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Kirche

All Souls Protestant Church, St.Gallen

27.04.2016
Aktuell entsteht innerhalb der Evang.-ref. Kirche des Kantons St.Gallen eine neue englischsprachige Kirchgemeinde. Ihr Name «All Souls Protestant Church» (ASPC) verweist darauf, dass in ihr Menschen aller Art Heimat finden und sie sich im Schweizer Protestantismus positioniert. Der Kirchenbote hat mit Scotty J. Williams, dem Pfarrer der neuen «English Speaking Community», über seine theologische Herkunft, seine ersten Erfahrungen und Visionen gesprochen.

Scotty, wie ist deine kirchliche Herkunft? 

Scotty: Die ist bunt und gemischt. Meine Kindheit verbrachte ich im südlichen US-Bundesstaat Louisiana in einem afroamerikanischen und kreolischen Umfeld. Unsere Kultur ist eine Mischung baptistischer und katholischer Tradition. Als ich 13 Jahre alt war, zogen wir in den nördlichen Bundesstaat Minnesota, der eher von skandinavischen Lutheranern geprägt ist. Da fanden wir eine Baptistengemeinde, in der wir uns wohlfühlten. 

«Unsere Gemeinde soll ein Ort sein, an dem man zueinander schaut, wo auch geklagt, geheilt, vergeben, gebetet, gesegnet und gesalbt wird.»

Wie hat dich die Theologie der Baptisten geprägt?

In meinem Umfeld unterscheiden wir zwei Typen von Baptistenkirchen. Während die calvinistisch geprägten Gemeinden die Prädestination hervorheben, wonach Gott uns erwählt, vertreten die sogenannten Free Will Baptists, dass wir uns selber für Gott entscheiden können.
Ich hatte damals als Jugendlicher Letzteres gewählt. Das evangelische College, in dem ich später Theologie studierte, war jedoch calvinistisch ausgerichtet. Da lernte ich das reformierte Erbe kennen mit seiner sozialen Weltsicht. Wir mussten Calvin lesen und ich realisierte, dass Vorherbestimmung etwas anderes bedeutet, als das, was ich früher gehört und verstanden hatte. Ich wurde dann reformierter Calvinist und diente während dem Studium für acht Jahre als Vikar in einer Baptistenkirche. Heute bin ich aber Presbyterianer.

Wie bist du zu den Presbyterianern gekommen? 

Im Studium musste ich Pro und Contra der Kindertaufe abwägen. Ich kam zum Schluss, dass Kindertaufe zulässig war. Die Baptisten, die dieselbe ablehnen, gaben mir die Freiheit, mich bei einer anderen Kirche ordinieren zu lassen. So wählte ich die Presbyterianische Kirche. Sie hat eine calvinistisch-reformierte Tradition mit schottischen Wurzeln.

Wie hast du die Zeit in der «International Protestant Church of Zurich» erlebt?

IPC ist eine internationale Gemeinde mit Menschen aus über 30 verschiedenen Nationen.  Ich war da angestellt als Pastor für Jugendliche und junge Erwachsene und arbeitete viel mit Drittkulturkindern. IPC ist selbstständig, hat aber ein Abkommen mit der Evang.-ref. Kirche in Zürich. Dieses Abkommen brachte mich auf die Idee einer englischsprachigen Schweizer Reformierten Kirche. Die Ältesten und der Hauptpastor von IPC bestärkten mich darin, diesen Gedanken weiterzuverfolgen.

 

Wie kam es zur Anstellung in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen?

Simone Brandt von der Eglise française informierte uns in Zürich über das Interesse der St.Galler Kirche an einer englischsprachigen Gemeinde. Dann ging alles recht schnell. Im November 2014 hatte ich ein erstes Gespräch mit Kirchenratspräsident Pfr. Martin Schmidt über verschiedene Möglichkeiten und im folgenden Juli wurde ich eingeladen, eine englischsprachige Gemeinde für die Kantonalkirche aufzubauen. Kirchenrat Pfr. Heinz Fäh stellte sich zur Verfügung, das Projekt zu betreuen und das Konzept zu vervollständigen. Er war massgeblich daran beteiligt, einen repräsentativen «Ältestenrat» zu organisieren. Unsere Ältesten sind Pfr. Heinz Fäh, Pfrn. Regula Hermann, Andreas Hausammann, Remi Tobler, Pfr. Mark Hampton, Vicki Gabathuler, Pfr. Karl Hermann Mehlau und Pfr. Markus Anker. Mithilfe dieser treuen Männer und Frauen wurde die Vision Realität!

Wie baut man eine Gemeinde auf?

Durch Beziehungsarbeit. Ich besuchte das Solidaritätshaus, schaute bei Klerikern der Frei- und Landeskirchen vorbei, liess mich informieren über hiesige Traditionen. Ich versuche aus den Begegnungen zu spüren, was die Leute brauchen. Die Bedürfnisse und Fragen der Menschen sind mir Lehrmeister für die Liturgie. 

Was sind die zentralen Anliegen im Gottesdienst? 

Vor allem soll das Evangelium proklamiert werden. Für mich muss im Gottesdienst aber auch Seelsorge (soul care) für Leidende stattfinden. Alle sind herzlich willkommen. Unsere Gemeinde soll ein Ort sein, an dem man zu­einander schaut, wo auch geklagt, geheilt, vergeben, gebetet, gesegnet und gesalbt wird. Auch die Musik spiel eine zentrale Rolle mit klassischen und modernen Liedern, Gebeten und meditativen Gesängen aus Taizé. In jedem Gottesdienst feiern wir zudem ein schlichtes Abendmahl – übrigens «glutenfrei». Die ökumenische Liturgie ist teils reformiert, teils lutherisch und fokussiert sich auf Jesus Christus.

 

Weitere Informationen: www.allsouls.ch

Interview: Andreas Schwendener | Foto: Z.V.g.  – Kirchenbote SG, Mai 2016