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Kirche

«Kirchen müssen heute auf allen Ebenen Präsenz markieren»

Um Kirchen bekannter zu machen, lancierte die reformierte Berner Landeskirche im März das Projekt kirchenvisite.ch. Auf einen Klick sind hier Informationen zu einzelnen Kirchen zu finden. Nach einer erfolgreichen Testphase will man jetzt mehr Kirchgemeinden für das Projekt gewinnen.

Das Smartphone ist heute als alltäglicher Begleiter stets zur Hand, egal ob um mit Freunden zu kommunizieren oder die Antwort auf eine offene Frage zu suchen. Kirchenräume mit ihren eigenen Qualitäten haben hingegen in unserem Alltag oft wenig Präsenz. «Viele Leute nehmen Kirchen nicht als Ort der Stille, des Rückzuges oder als einen schönen Platz zum Verweilen wahr», sagt Tess Klemm, die Projektleiterin von kirchenvisite.ch. Um dem entgegenzuwirken, lancierten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn im März die Website kirchenvisite.ch. Die Kirchen sollen so zugänglicher werden: Mit Fotos, einer Karte, mit Standort, Öffnungszeiten und Information über Geschichte und kulturhistorischen Besonderheiten der Kirche.

Nicht der Predigt wegen
Eine der 21 Kirchen auf kirchenvisite.ch ist die Kirche Laupen. «Kirchen müssen heute auf allen Ebenen Präsenz markieren – auch in der virtuellen Welt», sagt Pfarrer Konrad Bühler. Die Website informiert über die Kirchen- und Kunstgeschichte der Kirche Laupen. Daneben erfährt man auch ganz praktische Dinge über Veloständer und den Trinkwasserbrunnen, falls man mit dem Fahrrad unterwegs ist. «Das Ziel ist nicht, mehr Menschen in die Predigt zu locken, sondern die Kirche als Ganzes bekannter zu machen», erklärt der Pfarrer die Präsenz auf kirchenvisite.ch. Ob deswegen seit März mehr Menschen in der Kirche ein- und ausgegangen sind, kann der Pfarrer nicht sagen. «Unsere Kirche wird oft von Passanten aufgesucht.»

Reformierte Kirchen stehen ihren Mitgliedern offen – in manchen Gemeinden gar 24 Stunden. Ihre Nutzung beschränkt sich nicht auf die Feiern von Gottesdiensten: Kirchen sollen Besucherinnen und Besuchern zugänglich sein, um Stille zu geniessen, Kraft zu schöpfen oder um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Es ist dieses integrale Verständnis von Kirche, die das Webportal kirchenvisite.ch ausmacht. «Alle Kirchgemeinden können bei uns mitmachen», sagt Tess Klemm, Projektleiterin bei der reformierten Berner Landeskirche. «Die Kirchen müssen keine ästhetischen Kriterien erfüllen, wie man sie aus Kirchenführern oder Kunstführern kennt.»

Gastfreundlich und einladend
Die Testphase mit zwanzig Kirchen wurde erfolgreich abgeschlossen. Neue Kirchgemeinden hätten bereits Interesse kundgetan. «Wir wollen mehr Kirchgemeinden für unser Projekt gewinnen und so die Kirchen touristisch bekannter machen», sagt die Projektleiterin. Die Idee für die Webseite stammt aus der Haltung der gastfreundlichen Kirchen – Kirchen also, die zum Verweilen einladen, beispielsweise offene Türen, Blumen oder ein Gästebuch bieten. Das Projekt kirchenvisite.ch bettet sich auch in die Aktion der Velowegkirchen ein. Diese Kirchen liegen an einem Veloweg und bieten Radelnden etwa einen Rastplatz vor der Kirche, Flickzeug, Pumpe oder Wasser, um die Trinkflasche aufzufüllen.

Wie profitieren die Kirchgemeinden von der Plattform? «Auf der Webseite sind sie direkt mit ihrer eigenen Webseite verlinkt. Das schätzen die Gemeinden», sagt Tess Klemm. Und die Vorteile für Besucherinnen und Besucher? Sie können sich entweder vorab über die Webseite oder vor Ort via QR-Code über die Kirche informieren. «Gruppen von Wanderern, Pilgern oder Velofahrern können via Smartphone beispielsweise eine Andacht oder einen Einhalt auch von unterwegs planen – und so das Praktische mit dem Spirituellen verbinden», sagt Tess Klemm.

www.kirchenvisite.ch

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Nicola Mohler / reformiert. / 2. Mai 2016