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Kirche

Sommersynode

Im zweiten Anlauf gewählt

28.06.2022
Wegen einer Panne bei den Wahlzetteln klappte es erst im zweiten Anlauf: Pfarrer Sven Hopisch wurde in den Kirchenrat gewählt. Er übernimmt den Platz von Barbara Damaschke-Bösch, die nach etwas mehr als acht Jahren ihr Amt abgibt.

Anfang und Rückkehr – war das Motto der diesjährigen Synode. So versammelte sich das Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen erstmals seit der Wintersession 2019 wieder im Saal des Kantonsrates im Regierungsgebäude. Für rund vierzig Synodale war es zudem die erste Parlamentssitzung. Gewählt wurden sie vergangenes Frühjahr im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen in den Kirchgemeinden.

Neuer Kirchenrat
Auch die Sommersession des Kirchenparlamentes stand ganz im Zeichen von Erneuerungswahlen. Entsprechend froh war man darum um die elektronische Abstimmungsanlage. Einzig der Kirchenrat war per Stimmzettel zu bestellen. Und prompt kam es zum Durcheinander zwischen ausgeteilten und eingesammelten Wahlzetteln. In der Eile waren neue Wahlunterlagen zu beschaffen und die Synodalen hatten am Nachmittag erneut zur Wahl zu schreiten. Dem Resultat machte es wohl kaum einen Abbruch: Sven Hopisch, Pfarrer und Synodaler aus St. Margrethen, wurde im ersten Wahlgang mit 143 Stimmen in den Kirchenrat, der Exekutive der Kantonalkirche, gewählt (siehe Kasten). Er ersetzt Barbara Damaschke-Bösch, die nach etwas mehr als acht Jahren im Amt nicht mehr kandidierte. Auch der Kirchenratspräsident und die bisherigen Kirchenrätinnen und Kirchenräte wurden deutlich wiedergewählt.

Turnusgemäss gab es auch Wechsel im Parlamentspräsidium. Marcel Wildi, Synodaler und Pfarrer in Diepoldsau-Widnau-Kriessern, gab nach zwei Jahren das Präsidium an seinen Vizepräsidenten Stefan Lippuner, Synodaler und Pfarrer in St.Gallen C, weiter. Ebenfalls einstimmig wählte die Synode den neuen Vizepräsidenten. Es ist dies Ueli Schläpfer, Synodaler und Kirchgemeindeschreiber aus Rapperswil-Jona.

Gewinn statt Rückschlag
Rund liefen dann auch die weiteren Traktanden. So genehmigte die Synode den Amtsbericht 2021 des Kirchenrates sowie die Rechnung. Beim Amtsbericht erinnerte Kirchenratspräsident Martin Schmidt daran, dass es der St.Galler Kirche zwar finanziell noch gut gehe, hingegen die Gemeinden zunehmend mit Personalproblemen konfrontiert seien. So werden in den kommenden Jahren zahlreiche Pfarrpersonen pensioniert, die – weil der Nachwuchs fehlt – schwierig zu ersetzen sind. Dazu hielt Markus Anker, Pfarrer an der Universität St.Gallen, ein flammendes Plädoyer, engagiert und selbstbewusst um geeignete Arbeitskräfte zu werben, wie dies bereits viele Firmen tun.

Die Rechnung 2021 der St. Galler Kirche schliesst bei einem Aufwand von rund 19,4 Millionen Franken mit einem Vorschlag von knapp 485 000 Franken. Damit schliesst die Rechnung rund 800 000 Franken besser ab als budgetiert. Der Voranschlag ging noch von einem Rückschlag von 320 000 Franken aus. Grund für die Besserstellung sind höhere Steuereinnahmen als budgetiert sowie geringere Ausgaben.

Text | Foto: Andreas Ackermann

 

«Die St. Galler Kirche ist sehr bunt»


Mit 143 von 155 Stimmen hat die Synode Pfarrer Sven Hopisch im ersten Wahlgang neu in den Kirchenrat gewählt. Hopisch ist in Deutschland aufgewachsen und wurde Pfarrer in Rheinland-Pfalz. Nach einem fünfjährigen Abstecher nach Luxemburg kam er nach St. Margrethen, wo er seit zehn Jahren Pfarrer ist. Was gefällt ihm an der St. Galler Kirche? «Die Basisdemokratie», hält er fest, «auf lokaler und auf kantonaler Ebene». Zudem schätze er die Vielfalt an theologischen Positionen und Frömmigkeitsstilen. «In Rheinland-Pfalz, wo ich herkomme», sagt er, «lautete das Motto: Einheit in Vielfalt.» Das treffe noch mehr auf die St. Galler Kirche zu: «Die Kirche hier ist wirklich sehr bunt».

Hopisch wird voraussichtlich als Kirchenrat das Ressort «Schulische Bildung» übernehmen. Weil er selbst unterrichtet, kennt er sich schon ein bisschen aus: «Meine Schüler schätzen die Kirche, auch den Religionsunterricht – obwohl sie nicht immer Freude daran haben, in Randstunden in den Reli-Unterricht zu müssen, während die Konfessionslosen frei hatten.» So habe er als Kirchenrat auch nicht vor, alles umzukrempeln. Seine Vorgängerin Barbara Damaschke-Bösch habe gute Arbeit geleistet. Das gelte es zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Welche Theologin, welcher Theologe hat Sven Hopisch geprägt? «Friedrich Schleiermacher», antwortet er ohne zu zögern. Der grosse Theologe des 19. Jahrhunderts machte die «Anschauung des Universums» zum Ausgangspunkt seines Denkens und die Theologie anschlussfähig an die Moderne. «Schleiermacher ist in der heutigen Situation unserer Kirche hochaktuell», ist Hopisch überzeugt. (sd)


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