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Gesellschaft

Hundert Bilder für das Klima

25.03.2021
In Schaffhausen malen Kinder Bilder, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Sie tun aber noch mehr für das Klima: Sie fahren Velo, basteln Einkaufstaschen aus Stoff und sammeln Abfall vom Boden auf.

Das Bild zeigt unseren Planeten. Die eine Hälfte ist grün und gesund. Die andere Hälfte ist grau und bröckelt. «Ich habe die Erde gemalt, wie sie vor und nach dem Klimawandel aussieht. Sie sollte grün sein und Wasser haben. Aber durch die grosse Wärme wird sie immer dunkler», erklärt Riana. Die Elfjährige gehört zu den Unterrichtskindern, die im Kanton Schaffhausen Bilder malen, um Spenden für Klimaprojekte zu sammeln.

Als Beauftragte für Entwicklungszusammenarbeit lanciert Doris Brodbeck die Kampagnen von «Brot für alle» und «Fastenopfer» im Kanton. Dieses Jahr sammeln die kirchlichen Hilfswerke für Klimaprojekte in Entwicklungsländern: «Die Idee, Kinder Bilder malen zu lassen, ist während eines ökumenischen Workshops für Katechese entstanden. Die Kinder machen begeistert mit. Wir haben schon über hundert Bilder, die wir in verschiedenen Kirchen ausstellen.»

Ausdrücken, was beschäftigt
In Schleitheim und Beggingen malen Unterrichtskinder aus der 3. bis 5. Klasse sowie Gruppen aus dem Jugendgottesdienst. Ihre Bilder können ersteigert werden. Das Geld fliesst in die Klimaprojekte. «Die Kinder machen sich Gedanken über das Klima. Durch das Malen können sie ausdrücken, was sie beschäftigt», so Doris Brodbeck.

Riana sorgt sich um die Zukunft: «Ich habe mir überlegt, was sein wird, wenn wir nichts tun. Dann wird die Erde austrocknen, und es kann kein Leben mehr entstehen. Das macht mir Angst», sagt sie.

Damit es nicht so soweit kommt, sammelt das Mädchen mit ihren Freundinnen regelmässig Abfall ein. «Wir treffen uns vor dem Einkaufsladen und sammeln auf, was herumliegt. Es liegt immer viel auf dem Boden.» Geht Riana selbst einkaufen, hat sie eigene Taschen dabei: «Ich mache mir so kleine Stofftaschen, damt ich keine Plastiktaschen brauche.» Sie isst viel Gemüse und probiert auch Neues: «Aber das ist manchmal schwierig», lacht sie.

Erwachsene sollen handeln
Sofias Bild zeigt die Welt, wie sie war, bevor die Menschen Müll produziert haben. «Ich frage mich, wie es den Tieren geht, wenn sie im Abfall leben müssen», sagt die Schülerin. Sie verursache zwar selber auch welchen. «Süssigkeiten sind halt oft in viel Plastik verpackt. Das ist blöd. Aber wenigstens werfe ich ihn nicht auf den Boden oder ins Meer», sagt sie. Wichtig sind ihr auch die Bäume: «Man sollte mehr Bäume pflanzen, denn wir verbrauchen viele Bäume für Papier. Ich versuche, meine Blätter immer ganz voll zu schreiben, bevor ich ein Neues nehme.»

Sofias Kollegin Enja könnte sogar gut auf das Handy verzichten oder auf das Internet: «Früher haben die Leute das alles auch nicht gebraucht. Heute schauen die Menschen draussen auf das Handy statt auf die Natur. Das finde ich schade.»

Nach Meinung der Kinder könnten die Erwachsenen viel dazu beitragen, um das Klima zu verbessern: «Sie müssten weniger Auto fahren und mehr Velo und Zug wie wir Kinder», sagt der zehnjährige Ben. Sein Bild zeigt einen Eisbären auf einer schmelzenden Eisscholle: «Wir dürfen nicht so viel Wärme aus dem Haus lassen, sonst geht sie überall hin und die Gletscher schmelzen. Ich lasse das Fenster nie lange auf», erklärt er.

Auch für Natalija und Ronja ist das Wohl der Tiere ein grosses Thema: «Uns beschäftigt, dass sie nirgendwo mehr leben können. Wie fühlen sich die Tiere, wenn sie ihr Zuhause verlieren? »

Gemeinsam zum Ziel
Die Kinder sind davon überzeugt, dass man klimabedingte Umweltkatastrophen nur abwenden kann, wenn alle dabei mithelfen: «Es gibt immer Menschen, die nicht mitmachen. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Man muss Leute, die viele Abgase produzieren, davon überzeugen, dass das nicht gut ist für die Erde», sagt die elfjährige Ladina. Es sei aber immer noch besser, mit dem Auto in die Ferien zu fahren als mit dem Flugzeug, ergänzt ihre Kollegin Sara. «Es ist natürlich schon cool, zu fliegen. Aber ich kann darauf verzichten, wenn dafür die Welt nicht kaputt geht.»

Adriana Di Cesare