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Spiritualität

Auf dem Veielihubel entsteht das Berner Stadtkloster Frieden

21.12.2022
Die Absichtserklärung ist unterzeichnet: Gesamtkirchgemeinde und der Verein Stadtkloster wollen in den Gebäuden der Berner Kirchgemeinde Frieden ein neues Kloster einrichten.

In Bern entsteht in den Gebäuden der reformierten Kirchgemeinde Frieden neu ein Stadtkloster. Das ist seit dem 16. Dezember beschlossen. An einer Zusammenkunft unterzeichneten die reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern, die Kirchgemeinde Frieden und der Verein Stadtkloster eine Absichtserklärung. In den Räumen auf dem «Veielihubel» – dazu gehören auf dem Hügel im Stadtberner Quartier Mattenhof Kirche, Kirchgemeindehaus, Pfarr- und Sigristenhaus – soll der Verein künftig das Stadtkloster Frieden betreiben.

Das grobe Ziel ist klar, die Details sind es noch nicht. Das bestätigt unter anderem Rudolf Beyeler, Präsident des Kleinen Kirchenrates (Exekutive) der Gesamtkirchgemeinde Bern: «Zu Finanzierung und Eigentumsrechten kann ich im Moment nichts weiter sagen.» Bis zum Sommer 2023 wird der Kleine Kirchenrat dem Grossen Kirchenrat (Parlament) eine Botschaft mit Anträgen zu diesen Themen unterbreiten.

Eine Gemeinschaft zum Üben und Erleben
Das Stadtkloster Frieden auf dem Veielihubel soll gemäss einer Mitteilung der Gesamtkirchgemeinde «ein Ort werden, an dem christliche Spiritualität und Tradition als Gemeinschaft in Wohn-, Beherbergungs-, Arbeits- und Spiritualräumen erprobt, geübt, gelebt und dadurch erfahrbar gemacht wird».

Die Friedenskirche soll als Sakralraum und als verbindender Ort erhalten bleiben. Die Gebäude könnten somit in dem ursprünglich angedachten Sinne weitergenutzt werden, heisst es. Der Kirchgemeinderat Frieden zeigte sich bei der Unterzeichnung «sehr erfreut».

Eng verbunden mit der Gemeinschaft Don Camillo
«Wie das Stadtkloster auf dem Veielihubel dann aussehen wird, können wir noch nicht genau sagen», sagt Bettina Jans-Troxler auf Anfrage. Sie ist Präsidentin des Mitte Dezember 2022 gegründeten Vereins Stadtkloster. Dessen Kernteam sei «in enger Verbindung mit der Communität Don Camillo seit einem Jahr am Vorspuren».

Organisatorisch sei der Verein unabhängig, «aber ideell sehr eng verbunden mit Don Camillo». Unter anderem zeigt sich das darin, dass Heiner Schubert, Leiter der Communität, Vizepräsident des Vereins Stadtkloster ist. «Der Verein möchte, dass auf dem Areal der Friedenskirche Wohnen, Arbeiten und Glauben ganzheitlich zusammenkommen», sagt Bettina Jans.

Miteinander beten und feiern
Voraussichtlich werden 14 Menschen – Familien und Einzelpersonen – zusammen auf dem Veielihubel ihr Leben teilen. «Sie werden miteinander beten und feiern und die Menschen aus dem Umfeld einladen, Teil davon zu sein. So hoffen wir, dass die Friedenskirche weiterhin einen Beitrag zu etwas mehr Frieden auf dieser Welt leisten kann», erläutert Bettina Jans weiter.

Konkrete Angebote und ein späteres Gästehaus seien angedacht, aber noch nicht spruchreif. Auf das Zielpublikum angesprochen, sagt die Stadtkloster-Vereinspräsidentin: «Ansprechen möchten wir Menschen, die am christlichen Glauben interessiert sind, Familien mit Kindern, Menschen, die gern mit uns beten oder praktisch anpacken möchten.» Die Mitglieder des Vereins gehörten verschiedenen Kirchen und Bewegungen an, ausgerichtet sei der Verein ökumenisch.

In den kommenden Wochen wird gemäss der Medienmitteilung ein «Conseil spirituel» (spiritueller Rat) als institutionalisiertes Austausch- und Koordinationsgremium gebildet. Die Zusammensetzung und Arbeitsweise des Gremiums wird ebenfalls erst abgeklärt.

Marius Schären, reformiert.info

Sinn und Zweck eines Stadtklosters
Seit einiger Zeit entstehen im deutschsprachigen Raum vermehrt Stadtklöster als Teil der evangelischen Kirche. In Zürich gibt es eines, und in Berlin betreibt die Communität Don Camillo seit fünfzehn Jahren auf dem Prenzlauer Berg das Stadtkloster Segen.

Stadtklöster bieten in Kirchen, die früher von der Gemeinde belebt wurden, Orte gelebter Spiritualität an. Dadurch sollen kirchliche Gebäude weiterhin der Bevölkerung offenstehen im Sinne des kirchlichen Auftrags. Der Begriff «Kloster» weist dabei auf die Tradition hin, dass hier gebetet wird und Menschen ihr Leben teilen.

Die Communität Don Camillo arbeitet eng mit der evangelisch-reformierten Kirche zusammen. In Zusammenarbeit mit der reformierten Gesamtkirchgemeinde in Bern soll in der Friedenskirche ein ähnliches Projekt wie in Berlin realisiert werden. Das Ziel ist, den Ort so zu gestalten, dass er zur Auseinandersetzung mit Glaubensfragen einlädt und Menschen in ihrem Glauben an den dreieinigen Gott ermutigt und begleitet.