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Ein Schulfach auf der Suche nach sich selbst (1)

01.01.2016
Durch den Lehrplan 21 stehen dem Religionsunterricht schweizweit Veränderungen bevor. Im Kanton Solothurn ergreifen Katechetinnen die Initiative, um ihr Berufsbild für die Zukunft zu stärken.

«Einzelkämpferinnen», «kurz da und wieder weg», «zu still und zu leise», «Vermittlung von Werten», «engagiert und motiviert». Wilf Gasser von der Beratungsfirma «xpand» notiert die Stichwörter auf der Flipchart. Immer wieder nennen die zehn Katechetinnen neue Begriffe, mit denen sie ihre Arbeit charakterisieren. Wilf Gasser ordnet diese dann unter Stärken, Chancen, Schwächen oder Gefahren ein.
An diesem Anlass versuchen die Katechetinnen des Kanton Solothurn, ihre Stellung zu stärken. Zu der Veranstaltung waren auch Regierungsrat Klaus Fischer und andere Behördenmitglieder eingeladen. Sie liessen sich entschuldigen.
Im Kanton Solothurn ist der Religionsunterricht an der Schule ökumenisch und wird von den Landeskirchen erteilt. Die anfänglichen Zweifel, die noch bei der Einführung des ökumenischen Konzepts herrschten, wurden zerstreut. Dieser Unterricht wird heute in den meisten Gemeinden durchgeführt. Das freut insbesondere die Solothurner Interkonfes­sionelle Konferenz SIKO, die sich für die Ökumene in den Klassenzimmern stark macht.
Das Solothurner Modell steht auf zwei Säulen: Der konfessionelle Unterricht erfolgt in der Kirche, die christliche, ethische und religiöse Unterweisung in der Schule.

Ökumenischer Unterricht ist gut angelaufen
Auch die Katechetinnen erleben den ökumenischen Unterricht durchwegs als positiv. «Er entspricht der heutigen Situation vieler Kinder, bei denen das eine Elternteil reformiert, das andere katholisch ist», erklärt Rita Bützer, Katechetin in Hägendorf. Hinzu kommt, dass immer mehr Eltern, die aus der Kirche ausgetreten sind, ihre Kinder in den Unterricht schicken. Ihnen sei es wichtig, dass sie christliche Werte erfahren.
Probleme orten die Katechetinnen bei ihren Anstellungen. Obschon der Religionsunterricht an der Schule stattfindet, sind sie bei den Kirchgemeinden angestellt. Die Löhne und Bedingungen fallen je nach Kirchgemeinde und Pfarrei verschieden aus.
Die Katechetinnen Männer fehlen in dieser Zunft würden eine einheitliche Regelung begrüs­sen. Andere sehen die Schwierigkeiten in der Stellung und dem Image des Religionsunterrichtes: Oftmals übernehmen sie Randstunden und werden nicht informiert, wenn eine Klasse wegen eines Ausfluges oder wegen eines anderen Anlasses fehlt.
Zurzeit ist die Zukunft des kirchlichen Religionsunterrichts an der Schule nicht mehr so sicher. Im Zuge des Lehrplans 21, der in der gesamten Deutschschweiz durchgesetzt werden soll, könnte er aus den Schulhäusern verdrängt werden. In den Kantonen Zürich und Bern haben sich die Landeskirchen aus den Klassen zurückgezogen. Statt «christlich», wird dort das Fach «Religion und Kultur» «wertneutral» durch die staatliche Lehrerschaft erteilt. Die Entwicklung verunsichert auch die Katechetinnen.

«Christentum ist die Klammer unserer Kultur»
Für Bildungsdirektor Klaus Fischer steht dies jedoch nicht zur Debatte: «Christentum ist eine Klammer unserer Kultur. Die Schüler sollen das von innen kennenlernen», erklärte er in der Zeitung «reformiert.». «Wer in der eigenen Tradition zu Hause ist, steht anderen Kulturen toleranter gegenüber.»

Tilmann Zuber


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