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Kirche, Gesellschaft

«Was macht ihr eigentlich?»

02.05.2022
Es unterstützt seit 1978 eine sehr kleine Kirche, ist mit ihr verbunden, tut von aussen betrachtet nichts Spektakuläres, hilft aber durch Spenden, Treue und Verlässlichkeit: Das Waldenserkomitee der Schweiz zeigt, dass in aller Stille wirkungsvoll geholfen werden kann.

«Für die Waldenserkirche in Italien und am Rio de la Plata einzustehen und Spenden zu sammeln, ist nichts Spektakuläres. Wir setzen uns nicht direkt für hungernde Kinder, für Gefolterte, für Brunnen oder für die Bekämpfung von Epidemien ein», schreibt Hans Rapp, Vizepräsident des Waldenserkomitees in der deutschen Schweiz im neusten Jahresbericht. 

Integration, Bildung, Hilfe
Doch ist der Einsatz für die Waldenser, die sich in einem schwierigen Umfeld bewegen, wirkungsvoll und in der italienischen Öffentlichkeit sichtbar, namentlich in der Diakonie. So beteiligt sich das Komitee seit Jahren am Projekt «Essere Chiesa insieme», wo es um die Gestaltung und Entwicklung von Kirchgemeinden geht, die aus langjährigen italienischen Mitgliedern und zugezogenen Personen mit Migrationshintergrund bestehen. Unterstützung finden beispielsweise aber auch Jugendprojekte in Scoglitti auf Sizilien, ein Kinderheim in Cerignola in Appulien, aber auch für die kirchliche Arbeit wie die Waldenserfakultät. Und während der Coronazeit wurde unbürokratisch ein Hilfsfonds eingerichtet.

Spendengelder gingen zurück
Diese Projekte der Waldenserkirche in Italien wären ohne Spenden aus der Schweiz nicht möglich. Und sie flossen dank der Treue und Verbundenheit verlässlich. Laut Geschäftsbericht 2021 lagen die Spendeneingänge, Legate und Schenkungen bei rund 294000 Franken zwar sieben Prozent unter den Eingängen des Vorjahres, «doch fünf Prozent über unseren Erwartungen», so das Komitee. 112000 Franken flossen in gemeinnützige und 87000 Franken in kirchliche Projekte in Italien. Projekte in Uruguay wurden mit 60000 Franken unterstützt. 

Treue und grosszügige kirchliche Organisationen 
Das Waldenserkomitee, das die erhobenen Kollekten, Spenden, Legate und Schenkungen bündelt, konnte auch 2021 auf treue und grosszügige kirchliche Organisationen zählen. Jene über 1000 Franken werden namentlich und mit dem Dank verbunden im Jahresbericht aufgelistet. Darunter befinden sich auch sechs kirchliche Organisationen aus dem Kanton St. Gallen wie die Kirchgemeinden Rapperswil-Jona, St. Gallen-Tablat, Wil, Goldach und Unteres Toggenburg sowie der protestantisch-kirchliche Hilfsverein des Kantons St. Gallen. Sie widerspiegeln Verbundenheit mit der reformierten Minderheitenkirche im südlichen Nachbarland.

 www.waldenser.ch

 

Text: Katharina Meier | Foto: Waldenserkomitee – Kirchenbote SG, 2. Mai 2022

Kurz und bündig

Die Waldenserkirche ist eine Minderheitskirche in Italien. Sie geht auf den Gründer Petrus (oder Pierre) Valdes aus Lyon zurück, der im 12. Jh. eine Reformbewegung auslöste.

Die Waldenser fühlen sich als freie Christen mit eigener auf der Bibel beruhender Überzeugung. Im Jahre 1532 schlossen sie sich der Reformation Europas an. Über sechs Jahrhunderte wurden sie unterdrückt und vor allem im 16. - 17. Jahrhundert hart verfolgt.

Heute befinden sich die Waldenser immer noch in einem schwierigen Umfeld. Sie sind sehr auf Unterstützung angewiesen.Insgesamt zählt die Waldenserkirche ca. 25000 Mitglieder, wovon 22000 in über 150 Kirchgemeinden über ganz Italien verteilt sind, weitere 3000 leben in Lateinamerika.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Diakonie, d.h. der Dienst am Nächsten, der sich in zahlreichen sozialen Werken wie Kindergärten, Schulen, Jugend- und Altersheimen, Flüchtlingsarbeit, Ferien- und Kurszentren, Gästehäusern usw. manifestiert. Jedes Jahr werden durch Freunde der Waldenser Begegnungsreisen zu den Waldensergemeinden und -werken organisiert. Die Ausschreibungen dieser Reisen werden auf Wunsch unter www.waldenser.ch publiziert.

www.chiesavaldese.org


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