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Gesellschaft

Umfrage

Ist die Frau heute wirklich gleichberechtigt?

22.09.2021

Auch heute ist eine Mär …

…dass wir alle die gleichen Rechte hätten! Die gleichen Rechte für Frauen und Männer sind seit 40 Jahren gesetzlich verankert. Seither wurde das Gleichstellungsgesetz in Kraft gesetzt, die Bundesverfassung angepasst und vieles verbessert. Es gibt allerdings noch genug Differenzen, die nicht ausgeräumt sind. Wir nehmen auch bewusst in Kauf, dass es bei den Sozialversicherungen unterschiedliche Ansprüche für Frauen und Männer gibt. Andere Ungleichheiten wollen wir dagegen bewusst abschaffen und schreiben Lohngleichheitsanalysen vor. Eine tatsächliche Gleichstellung – Fehlanzeige! Die formale Rechtsgleichheit konnte daher die ökonomischen, sozialen und politischen Ungleichheiten bis heute auch nicht endgültig beseitigen. Wenn wir selbst Unterschiede schaffen, bleiben sie uns noch lange erhalten!

Beatrix Bock, Kirchenpräsidentin von Rapperswil-Jona

Frau zu sein hat Vorteile

Für mich als «Female Young Professional» gibt es eine Reihe von Vorteilen. Ich komme gerade etwas leichter an meinen Traumjob als ein Mann und ich komme in den Genuss von Frauenevents: Frauen-Brunch, Frauen-Coaching, Frauen-Recruitment. In der Unternehmerwelt gibt es viele Programme, die «female entrepreneurship» vorantreiben. Das Pendel schwingt vielleicht gerade etwas stark in Richtung Vorteile für Frauen. Bevor es in der Mitte zum Stehen kommt, muss es sich erst einmal in verschiedenste Richtungen ausschwingen. Das ist Teil des Prozesses. Wir Frauen haben aber nicht nur Vorteile: «Du wirst genommen, nur weil du eine Frau bist», heisst es etwa. Und laut Statistiken erhalten Start-Up-Gründerinnen immer noch weniger Finanzierung als ihre männlichen Kollegen zugesprochen. Grund: unbewusste Voreingenommenheit.

Meike Kocholl (26), Jungunternehmerin, St. Gallen

Quoten sind unfair

Frauen in niederen sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund sind oft schlechter gestellt als ihre männlichen Kollegen. Da muss sich unbedingt etwas ändern. Aber ich hörte auch schon von Männern, die darum keine Stelle bekamen, weil sie das falsche Geschlecht haben – gerade wenn es um Leitungspositionen an staatlichen Stellen geht. Einem Grossunternehmen eine Frauenquote aufzudrücken dünkt mich für die «bevorzugten» Frauen allerdings keine gute Idee. Ja, ich empfinde es geradezu als diskriminierend – aber vielleicht, weil ich halt ein Mann bin. Als besonderes Kapitel wäre unser sexualisierter Alltag zu beleuchten. Hier wundere ich mich, dass Frauenverbände nicht mehr protestieren gegen die Ausbeutung der Frau. Ebenso, wenn es um Prostitution und Menschenhandel geht.

Marcel Ammann, Pfarrer, Altstätten

Kitas und Blockzeiten

Ich bin in den USA aufgewachsen, beide Eltern waren berufstätig.  Mein Vater arbeitete im Aussendienst, meine Mutter war Vizepräsidentin der grössten Bank in Tennessee. Zu Hause haben wir alle Haushaltpflichten durch drei geteilt. Als ich in die Schweiz kam, war es anders. Ich fragte mich, wieso. Das habe ich verstanden, als meine drei Kinder das Schulalter erreichten: Irgendjemand ist immer nach Hause gekommen oder rausgegangen – das Haus war nie leer. Seither haben Blockzeitein in der Schule, Mittagstische, Horte und Kitas den Alltag vereinfacht. Neue Arbeitsformen und Familienmodelle auch. Diese Fortschritte ermöglichen vielen Frauen die Wahl, ob sie zu Hause bleiben oder ihren Beruf ausüben möchten. Frauen, die diese Wahl nicht haben, brauchen Unterstützung. Wir sollten ihre Entscheide respektieren, auch wenn sie anders sind als unsere.

Vicki Gabathuler, Marketingfachfrau, Gams

Auch Männer werden benachteiligt

Ich bin sehr dafür dass noch mehr für die Gleichstellung gemacht wird, etwa im Bereich Arbeit und Familie. Deshalb finde ich auch, dass ein gesundes Mass an Feminismus unserer Gesellschaft guttut. Doch leider gibt es auch Leute, die es mit dem Feminismus, gelinde gesagt, etwas übertreiben. Solange man begründete und relevante Verbesserungsvorschläge bringt und sich nicht mit utopischen Ideen im Detail verrennt, ist das schön und gut. Männer werden übrigens ebenfalls benachteiligt. So ist das Bildungssystem besser auf Mädchen zugeschnitten, was sich in einer höheren Maturitätsquote widerspiegelt. Auch der Wehrdienst ist nur für Männer obligatorisch. Weshalb sollen Frauen keinen Wehrdienst leisten? Ich finde, dass man gemeinsam über die Benachteiligung beider Geschlechter sprechen und Lösungen finden sollte.

Justin Kaufmann (17), Konfirmand, Gams

Dem Manne gleich

Genesis 2 betont die Einsamkeit des eben geschaffenen Mannes. Gottes Entscheid, ihm etwas Ähnliches beizugesellen ist offensichtlich (Gn 2,18): «Ich will ihm eine Hilfe (ezer) machen, ihm gemäss (kenegdo). Das Hebräische hebt hervor, dass die Frau nicht über, neben, noch unterstellt eingeordnet wird, sondern gleichgestellt ist. Die Frau wurde aus dem Manne geschaffen. Setzt das voraus, dass sie ihm untergeordnet ist? So wie der Mensch (Adam) aus der Erde (Adama) geformt wurde, ist auch er ihr nicht untergeordnet. La côte ou le côté (wörtlich «Rippe oder Geschätzte», sela auf hebräisch) betont die Begriffe der Beziehungen, der Untrennbarkeit und der Einigkeit. Nichts im Bibeltext lässt auf irgendeine Minderwertigkeit der Frau deuten unter dem Vorwand, dass sie aus dem Mann hervorgegangen ist. Die Frau ist dem Manne gleich, sie steht ihm gleichwertig gegenüber.

Redouane Es-Sbanti, Pasteur, Église française Saint-Gall

Reden fällt vielen Männern schwer

Früher hatte der Mann den Zahltag und damit vielfach das Sagen. Frauen schwiegen, der Harmonie zuliebe. Dies hat sich Gott sei Dank geändert. Vor allem im öffentlichen Bereich ist die Gleichberechtigung da, obwohl bei gewissen Berufen Frauen nach wie 120 Prozent leisten müssen, um eine Gleichstellung zu erreichen oder den gleichen Lohn zu erhalten. Im privaten Bereich habe ich aber meine Zweifel, ob die Gleichberechtigung funktioniert. Hier gibt es nach wie vor Männer, die einfach entscheiden, ohne gross über eine Sachlage partnerschaftlich zu diskutieren. Man(n) macht es mit sich selber aus. Offen über etwas zu reden fällt vielen Männern nach wie vor schwer. Da hat es noch Potenzial.

Elsbeth Meier (85), Hausfrau, Wattwil

Streetdance für Mädchen

In der Schweiz hat sich im Verlauf der letzten Jahre einiges verbessert in Bezug auf die Gleichberechtigung. Jedoch erfahre ich immer noch, dass in manchen Volksschulen Frauen ausgegrenzt, gehänselt oder mit Vorurteilen eingedeckt werden. Ähnliches erlebe ich in manchen Lokalen, im Bus oder im Zug, auch in Bezug auf Homosexuelle. Die Genderfreiheit wird noch von vielen Leuten belächelt, da sie einfach neu ist. Mittlerweile gibt es auch Vereine, die stark auf Gleichberechtigung setzen. Das Streetdance-Angebot «roundabout» etwa ist speziell für Mädchen konzipiert.

Janine Büchler (19), Praktikantin, St. Gallen

 

Umfrage: Stefan Degen, Katharina Meier | Fotos: meka, zVg – Kirchenbote SG, Oktober 2021

 

50 Jahre Stimm- und Wahlrecht für Frauen

Stellen Sie sich vor, morgen sind Wahlen und Sie dürfen nicht hin. Nur weil Sie eine Frau sind. Klingt unfair? 

Noch vor knapp 50 Jahren war das die Realität für Frauen in der Schweiz. Erst 1971 wurde schweizweit das Stimm- und Wahlrecht für Frauen eingeführt. Das Stimm- und Wahlrecht ist ein Aspekt der Gleichberechtigung. Es gibt auch andere. Wir fragten quer durch unsere Kanton Männer und Frauen, wie sie die Gleichberechtigung sehen. (meka)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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