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Kirche, Politik

Reformation in Frankreich – das Schicksal der Hugenotten

Flucht vor 330 Jahren

06.01.2016
Die Französische Kirche St.Gallen gedachte am 1. November ihrer Gründung vor 330 Jahren – einer Zeit, in der viele Hugenotten ihre Heimat in Frankreich verlassen mussten.

Nachdem die Reformation sich auch in Frankreich ausbreiten konnte, wurden die Hugenotten genannten Reformierten als Ketzer verfolgt und bekämpft. Während dem ersten Pogrom der Neuzeit wurden in der Hauptstadt im Jahre 1572 in der Bartholomäusnacht etwa 2000 Hugenotten ermordet und in den darauffolgenden Wochen in anderen Städten etwa 10 000.

Diese Kämpfe endeten bei breitem internationalem Protest mit der Befriedung des Landes durch das von König Heinrich IV. 1598 erlassene Edikt von Nantes.

Aufhebung des Edikts von Nantes
Dieses Edikt gab den reformierten Christen in Frankreich erstmals eine Grundlage für ein relativ unbedrohtes Leben und eine in Grenzen freie Religionsausübung. Es hatte aber keinen dauerhaften Bestand. Die Einschränkungen der religiösen Freiheit wurden laufend erweitert.

Den Schlusspunkt dieser Kampagnen gegen die Hugenotten bildete am 18. Oktober 1685 die Aufhebung des Edikts von Nantes durch König Louis XIV. Dies bedeutete: Zerstörung aller reformierten Kirchen im Lande, Gottesdienstverbot und Verbot der reformierten Schulen überall, Aufforderung an die Prediger, zu konvertieren oder das Land innert zwei Wochen zu verlassen, während allen übrigen Hugenotten die Auswanderung verboten wurde.

Das Verbot konnte aber rund 170 000 Hugenotten nicht daran hindern, ihre Heimat zu verlassen und primär in das protestantische Ausland zu fliehen. Sie begaben sich als Glaubensflüchtlinge in die calvinistischen Gebiete der Niederlande, auf dem Seeweg nach England und via Genf, Bern, Zürich in die reformierten Kantone der Schweiz, über Schaffhausen und Basel in die deutschen Territorien, vor allem nach Brandenburg-Preussen und Hessen-Kassel. In den vom Dreissigjährigen Krieg entvölkerten Gebieten waren sie auch als Träger wirtschaftlicher Fähigkeiten sehr willkommen. Sie haben sich in der neuen Heimat gut integriert und man stösst heute noch auf alte Hugenottennamen wie zum Beispiel de Maizière.
Etwa 70 000 Hugenotten wurden in der Schweiz aufgenommen und mehrere hundert kamen bis nach St.Gallen.

Zurückhaltung in St. Gallen
Die reformierten Orte der Schweiz verhandelten wiederholt an Sondertagsatzungen und Konferenzen das Thema der geflohenen Hugenotten. Die Stadtrepublik St.Gallen zeigte sich in der Aufnahme von Flüchtlingen vorab wegen des gespannten Verhältnisses zur Fürstabtei und um die Handelsprivilegien Frankreichs nicht auf Spiel zu setzen offiziell sehr zurückhaltend. Sie erklärte sich bereit, anderen Städten dafür finanzielle Unterstützung zu leisten.

Man muss sich aber auch vergegenwärtigen, dass die Stadt St.Gallen damals nur etwa 6000 Einwohner zählte und die Hunderte Immigranten gar nicht hätte verkraften können. So diente St.Gallen für viele als kurze Zwischenstation, von der aus sie sich erholt und mit einem Weggeld versehen über Schaffhausen auf die Weiterreise in die deutschen Gebiete begaben.

In der Stadt St.Gallen hatten die Kaufleute (Gesellschaft zum Notenstein) wie auch verschiedene Familien schon früher und wiederholt, aber lange erfolglos die Einführung eines französischen Gottesdienstes beantragt. Und plötzlich wurde dies nur zwei Wochen nach der Aufhebung des Edikts von Nantes möglich! Erleichtert wurde dieser Beschluss nämlich, weil die Kaufleute für die Kosten aufkamen und sich unter den ersten Flüchtlingen ein Pfarrer, Isaac Suchier, befand, der für diese Aufgabe eingesetzt werden konnte.

Französische Kirche St. Gallen
Die Kaufmannschaft (heute: Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell IHK) ist bis in die heutige Zeit Trägerin der Eglise française geblieben. Sie hat alle 27 bisherigen Pfarrer bis hin zur aktuell amtierenden Pfarrerin Simone Brandt angestellt und die namhaft mitfinanzierenden Kantonalkirchen und Kirchgemeinden vertraglich und mittels einer Commission d’Eglise zusammengehalten.

Seit 1957 ist die Französische Kirche St.Gallen mit ihrem sich über die Kantone St.Gallen, beide Appenzell, Glarus und Thurgau erstreckenden Einzugsgebiet, mit Gottesdienststationen in St.Gallen, Rapperswil, Rorschach und Glarus, gemäss Kirchenordnung als kirchliche Vereinigung im Rahmen der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen anerkannt.

Neue Entwicklung

Das Jahr 2015 markiert eine neue Entwicklung. Die IHK hat die Verantwortung für die Wahl und Anstellung der nächsten Pfarrperson auf den Verein der Mitglieder der Französischen Kirche St.Gallen übertragen. Mittels einer Stiftung bündelt sie über deren Stiftungsrat die an der Trägerschaft der Französischen Kirche beteiligten Kantonalkirchen und Kirchgemeinden. So leistet sie weiterhin einen sehr wichtigen Beitrag an die Weiterexistenz dieser heute noch sehr lebhaften kirchlichen Gemeinschaft.

Dieser wichtige Entwicklungsschritt war denn auch Grund, das auf den Tag 330-jährige Be­stehen der als Kulturbrücke wirkenden Französischen Kirche am 1. November in der St. Mangen-Kirche in einem zweisprachigen Gottesdienst mit vielen Gästen zu feiern. 

Text: Paul Strasser | Bild: ps/as  – Kirchenbote SG, Dezember 2015


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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