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«Geliebte Sexualität»

01.01.2016
In der Kirche spricht man nicht über Sex. Mit diesem Vorurteil ist jetzt Schluss. In einem Kurs sollen Paare den Spass am Sex entdecken sinnlich und konkret.

«Sex kann Spass machen!», heisst es in der Ausschreibung zum Seminar mit dem verheissungsvollen Titel «Geliebte Sexualität». Offenbar ist der Umgang mit Sexualität derart prob­lembehaftet, dass die meisten Leute mit Erotik alles Mögliche, aber nicht «Spass» verbinden. Im Anschluss an die 68-Bewegung war das schon einmal anders. Was hat sich verändert? «Sexualität ist allgegenwärtig und trotzdem tabuisiert», beobachtet der Psychologe Reinhard Felix-Lustenberger von der Beratungsstelle für Partnerschaft, Ehe und Familie.

Verunsichert und überfordert
Viele, vor allem auch junge Menschen, seien verunsichert und überfordert mit ihrer eigenen Körperlichkeit und in der Beziehung. Pornografische Bilder, die man aus dem Internet und den Medien im Kopf hat, stünden der oftmals fehlenden eigenen Erfahrung gegenüber.
Mit mangelnder Erfahrung meint Reinhard Felix nicht in erster Linie Geschlechtsverkehr, sondern das Wissen um den eigenen Körper was macht Lust, was «löscht ab» und das Spüren der Grenzen beim Partner.
Paare, die schon länger zusammen sind, haben gemäss dem Psychologen oft Schwierigkeiten, sexuelles Begehren und Annäherung in Einklang zu bringen: Was tun, wenn er will, sie aber keine Lust verspürt? Auch körperliche Probleme wie etwa Funktionsstörungen wirkten sich einschränkend auf die Erotik aus.
Offene Gespräche und Übungen zur Selbsterfahrung stehen auf dem Programm des Seminars, das Reinhard Felix zusammen mit seiner Kollegin, der Psychotherapeutin Karin Hegar, leiten wird. Das Wochenende richtet sich an Paare. Dabei spielen Alter und sexuelle Orientierung keine Rolle, wie Reinhard Felix betont. «Wir wollen das Seminar sehr offen gestalten und sind für vieles bereit», meint Reinhard Felix. Den Paaren wird empfohlen, «zum Üben» ein Zimmer zu reservieren. Sie sollen aus­serdem einen Gegenstand mitbringen, der für ihre Erotik von Bedeutung ist. Weder Gruppensex noch Live-Anschauungsunterricht werden im Seminar geboten und es herrsche auch keinerlei Zwang, sagt Reinhard Felix. Es gehe darum, auf dem vorhandenen Erfahrungsschatz aufzubauen und die Sexualität zu bereichern. Es ist also höchste Zeit, das Vorurteil, man spreche in der Kirche nicht über Sex, über Bord zu werfen.

Karin Müller


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