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Gesellschaft

Pandemie

Impfen in der Moschee: Kürzlich in Zürich, bald vielleicht im Baselland

17.11.2021
Am vergangenen Wochenende konnten sich Musliminnen und Muslime in zwei Zürcher Moscheen impfen lassen. Auch in anderen Kantonen ist die Idee ein Thema.

«Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet!» Mit diesem Koranvers rief die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) zum Impfen gegen Covid-19 auf. Vergangenen Freitag und am Sonntag warteten mobile Impfteams auf die Gemeindemitglieder in der albanischen Moschee in Altstetten und in der türkischen in Schwamendingen. An beiden Terminen sind die Moscheen gut besucht. Zum einen findet das wichtige Freitagsgebet statt, und am Wochenende blüht das soziale Leben mit Kinderunterricht, Frauenstunden und geselligen Anlässen. In beiden Gebetshäusern werden die Corona-Regeln übrigens strikt befolgt, ab 50 Personen gilt die Zertifikatspflicht.

Vielfältige Community
Er sei zufrieden mit dem Resultat der Impfaktion, sagt Vioz-Präsident Abduselam Halilovic. «Unser Aufruf ist innerhalb der muslimischen Community fleissig online geteilt worden.» Genaue Zahlen über das Impfergebnis in Zürich liegen indes noch nicht vor.

Für das Pilotprojekt mit der kantonalen Gesundheitsdirektion hat die Vioz bewusst eine Moschee mit albanischem und eine mit türkischem Hintergrund ausgewählt. «So erreichen wir über unsere Mitglieder hinaus zwei unterschiedliche ethnische Gemeinschaften», sagt Halilovic. Vom Erfolg des Pilots in Zürich hängt ab, ob ähnliche Aktionen auch andernorts im Kanton stattfinden.

Kritische Fragen
Die Vioz hat die Aufgabe ernst genommen. Am Donnerstag vor dem Impfwochenende lud sie zu einem online-Infoanlass ein. Eine Ärztin mit muslimischem Hintergrund brachte die Leute auf den neusten Stand in Sachen Corona und Impfung und beantwortete kritische Fragen. «Viele Leute fürchten die Nebenwirkungen der Impfungen oder machen sich Sorgen über Langzeitfolgen», erklärt Halilovic. So hält sich etwa in den sozialen Medien hartnäckig die Befürchtung, dass die Corona Impfung unfruchtbar macht. «Wie viele wir überzeugen konnten, weiss ich nicht», sagt Halilovic. Die Stimmung aber sei gut gewesen, alle hätten sich am Schluss bedankt für den Anlass.

Als Präsident des Dachverbandes der Zürcher Muslime steht Halilovic in regem Kontakt mit den Moscheevereinen im Kanton. Die meisten berichteten, dass die Mehrheit ihrer Mitglieder geimpft sei, vor allem bei den älteren Leuten sei die Quote hoch. «Trotzdem wollten wir die Aktion in Zürich durchführen, auch wegen ihrer symbolischen Wirkung für die muslimische Community und die ganze Schweizer Gesellschaft.»

Ein Viertel überzeugt
In Schaffhausen fand schon im September auf Initiative der islamisch-albanischen Mekka Moschee eine Impfaktion statt. Von rund 50 Personen, die dort am Freitagsgebet teilnahmen, liessen sich 12 vom mobilen Team des Gesundheitsamtes impfen.

Auch im Kanton Basel-Landschaft steht das Gesundheitsamt in Kontakt mit islamischen Religionsgemeinschaften. «Wir sind im Gespräch über mobile Impfungen in Moscheen», sagt Mediensprecher Rolf Wirz. Um Migrantinnen und Migranten besser zu erreichen, arbeitet der Kanton seit Beginn der Pandemie zudem mit dem Heks zusammen. Die Regionalstelle Basel des evangelischen Hilfswerks übersetzt laufend Informationen rund um Covid-19 in mehrere Sprachen. Die Übersetzerdienste des Heks kamen auch schon bei mobilen Beratungsanlässen etwa auf dem Wochenmarkt in Allschwil zum Einsatz. Wirz lobt auch die Zusammenarbeit mit dem türkischen Kulturverein. «Sie haben uns bei einem Walk-in-Impftermin in Pratteln unterstützt.» Auch Basel-Stadt ist am Abklären, ob ein Einsatz in den Moscheen sinnvoll ist.

Viel Unterstützung
Die muslimischen Religionsgemeinschaften haben sich schon früh mit der Impffrage auseinandergesetzt. Für den Dachverband der Albanisch-islamischen Gemeinschaften der Schweiz (DAIGS) ist klar, dass die Impfung aus islamisch-religiöser Sicht unumstritten ist. Und dass die Imame «in ihren Vorträgen die Bedeutung des Schutzes der individuellen und der öffentlichen Gesundheit aus religiöser Sicht ansprechen sollten.» Auch die Fids, der Dachverband aller muslimischen Organisationen in der Schweiz, empfiehlt die Impfung. «Nach unserem Glaubensverständnis ist es unbestritten, dass man die eigene Gesundheit und das Wohlergehen der Mitmenschen schützen soll.»

Christa Amstutz, reformiert.info