) Dann ging ich viele Jahre lang in keine Kirche mehr. Seit mein Lebenspartner, Hansjörg Tobler, vor zehn Jahren an Krebs gestorben ist, ist die Religion wirklich wichtig für mich. Aus einer Sehnsucht nach innerer Wärme begann ich wieder in die Kirche zu gehen. Ich verehre die Madonna, entzünde ihr zu Ehren Kerzen und bete zurzeit inständig, dass sich die Türen der Theater und Museen bald wieder öffnen. Ich halte gemeinsam erlebte Kultur für extrem wichtig! Man hat Spass, interagiert, teilt und fühlt sich lebendig.

Interview: Reinhold Hönle, Journalist BR, Baden | Fotos: zVg – Kirchenbote SG, Februar 2021


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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