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Ertönt Kirchenmusik, klingeln die Kassen

01.01.2016
Wenn die Gemeinde zur Orgelmusik «Grosser Gott wir loben dich» anstimmt, ahnen die wenigsten, dass das Gotteslob kostet. Die Kirche zahlt jährlich Tausende von Franken für Urheberrechte.

Wenn Sonntag für Sonntag die Kirchenbesucher das Loblied anstimmen, so klingelt die Kasse nicht nur bei der Kollekte, sondern auch bei der Urheberrechtsgesellschaft «Suisa» in Zürich oder der «Verwertungsgesellschaft Musikedition» in Kassel. Denn für viele Kirchenlieder gelten Urheberrechte. Sind die meisten Komponisten von Kirchenliedern nicht längst gestorben, fragt sich der Laie. «Das täuscht», sagt Andreas Marti, Präsident der Schweizerischen Liturgiekommission, «ein altes Lied kann beispielsweise einen modernen Orgelsatz haben.»
Damit nicht jede Gemeinde jedesmal ins Portemonnaie greifen muss, haben der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz Verträge mit den Verwertungsgesellschaften abgeschlossen. Für Musik, Gesang und Notenkopien bezahlt der SEK jährlich 390 000 Franken, hauptsächlich an die Gesellschaften Suisa, Suisseimage und VG Musikedition. «Damit die Zahlungen an die richtigen Urheber gehen, sind die Gemeinden verpflichtet, für Suisa und VG Musikedition ein Verzeichnis aufgeführter Musik zu führen», sagt Anke Grosse-Frintrop, Leiterin für Zentrale Dienste beim SEK.

Erstmals per Internet
In diesen Tagen flattert deshalb bei 200 reformierten Kirchgemeinden Post in den Briefkasten. Als «repräsentative Stichprobe» sollen diese ein Jahr lang elektronisch festhalten, was sie im Gottesdienst singen. «In diesem Jahr laufen die Erhebungen erstmals nicht mehr über Papier, sondern über das Internet», sagt Anke Gros­se-Frintrop. Ab dem zweiten Halbjahr 2012 soll die Internetanwendung allen Gemeinden zugestellt werden. «Nur die im Gottesdienst gesungenen Lieder werden repräsentativ erhoben, alle anderen Musikaufführungen einer Gemeinde müssen wie bisher vollständig gemeldet werden.» Profitieren Kirchenmusiker von diesem administrativen und finanziellen Aufwand? Gemäss Suisa wurden letztes Jahr 565 000 Franken Einnahmen aus Kirchenmusik nach einem Abzug von 15 Prozent für die Verwaltung an die Berechtigten verteilt. Die Suisa unterstütze zusätzlich mit einer Stiftung das Musikschaffen, sagt Pressesprecher Martin Wüthrich. Eine kleine und nicht repräsentative Nachfrage bei Kirchenmusikern und Komponisten ergab: Zu ihnen gelangt das Geld in den wenigsten Fällen. Nennenswert Geld erhalte, wessen Musik in den Läden verkauft oder am Radio gespielt werde. Sicher gäbe es einzelne Komponisten, die von der Suisa Beiträge erhalten, erklärt Hanruedi von Arx von der Fachstelle Kirchenmusik im Kanton Solothurn. Dazu müssten diese jedoch ihre Werke bei der Suisa anmelden.

Barbara Helg / tz


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