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Kultur

Kunst und Kirche: Die Menschen berühren

13.09.2022
Das Grossprojekt «Sakrale Zeiten?» bringt zeitgenössische Kunst in sakrale Räume und erkundet das Sakrale in der Kunst. Die Zusammenarbeit von Kunstschaffenden und Religionsgemeinschaften führt zu überraschenden Begegnungen.

«Sakrale Zeiten?» wurzelt in der Corona-Pandemie. Als viele Kunstschaffende keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatten und etliche sogar aufhörten, kreativ zu sein, kam Initiator Pascal Joray, Präsident der Basler Künstler:innengesellschaft BKG, die Idee zu diesem Kunstprojekt. Er nahm Kontakt auf mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Region. Denn diese beschäftigten sich wie die Kunstschaffenden mit Sinnfragen, sagte Joray an der Eröffnung in der Basler Peterskirche. Er freute sich über die Offenheit der Glaubensgemeinschaften, die ihm Mut gemacht habe, und über die vielen Kunstschaffenden, die sich begeistert für das Projekt engagierten, obwohl sie kein Geld damit verdienen.

In einer Zeit, in der vieles hinterfragt wird und unsicher erscheint, würden Spiritualität und Begegnungen umso wichtiger. Viele machten sich Gedanken über die Bedeutung und die Endlichkeit des Lebens und setzen sich mit der Vielfalt von Meinungen, mit Toleranz und Ausgrenzung, auseinander, so die Erfahrung von Pascal Joray. «Sakrale Zeiten?» soll dafür Räume schaffen. Das Suchen nach Antworten steht dabei im Vordergrund, darum auch das Fragezeichen im Titel.

Das regionale Grossprojekt bietet bis zum 11. Dezember 50 teils überraschende Veranstaltungen mit Tanz, Musik, Performances, Literatur, Film, Workshops, Diskussionsrunden, Führungen und Predigtreihen an 22 Orten in beiden Basel – vom indischen Lichterfest Diwali über eine Fahnen-Installation in einer Moschee bis zum Gottesdienst mit Marimbaspiel.

Kunst und Kirche seit jeher verbunden
Er stelle sich das Deckengemälde von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle vor, das die göttliche Berührung des Menschen zeigt, erklärte Joray: «Auch wir wollen Menschen berühren, ich hoffe, das gelingt.» Pfarrerin Simone Wolf und Pfarrer Elias Jenny, die in der Peterskirche wirken, betonten, dass die Kirche seit jeher mit der Kunst verbunden gewesen sei.

Fredy Bünter wies darauf hin, dass das Religiöse eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der bildenden Künste gespielt habe, dass man jedoch nicht religiös sein müsse, um Kunst erleben zu können. Für den stellvertretenden Leiter der Abteilung Kulturförderung Basel-Landschaft bedeutet «’sakral’ das Erkunden, was das Menschsein bedeutet». Ebenso würden Begegnungen mit Menschen, das Hören eines Konzerts oder eine Kunstbetrachtung das Sakrale in sich tragen.

Auch der Basler Regierungspräsident Beat Jans stellte an der Ausstellungseröffnung Betrachtungen zum Verhältnis von Religion und Kunst an. Jahrhundertelang sei die Kunst die Dienerin der Religion gewesen für Menschen, die nicht lesen konnten und kein Latein verstanden. Stifter von Kirchenkunst hätten damit in ihr eigenes Seelenheil investiert. Der Buchdruck und die Reformation, die mitunter in Bilderstürmen gipfelte, hätten dies geändert. Und heute würden Künstler religiös verehrt und Museen zu Wallfahrtsorten. «Touristen gehen eher ins Kunstmuseum als ins Münster», sagte Jans. Doch die Atmosphäre von Kirchenräumen wirke noch heute auf die Besucherinnen und Besucher. Sie seien Oasen, um in sich zu gehen, und als Räume für Kunstbetrachtung wie geschaffen.

Karin Müller

«Sakrale Zeiten?», zeitgenössische Kunst in sakralen Räumen und im städtischen Raum: bis 11. Dezember, verschiedene Orte, ein Projekt der Basler Künstler:innengesellschaft, unterstützt von den Kirchen beider Basel, Infos: www.basler-kuenstlergesellschaft.ch


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