Logo

«Würde mich nicht verbiegen»

01.01.2016
Mit Dieter Kolthoff steht in Uri seit neun Monaten ein Deutscher an der Kirchenspitze. Die Kirche verträgt auch andersartige Menschen, ist er überzeugt.

«Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen», heisst es im Niedersachsenlied, der Hymne des norddeutschen Bundeslands. Bodenständig und geradeheraus wirkt auch Dieter Kolthoff. Er ist Niedersachse und seit Mai 2011 Kirchenratspräsident der reformierten Landeskirche Uri.
Zusammen mit den zwei deutschen Pfarrern Reinhard Eisner und Ulrich Schmaltz sind das Leitungsamt und die Pfarrämter der Urner Kir­che ausschliesslich mit Deutschen besetzt. Kritiker sprachen an der Wahlversammlung im vergangenen Frühjahr dann auch vom «Ausverkauf der Kirche». Kein einfacher Start für den 66-jährigen Unternehmer. «Gerade die Kirche ist doch der Boden der andersartige Menschen verträgt», findet Dieter Kolthoff. Ärgern ihn solche Vorbehalte? «Nein», sagt er. Die Vorschusskritik sah er dann auch eher als Herausforderung an. «Ausserdem bin ich selbstbewusst, das hilft sicherlich», meint er schmunzelnd, «ich würde mich nicht verbiegen».
Zudem lebt Dieter Kolthoff seit 17 Jahren mit seiner Familie in der Schweiz. «Wir sind hier unheimlich gut aufgenommen worden», erinnert sich der Kirchenratspräsident. Der Unternehmer baute zunächst im Kanton Zug, dann in Schattdorf/Uri eine Firma für Herstellung und Vertrieb von Schleiftellern für Bohr- und Poliermaschinen auf. Mittlerweile gibt es weitere Betriebe in Bulgarien und Amerika. Der Vater von drei Kindern ist noch zu 50 Prozent in seiner Firma tätig. Knapp 30 Prozent investiert er in sein Kirchenamt.
Kirchenpolitisch geht es Kolthoff vor allem um die Sache: «Ich möchte der Urner Kirche nicht meinen persönlichen Stempel aufdrücken, sondern Richtlinien erarbeiten, damit die Urner Reformierten für die Zukunft gewappnet sind». Kirchenrat und Kirchenpflegen sollen diese Ziele dann selbständig umsetzen können.

Nestwärme geben
Eine wichtige Aufgabe sieht der Kirchenratspräsident auch darin, Kontakte zu pflegen. «Kirche sollte den Mitgliedern eine Nestwärme geben. Sie bildet die Basis», ist Kolthoff überzeugt. Vor allem die Jugendlichen würde er gerne mehr einbinden. Doch bei nur 1800 Mitgliedern insgesamt und entsprechend wenigen Jugendlichen sei es sehr schwierig eine eigenständige Jugendarbeit aufzubauen.
Auch Kolthoff selbst kam über die Jugendarbeit in Kontakt mit der Kirche. Beim «Jugendbund für entschiedenes Christentum», einem christlichen Jugendverband, der seine Aufgabe in der Weiterverbreitung der christlichen Botschaft sieht, arbeitete Kolthoff als Jugendlicher und junger Erwachsener zwanzig Jahre mit.
Auch die Zusammenarbeit mit der katholischen Schwesterkirche ist für Kolthoff ein wichtiges Thema: «Die Ökumene liegt mir sehr am Herzen», betont er. Eine engere Zusammenarbeit wie in Nidwalden, wo die reformierte Landeskirche und eine katholische Kirchgemeinde gemeinsam ein ökumenisches Kirchgemeindehaus betreiben, sei für ihn kein Tabu. «In der heutigen Zeit müssen wir einfach aufeinander zugehen», ist Kolthoff überzeugt.

Annette Meyer zu Bargholz


ÄHNLICHE ARTIKEL