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Gesellschaft

Bei Kaffee und Kuchen übers Sterben reden

Im Palliativ-Café in der Zwinglikirche sind Fachleute aus dem Gebiet der Palliativ Care vor Ort, um bei Kaffee und Kuchen mit Interessierten und Betroffenen über die Gestaltung des Lebensendes zu sprechen.

Was benötigt ein Mensch, damit er in Würde bis zuletzt leben kann? Welches sind unsere Wünsche und Hoffnungen für diesen letzten Weg, aber auch unsere Sorgen und Ängste? Austausch über diese Fragen bietet künftig alle zwei Monate an einem Mittwochnachmittag das neu gegründete Palliativ-Café in der Zwinglikirche, ein Angebot der Regionalgruppe Schaffhausen palliative ZH+SH. «Die Palliativ Care setzt dort ein, wo die Pflege aufhört», erklärt Pfarrer Wolfram Kötter, Gastgeber in der Zwinglikirche. Palliativ Care bedeutet den Erhalt der Lebensqualität bis zum Schluss. Sie umfasst neben der Schmerzbekämpfung auch seelische, geistige und soziale Hilfe sowie die Unterstützung des Umfelds von schwerkranken und sterbenden Menschen.

Kein Trauertreff

Das Palliativ Café bietet einen entspannten Rahmen, um über die Möglichkeiten und die Erfordernisse des Lebensendes auszutauschen. «In der ersten halben Stunde können die Leute ankommen und einander beschnuppern», erklärt Wolfram Kötter. Dann folgt ein Inputreferat von einer Fachperson für Palliativ-Care. Im Anschluss gibt es eine Gesprächsrunde mit offenem Austausch bei Kaffee und Kuchen. Entstanden ist die Idee für ein Palliativ-Café nach dem Weltpalliativtag im vergangenen Oktober. «Wir haben festgestellt, dass sich die Leute über ihre Wünsche und Ängste am Lebensende austauschen möchten», sagt Wolfram Kötter und betont, dass das Palliativ-Café kein Trauertreff sei. «Wir bieten keine Trauerbegleitung an. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung des letzten Lebensabschnitts». Flächendeckende Versorgung In Schaffhausen setzt sich die Regionalgruppe für ein flächendeckendes Versorgungsnetz ein. Darin vertreten sind Mitglieder aller Berufsgruppen. Seelsorgerinnen und Seelsorger, Pflegefachpersonen, Ärzte, Sozialarbeiter, Spitex, darüber hinaus auch Angehörige und Betroffene. Die Regionalgruppe ist aus der Initiative dreier Personen entstanden. «Was zunächst als wildes Sammelsurium an Ideen und Kraft begann, konnte wir Schritt für Schritt in zielgerichtete Aktivitäten wandeln», erklärt Katja Fischer, Palliativmedizinerin und Mitglied der Regionalgruppe. Um die Strukturen zu festigen, wird sich die Regionalgruppe am 10. Mai als Verein konstituieren. «Wir wollen damit erreichen, dass unser Einsatz an Kraft und Energie nachhaltig wird», sagt Katja Fischer. Die Regionalgruppe leistet Öffentlichkeitsarbeit und fördert die Vernetzung unter den Institutionen, Fachleuten und Privatpersonen, die sich im Kanton Schaffhausen für Palliative Care einsetzen. Sie macht auf Lücken in der Versorgung aufmerksam und übt Druck auf die Krankenkassen aus, damit Leistungen aus der Palliativ Care zukünftig umfassender übernommen werden.

Vernetzte Zusammenarbeit

Zur Zeit erarbeitet die Kantonale Projektgruppe zusammen mit dem Gesundheitsamt einen Entwurf für ein «Palliative Care Konzept für den Kanton Schaffhausen». Sowohl in der Projektleitung, als auch in der Projektgruppe für die kantonale Strategie sind Mitglieder der Regionalgruppe vertreten. Die Projektgruppe ist daran, das Konzept abzuschliessen. «Unsere nächsten Schritte leiten sich aus der kantonalen Strategie ab», sagt Katja Fischer. «Wir wollen unsere Kraft gebündelt einsetzen, um ein flächendeckendes Versorgungsnetz an Pallaitive Care im Kanton Schaffhausen zu erwirken».

Themen und Daten Palliative-Cafés: 1. Juni: «Was es schon alles gibt», 20. Juni: Sommertreff im Kirchgarten der Zwinglikirche, 7. September: «Was Du machen kannst!», 2. November: «Zu Ende leben – ein Filmnachmittag».

Adriana Schneider