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Gesellschaft

Pandemie

Isolationsräume beim «Pfuusbus» erweitert

05.01.2022
Die Notschlafstelle «Pfuusbus» des Sozialwerks Pfarrer Sieber stellt Obdachlosen, die sich wegen Corona isolieren müssen, Container zur Verfügung. Freiwillige betreuen die Menschen tagsüber.

Die Corona-Pandemie spitzt sich zu, die Zahl der Ansteckungen steigt auch im Kanton Zürich kontinuierlich an. Damit die Spitäler nicht an ihre Belastungsgrenze kommen, gilt es, Spitaleinweisungen wo immer möglich zu vermeiden. Dazu leistet auch das Sozialwerk Pfarrer Sieber (SWS) einen Beitrag und baut seine Isolationsplätze sogar noch aus. Denn: «Es hat sich gezeigt, dass in der Stadt Zürich nicht genügend solcher Plätze für Obdachlose vorhanden sind», sagt SWS-Sprecher Walter von Arburg.     

Menschen ohne festen Wohnsitz, welche an Corona erkranken, können sich nicht einfach in einer Wohnung isolieren. In den städtischen Alters- und Pflegeheimen gibt es zwar Covid-Stationen, die leichte Fälle behandeln. «Doch diese Stationen sind für Obdachlose nicht geeignet», sagt von Arburg. Die Menschen seien, was die Einhaltung von Schutzmassnahmen anbelangt, «nicht immer gleich diszipliniert».

Damit diese Menschen nun nicht in ein Spital überwiesen werden müssen, gibt es bei der Notschlafstelle «Pfuusbus» auf dem Albisgüetli bereits seit letztem Winter zwei Isolationsplätze in einem beheizten Wohncontainer. «Doch diese reichen angesichts der raschen Verschlechterung der Pandemie-Situation nicht mehr aus», sagt von Arburg. Man habe die Plätze darum auf zwölf aufgestockt.

Betreuung rund um die Uhr
Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich während 24 Stunden und sieben Tagen pro Woche um diese Menschen, die sich freiwillig in Isolation begeben haben. «Denn zwingen können wir sie nicht», sagt von Arburg. Sie erhalten dort drei Mahlzeiten pro Tag und können duschen. Regelmässig schauen Ärzte des SWS-Fachspital «Sune Egge» vorbei. Draussen können sich die Männer und Frauen zudem die Beine vertreten.

Für die Tagschichten zwischen 9 und 18 Uhr hat das Sozialwerk kürzlich zusätzliches Personal gesucht und auch auf den sozialen Medien einen Aufruf platziert. «Mittlerweile haben wir weitere Betreuerinnen und Betreuer gefunden», sagt von Arburg. Der Pool umfasst aktuell zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die stundenweise im Einsatz stehen. In der Nacht übernehmen dann jeweils die Angestellten des «Pfuusbusses». Bei Bedarf bietet das SWS auch seelsorgerische Gespräche an.

Auslastung fast unverändert
Die Zahl der Übernachtungen im «Pfuusbus», einem ausgedienten Sattelschlepper, hat sich seit der Corona-Pandemie kaum verändert. Im vergangenen Winter haben 214 Menschen 3690-mal die Nacht in der Notschlafstelle verbracht. Das entspricht etwa dem Niveau von vor der Pandemie. Damit Schutzmassnahmen eingehalten werden können, befinden sich die 40 Schlafplätze nicht mehr im Bus, sondern in einem Zelt. Es sind Doppelstockbetten, die zu zweien zusammengeschoben und durch eine Plexiglaswand getrennt sind. Küche und Aufenthaltsbereiche sind in separaten Zelten eingerichtet.

Im «Pfuusbus» sind auch ungeimpfte Obdachlose ohne Zertifikat willkommen. Wer dort übernachten will, muss sich allerdings auf Corona-Symptome checken und die Körpertemperatur messen lassen. «Wir wollen nicht zum Ansteckungsherd werden», sagt von Arburg. Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, dann muss sich der Gast einem Test unterziehen. Ist der Test positiv, werden sämtliche Gäste während bis zu zehn Tagen jeden Tag getestet. Elf Personen konnten so während des vergangenen Winters in Quarantäne geschickt werden.

Nadja Ehrbar, reformiert.info