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Kirche

Was brauchen die Kirchgemeinden?

Durch den Reformprozess in der Schaffhauser Kantonalkirche stehen viele Kirchgemeinden in der Herausforderung, ihr Gemeindeleben unter neuen Vorzeichen zu gestalten. Die Frage, in welchen Bereichen Unterstützung hilfreich wäre, war zentral an der Reform-Konferenz in Neuhausen.

«Wir müssen uns darauf einstellen, kleiner zu werden. Und dürfen gleichzeitig davon ausgehen, dass die Kraft, die Lebendigkeit und die Wirkung unserer Kirche nicht an deren Grösse hängt». Mit diesen Worten begrüsste Kirchenratspräsident Frieder Tramer Ende März die Teilnehmenden der Reform-Konferenz in Neuhausen. Dieser Abend war ein Zwischenhalt im Reformprozess der Schaffhauser Kantonalkirche, der mit Beginn der neuen Amtsperiode im Juni 2015 in eine neue Phase getreten ist.

Kirche muss präsent bleiben

Die Strukturreform hat für viele Gemeinden grosse Veränderungen gebracht. Kleinere Pensen bei den Pfarrämtern führten zur verstärkter Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, an vielen Orten sind Pastoralgemeinschaften entstanden, manche wagten den Zusammenschluss durch eine Fusion. Jüngstes Beispiel dafür ist die Fusion der Kirchgemeinden Thayngen-Barzheim mit Opfertshofen. Die Mitglieder beider Gemeinden befürworteten die Fusionsvorlage an der Abstimmung vom 10. April klar.Die Kirchgemeinden im Kanton Schaffhausen müssen die strukturellen Veränderungen im Gemeindeleben fortlaufend umsetzen. Die Reform-Konferenz, an der Mitglieder der Kirchenstände, der Synode, Pfarrpersonen sowie Sozialdiakoninnen teilnahmen, informierte über die Unterstützungsangebote der Kantonalkirche.

Frieder Tramer zeigte in seinem Inputreferat auf, wie die Kirche sich im Lauf der Zeit verändert hat. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass viele Leute andere Prioritäten hätten, und dass die Rückgänge an Mitgliedern ein Trend sei, der anhalten werde. «Wir müssen aushalten, dass diese Entwicklung ein Stück weit unausweichlich ist», sagte Tramer. Die Kirche habe ihre Eigenart jedoch darin, vor Ort zu bleiben. «Wir müssen darauf achten, dass wir in den einzelnen Ortschaften auch im Zuge der Reform anwesend bleiben», so Tramer.

Im Anschluss erklärte Esther Schweizer, Beauftragte für Kirchgemeindeentwicklung, das Ziel des Abends. «Die Reform will nach wie vor gute Strukturen für die Gemeinden zu schaffen. Deshalb beschäftigt uns die Frage, was die Gemeinden konkret brauchen, um diesen Prozess umzusetzen». Das Angebot vom Kirchenrat umfasst Gemeindeberatungen von Fachpersonen aus dem Gebiet Coaching, Supervision und Gemeindentwicklung. Diese Dienstleistungen sind für die Gemeinden kostenlos. Ein starker Fokuss liege dabei auf dem Bereich der Freiwilligenarbeit. «Ein grosser Teil der Gemeindearbeit wird von Freiwilligen getragen. Wir müssen dieser wichtigen Ressource grosse Sorge tragen», betonte Esther Schweizer. Auch solle eine Plattform für den übergemeindlichen Erfahrungsautausch geschaffen werden, um voneinander lernen zu können.

 Im anschliessenden Workshop hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reform-Konferenz die Aufgabe, mit Holzklötzchen darzustellen, ob sich ein bestimmter Themenbereich in ihrer Gemeinde gut oder schwierig gestaltet. Die daraus entstandenen Diagramme bildeten das Ergebnis ab. Als positiv bewertet wurden die Bereiche Gottesdienst, Jugend und Unterricht, die Pfarramts- und behördenarbeit sowie die Seniorenarbeit. «Diese Bereiche sind am meisten strukturiert und gut ins das Gemeindeleben eingebettet», erläuterte Esther Schweizer das Resultat.

Erwachsenenbildung schwierig

Als ebenso gut wie schwierig erschienen die übergemeindliche Zusammenarbeit, die Freiwilligenarbeit und der Bereich Kinder und Familie. «Diese Bereiche sind offenbar sehr im Fluss», sagte Esther Schweizer dazu. «Besonders die Arbeit mit freiwillig Mitarbeitenden ist fragil. Sie benötigt viel Aufmerksamkeit und Energie und hat gleichzeitig einen riesengrossen Wert für jede Gemeinde».

Als das Gebiet, das am schwierigsten empfunden wurde, zeigte sich die Erwachsenenbildung. Dies führt Esther Schweizer auf das grosse ausserkirchliche Konkurrenzangebot zurück.

In einem nächsten Schritt will die Reformkommission die Resultate auswerten. «Wir versuchen daraus abzuleiten, welche Art von Unterstützung die Kirchgemeinden im Reformprozess brauchen», sagt Esther Schweizer.

Adriana Schneider