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Gesellschaft

Die Kirche bietet Gemeinschaft in der Krise

19.03.2021
Viele kämpfen in der Corona-Krise mit psychischen Problemen. Die Kirche verfügt traditionellerweise über ein bewährtes Angebot an Unterstützung, das der ganzen Bevölkerung zusteht, von der Seelsorge bis zu offenen Kirchen.

Politik und Medien warnen vor der Überlastung der Spitäler, sie streiten über Lockerungen der Corona-Massnahmen und die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Erst in letzter Zeit liest und spricht man vermehrt über die mentalen und seelischen Auswirkungen der Krise, mit denen viele und vor allem junge Menschen kämpfen.

Eine im Baselbieter Landrat eingereichte Motion nahm sich des Themas an und beauftragt den Regierungsrat, «den Schutz der psychischen Gesundheit der Bevölkerung als wichtigen Pfeiler der Pandemiebewältigung aufzunehmen», indem er niederschwellige Angebote schafft, wo die Menschen unkompliziert und rasch Hilfe finden und die Fachverbände und bestehenden Organisationen in die Bewältigung der Pandemie einbezieht sowie präventive Angebote entwickelt.

Daraufhin befragte der Regierungsrat im Februar verschiedene Organisationen, darunter die Baselbieter Landeskirchen, wie sie die aktuelle Corona-Lage einschätzen und mit welchen Mitteln und Angeboten sie die psychische Gesundheit der Bevölkerung unterstützen.

Spürbare Corona-Müdigkeit
Gemäss der reformierten Kirche Baselland ist die Solidarität in der Bevölkerung nach wie vor intakt. Gleichzeitig sei jedoch eine Corona-Müdigkeit deutlich spürbar. Die Kirche macht mehrere Probleme aus: wachsende Armut, Einsamkeit und Isolation, sinkende Widerstandskräfte verbunden mit Ängsten und eine fragile Solidarität. Wiederkehrende Ereignisse, seien dies der regelmässige Besuch eines FCB-Spiels, Sporttrainings oder Chorproben, finden nicht mehr statt. Der Wegfall solcher Rituale, die das Leben strukturieren, sei für viele schwer zu ertragen. Für die Jungen, Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge und Studierende, fehle zudem die Zukunftsperspektive. Dank dem Privileg, weiterhin Gottesdienste feiern zu dürfen, könne jedoch in der Kirche zumindest teilweise Gemeinschaft gelebt werden. Das werde geschätzt.

In der Krise zeigt sich die Stärke der Kirche. Sie kann auf Altbewährtes zurückgreifen. Denn ihre Rolle habe sich während der Pandemie nicht verändert, wie Kirchenratspräsident Christoph Herrmann im Kirchenfenster vom Februar auf regioTVplus erklärte. Es gehe darum, das Zusammenleben und den Einzelnen zu stärken und daran zu erinnern, was jeden und jede sowie die Gemeinschaft trägt. Dazu gehöre Solidarität. Die Kirche habe nur ihre Berechtigung, wenn sie für andere da ist.

Als Volkskirche für alle da
Die Kirche könne zeigen, wie Gott in der Krise Trost, Kraft, Hoffnung und Perspektive schenkt, sagt Christoph Herrmann. Und die Volkskirche sei für alle da, die Hilfe suchen, betont der Kirchenratspräsident. Dies geschieht etwa über die Seelsorge in den Kirchgemeinden, in den Spitälern und Altersheimen, in den Gefängnissen und für Asylsuchende. Aber auch über andere bereits existierende Einrichtungen wie die Beratungsstelle für Partnerschaft, Ehe und Familie oder den Verein Tischlein deck dich. Zudem öffnet die Kirche ihre Räume und stellt sie für weitere Hilfsangebote zur Verfügung.

Anderes baute die Kirche nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie auf, wie die Plattform www.mobileboten-baselland.ch, wo man konkrete Hilfe etwa mit Einkäufen erhält samt einer Übersicht über die Angebote der Kirchgemeinden.

Mitte März nun lud der Regierungsrat zum Runden Tisch «psychische Gesundheit». Die Vernetzung zwischen den Institutionen, die einen Beitrag dazu leisten können, soll gestärkt werden, so das Fazit von Stephanie Krieger, die als Medienverantwortliche die reformierte Kirche Baselland vertrat. Bei allen Teilnehmenden sei der Wunsch da, den Austausch weiterhin zu pflegen, sagt sie. Einen Fokus legte man auf die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.

Karin Müller