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Spiritualität

Tod

28.12.2021
Der Winteranfang schien mir dieses Jahr besonders dunkel, geprägt von einigen Todesfällen im nahen Umfeld. Dabei heisst es immer: «Der Tod gehört zum Leben dazu.» Das mag sein, aber wenn er dann kommt, ist man doch unvorbereitet. Von Helena Golling, Näfels

Er kommt so plötzlich. Und ohne Vorwarnung. An einem Tag ist alles gut, dann plötzlich bricht einem die Welt unter den Füssen weg. Erst ist da der Schock. Unglauben. Fassungslosigkeit. Was dann folgt: Leere. Ein Loch, das die geliebte Seele zurücklässt. Es lässt sich schlecht in Worte fassen. Der Kummer. Die Sehnsucht. Das Verlangen. Erinnerungen, die hochkommen. Bilder, die vor dem inneren Auge erscheinen. Ich meine, den Geist der Fortgegangenen zu spüren. Bilde mir ein, sie sei noch da. Vielleicht ist sie das auch? Das wäre schön. Die Vorstellung, ständig begleitet zu werden. Vielleicht auch beschützt. 

Oder war doch alles nur ein Traum? Nein, war es nicht. Die quälende Leere drängt mir die Wahrheit ins Gesicht. Anrufen, den Mitmenschen von dem Verlust zu berichten, tut weh. Dadurch gesteht man sich selbst ein, dass es stimmt. Dass es tatsächlich passiert ist.

Dann kommt das Verarbeiten. Ich will die Erinnerungen festhalten, schreibe sie auf, sammle sie, damit sie ja nicht entfleuchen. Verloren gehen. Schaue mir Bilder und Videos von früher an und trauere. Rede mit den verschiedensten Leuten. Erkläre, weshalb ich neben der Spur bin. Wer mich gut kennt, sieht es mir bestimmt an. Die Traurigkeit kommt und geht in Wellen. Mal überwiegen Dankbarkeit und Freude über die gemeinsam verbrachte Zeit und mein Herz wird ganz froh und leicht. Dann wieder kommt die Trauer über den Verlust und mit einher das Bewusstsein, dass die schönen geteilten Stunden für immer vorbei sind. Nie mehr erlebt werden können.

Nach dem x-ten Gespräch fällt mir auf, wie automatisch es mir über die Lippen rollt. Ich muss wohl langsam akzeptiert haben, was passiert ist. Mir kommen nicht mehr gleich die Tränen und es baut sich kein Kloss mehr in meinem Hals auf, sobald ich auf das Thema zu sprechen komme. Es ist, wie es ist und ich kann es nicht mehr ungeschehen machen. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen. Und was bringt es, sich immer weiter mit den traurigen Gedanken zu belasten? Sich ständig im Kreis zu drehen und nicht weiterzuwissen? Irgendwann ist genug getrauert. Das Leben geht weiter. Es muss weitergehen. Jeder Morgen bringt einen neuen Tag. Oder wie Charles Monroe Schulz so treffend auf den Punkt brachte: «Eines Tages werden wir sterben, Snoopie. - Stimmt, aber an allen anderen Tagen werden wir leben.»