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Begegnung mit einem Volksheiligen

01.01.2016
Mystiker, Politiker und Volksheiliger Niklaus von Flüe hat viele Gesichter. Zu entdecken sind sie in der erneuerten Grundausstellung im Museum Bruder Klaus in Sachseln.

«Bruder Klaus der hat doch seine Familie verlassen und ist dann dafür heilig gesprochen worden» «Das ist doch der, der wenig gegessen hat und auf einem Steinkopfkissen schlief». Fast jeder hat ein Bild von Bruder Klaus im Kopf: Gleich im Entrée zur Niklaus von Flüe-Ausstellung im Museum Bruder Klaus in Sachseln begegnen diese dem Besucher per Video. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erzählen darin, was sie von dem berühmten Obwaldner wissen.
Um viel mehr als um Klischees und Legenden geht es den Machern der erneuerten Grundausstellung zum Leben des Mystikers, Politikers und Volksheiligen. Die Ausstellung zu Bruder Klaus wurde nach 35 Jahren den heutigen Bedürfnissen entsprechend unter der Projektleitung von Jürg Spichiger und Jos Näpflin auf zwei Etagen des Museums gänzlich neu gestaltet. Das Gebäude, ein denkmalgeschützer Herrensitz aus dem Jahr 1784, wurde zudem grundlegend saniert. Die Räume im Keller und im zweiten Stock bleiben weiterhin für Sonderausstellungen reserviert.
Heute würde man ihn wohl als Aussteiger bezeichnen: Der Obwaldner Bauer Niklaus von Flüe hatte eine erfolgreiche Karriere als Offizier und Politiker hinter sich, als er sich mit etwa 50 Jahren dazu entschloss, seine Familie zu verlassen und Einsiedler zu werden. Er liess sich nahe seines Bauernhofs in der Ranftschlucht nieder und lebte der Legende nach fortan nur von frischem Wasser und geistiger Nahrung. Auch als Eremit blieb er der Welt aber verbunden und verhinderte mit seiner Versöhnungsbotschaft zum Stanser Verkommnis 1481 einen Bürgerkrieg in der Schweiz. Und die Verehrung nahm ihren Lauf.

Friedensstifter und Vermittler
Mit der neuen Dauer-Ausstellung «Niklaus von Flüe Vermittler zwischen Welten» wird die Vielschichtigkeit des Obwaldners gewürdigt. Er wird einerseits als Friedensstifter, Vermittler und Mahner im bewegten 15. Jahrhundert und Bewahrer vor schwerer Bedrohung in der Rezeption des 20. Jahrhundert dargestellt. Auf der anderen Seite lernt der Besucher den frommen Bauern kennen, der auf seine weltlichen Ämter verzichtet und der- von seiner Frau freigegeben, um ganz Gott zu dienen in den Ranft zieht. Auch seine Ehefrau, seine Kinder und Zeitgenossen werden vorgestellt. Sein bekanntes Betrachtungsbild wie auch das Bruder-Klausen-Gebet und das Wunderfasten werden thematisiert und mit verwandten Erscheinungen in anderen Kulturen verglichen.
In einer Wunderkammer sind Verehrungszeugnisse und Darstellungen des Heiligen durch die Jahrhunderte versammelt. Ein besonderes Augen- und Ohrenmerk wird der Musik und der Architektur zur Würdigung von Bruder Klaus geschenkt. Bild, Ton- und Textdokumente sowie Filmausschnitte, zum Beispiel von den Feierlichkeiten anlässlich der Heiligsprechung Bruder Klaus 1947, ergänzen die Exponate.
Kurz vor dem Ende des Ausstellungsrundgangs wird der Eremit schliesslich in die Reihe weltweiter Persönlichkeiten gestellt, die sich bis in die heutige Zeit für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Dort trifft der Besucher neben Gandhi, Bob Dylan oder Martin Luther King auch auf reformierte «Heilige» wie Huldrych Zwingli, Jean Calvin oder Karl Barth.



Museum Bruder Klaus, Dorfstr. 4, Sachseln. Geöffnet bis Allerheilgen am DiSa 1012, 13.3017 Uhr, So 1117 Uhr.

Annette Meyer zu Bargholz

Links:
www.museumbruderklaus.ch


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