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Spiritualität

«Die sehen aus wie Engelsflügel»

24.11.2021
Nach der christlichen Lehre verkündet ein Engel die Geburt Jesu Christi. Der Theologe Rolf Kühni nimmt sich dieser himmlischen Wesen an und schreibt die etwas andere Weihnachtsgeschichte.

«Kürzlich fuhr ich nachts mit dem Auto über den San Bernardino, und da sah ich einen Engel.» So erzählte mir Norbert. In Erwartung eines träfen Sarkasmus verzog sich mein Gesicht unwillkürlich in ein Grinsen. Denn der intellektuelle Norbert ist nicht nur ein ängstlicher Autofahrer, der nachts seine Frau fahren lässt, sondern er hat für die grassierende Engels-Inflation unserer Zeit nur Hohn und Spott übrig.

 

«Zurzeit befinden sich mehr Engel auf Erden als jemals zuvor.»

 

Schon früher einmal diskutierten wir das Thema. Es ging um die Verlautbarung einer professionellen Engel-Seherin. Sie stellt die Frage, weshalb heute so viel über Engel gesprochen werde. Ihre Antwort leuchtet sogar einem Banausen wie mir ein: «Da sich die Schwingung des Planeten Erde erhöht, spüren mehr und mehr Menschen die Präsenz der Engel. Zurzeit befinden sich mehr Engel auf Erden als jemals zuvor. Ein Grund liegt darin, dass sich mehr Seelen inkarniert haben und dass jeder Mensch einen Schutzengel hat.» So ist das also.

Mein Grinsen bleibt hängen

Zurück zum San Bernardino. Es folgte alles andere als eine humorvolle Pointe, und mein blödes Grinsen blieb im Vakuum hängen: «Conny hatte Migräne, deshalb fuhr ich», erklärte Norbert. «Ein Megastress! All die Kurven: Scheinwerfer ein – Scheinwerfer aus – Scheinwerfer ein! Dazu ein scharfer Nordföhn; krampfhaft klammerte ich mich an das Steuerrad. Soeben wollte ich vorschlagen, hier irgendwo zu übernachten, als mich der Wagen hinter mir überholte. Er spurte gleich wieder ein und für einen Augenblick war ich geblendet. Die leuchtend roten, weit geschwungenen Rücklichter erschreckten mich. Um im nächsten Augenblick zu realisieren: ‹Die sehen eigentlich aus wie Engelsflügel!› Der Wagen beschleunigte moderat, und ich konnte ihm getrost bis Thusis folgen. Dort schwenkte er ab. Ich war unglaublich erleichtert und dankbar für die hilfreiche, sichere Führung.»

 

«Vielleicht ist ein Auto manchmal doch mehr als nur ein Auto.»

 

Diese banale Erfahrung brachte Norbert auf überraschende Gedanken. Er findet es weiterhin absurd, mit Engeln gezielt Kontakt aufzunehmen. Er hält weiterhin nichts von Engels-Hierarchien und privaten Schutzengeln und individuellen Engels-Botschaften und all dem «Gschmäus». Allerdings bin ich gespannt, wie er auf eine Aussage reagieren wird, auf die ich kürzlich stiess: «Engel zu spüren und zu empfinden ist ein Zustand, eine geistige Entwicklung, die wir uns selbst erarbeiten können.» Vielleicht erarbeitete sich Norbert ja durch den San-Bernardino-Stress diesen Zustand. Ja und? Ist dies ein Kriterium, dass es sich bei jenem Auto um keinen Engel handelte?

Hatte der gute Mann einfach Glück?

Manchmal mache ich es mir als reformierter Christ wirklich einfach. Mir scheint eindeutig, dass dies ein normales Auto war und dass der gute Mann schlicht Glück hatte. Er soll dem lieben Gott dafür danke sagen. Was darüber hinausgeht, ist Aberglaube. Doch Hand aufs Herz: Sind solch mentale Einengungen nicht stets auch eine Art von Aberglaube? Es ist gut, wenn der Kopf immer wieder das Herz infrage stellt. Aber ebenso oft sollte es auch umgekehrt laufen. Keine Wahrheit kann intellektuell ganz erfasst werden.

 

«Engel manifestieren sich, wie und wo Gott es als sinnvoll erachtet.»

 

Vielleicht ist ein Auto manchmal halt doch mehr als nur ein Auto. Eine analoge Erfahrung machte jedenfalls das Volk Israel vor über 3000 Jahren. Damals ging es um eine Wolke, die mehr war als nur eine Wolke. Diese hatte die Israeliten zum Schilfmeer geführt. Jetzt ist ihnen der Pharao mit seiner Armee auf den Fersen. Purer Stress! Die Bibel erzählt: «Da brach der Bote Gottes (Engel) auf, der vor dem Heer Israels ging, und begab sich hinter sie, und die Wolkensäule brach auf von ihrer Spitze und stellte sich hinter sie.» (Exodus 19,14)

Traum, Vision, Begegnung

Wolke und Engel liessen sich nicht unterscheiden. Auto und Engel lassen sich auch nicht immer unterscheiden. Engel manifestieren sich, wie und wo Gott es als sinnvoll erachtet: Als Begegnung im Alltag (Gideon), als Traum in Nazareth (Josef), als Störenfried im Beruf (Zacharias), als kollektive Vision (Hirten) usw. Herbeirufen und herbeiwünschen lassen sich die Engel nicht. Nicht einmal herbeibeten. Herbeisehnen manchmal schon. Nur dass wir sie dann oft nicht erkennen. Weil sie eben nur Wolken sind oder nur Autos oder nur Menschen – oder mindestens so aussehen. Flügel gaben wir Christen ihnen sowieso erst im 4. Jahrhundert. Aufschlussreich ist das apokryphe Buch Tobit. Tobias, der Sohn des blinden Tobit, macht sich auf den Weg, um eine Medizin für seinen Vater zu finden. Ein mysteriöser Reisebegleiter hilft ihm dabei. Wie denn alles erledigt ist und gleich noch einige weitere Probleme gelöst sind, gibt sich dieser als Engel zu erkennen. Das war ein gewaltiges Vorrecht, denn meistens merkt man es erst im Nachhinein: «Meine Güte! Das muss ein Engel gewesen sein!» Schon gut so. Denn wer im Vornherein zu wissen meint, wie sein Engel aussieht, der schliesst allzu viele Optionen aus. Deshalb mahnt ja der Hebräerbrief: «Die Liebe zu denen, die euch fremd sind, vergesst nicht – so haben manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.» (Hebräer 13,2)

Und Norbert? Seit seiner Kurskorrektur sagt er: «Ich erwarte nie einen Engel. Aber ich gehe davon aus, dass trotzdem manchmal einer da ist.»

Text: Rolf Kühni, em. Pfarrer von Sargans | Foto: zVg, meka – Kirchenbote SG, Dezember 2021


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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