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Gesellschaft

Diakonieprojekt geht in die Startphase

Vieles ist machbar in der «Nachbar»

28.10.2022
Im Zentrum der Stahlgiesserei entsteht ein kirchlicher Begegnungsort, die «Nachbar». Ein erster öffentlicher Anlass stiess auf breites Interesse.

Noch ist der ebenerdige Raum im Haus B15 in der Stahlgiesserei nicht fertig eingerichtet. Seit einem halben Jahr befindet sich das Projekt «Urbane Diakonie» der reformierten Stadtkirchen im Aufbau.

Die «Nachbar» heisst der kirchliche Begegnungsraum, den die Anwohnerinnen und Anwohner der Stahlgiesserei zukünftig nutzen können, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Projekte und Anlässe, die im Quartier einem Bedürfnis entsprechen, zu entwickeln.

So soll die «Nachbar» ein lebendiger, bunter Treffpunkt werden, an dem vieles möglich ist: einen Kaffee oder ein Feierabendbier geniessen, zusammen brunchen, Veranstaltungen und Workshops besuchen oder in der Fensterecke lesen.

Freude über das rege Interesse
Nun lud die «Nachbar» die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers zu einem lockeren Umtrunk ein, um auf Tuchfühlung zu gehen in der noch neuen Umgebung. «Trotz Regen und kühlen Temperaturen sind viele Leute gekommen und haben sich den Raum angeschaut, das hat uns gefreut», sagt Sozialdiakonin Nicole Russenberger vom Trägerverein «Nachbar» Stahlgiesserei. «Es war ein grosses Interesse zu spüren. Viele freuen sich auf eine lebendigere Stahlgiesserei durch unseren offenen Raum», so Russenberger. «Sie möchten das Lokal nutzen, um Kontakte zu knüpfen, Gemeinschaft zu pflegen und Neues auszuprobieren.»

Der kirchliche Hintergrund der «Nachbar» spiele dabei eine positive Rolle. «Die Funktion der Kirche als verbindende und gastfreundliche Partnerin wird sehr begrüsst. Einige der Besucherinnen und Besucher haben ihre Unterstützung angeboten, um Ideen umzusetzen.»

Viele Ideen für die «Nachbar»
Etliche Vorstellungen, wie man den Raum nutzen könne, kamen an diesem Abend zusammen: so zum Beispiel eine abendliche Cocktailbar, Lunchtime für Homeofficeworker, Themen- und Kulturabende, handwerkliche Abendkurse, ein Public Viewing bei Sportveranstaltungen oder gemütliche Sitzgelegenheiten für Gespräche bei einer Tasse Kaffee.

Russenberger zieht ein positives Fazit nach diesem ersten Anlass: «Wir kamen mit unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch und lernten ihre Bedürfnisse im Quartier kennen.»

Im Kontakt mit sozialen Institutionen
Die Diakonin steht in Kontakt mit den umliegenden sozialen Institutionen wie zum Beispiel der Stadtrandschule, dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH), Pro Infirmis, der Krebs- und Lungenliga oder der Quartierentwicklung: «Die meisten sind untereinander gut vernetzt und arbeiten mit Leistungsaufträgen.»

Doch nicht alle Ratsuchenden würden unterstützt, zum Beispiel wenn ihr IV-Antrag abgelehnt wurde. «Hier können wir als Kirche ein offenes Ohr bieten und ergänzende Angebote entwickeln.»

Räume sind gesucht
Ein grosses Thema sei der Raumbedarf für Aktivitäten, die nicht auf den jeweiligen Geschäftsstellen durchgeführt werden können, wie zum Beispiel die Übergabe von Kindern bei getrennt lebenden Eltern in Konfliktsituationen oder ein Lernatelier als Vorbereitung für den Lehrstellenbeginn. «Wir überlegen gemeinsam, was in der ‹Nachbar› stattfinden könnte», so Russenberger.

Ab nächstem Jahr soll Leben in den Raum B15 kommen, der mit seinen Glasfronten prominent im Stadtgarten der Stahlgiesserei liegt. «Wir werden gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers und den ansässigen Institutionen ausloten, was wir konkret angehen und wer sich wo einbringen möchte», sagt die Sozialdiakonin.

Das dauerhafte Ziel sei, vielfältige Angebote und Freiräume für neue Ideen zu bieten: «Vieles ist machbar in der ‹Nachbar›.»

Adriana Di Cesare