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Breite Einstimmigkeit

01.01.2016
Am letzten Samstag hat die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Kanton Solothurn in Kleinlützel getagt. Sie setzte damit ein Zeichen für ihre Verbundenheit mit den Randgebieten.

Aus dem ganzen Kirchengebiet reisten die Synodalen in der Frühe nach Kleinlützel an der Grenze zu Frankreich. Sie wollten damit ein Zeichen setzen, wie sehr ihnen die Gemeinden an der Peripherie ein Anliegen sind, erklärte Ruedi Kyburz, der Präsident der Synode. In der idyllischen Gemeinde herrschte bei strahlendem Wetter auch bei den Traktanden weitgehend Einigkeit. Ohne Gegenstimme wurden die Rechnungen 2011 der Synode, des Finanzausgleichs und des Kirchenboten angenommen, die der Finanzverantwortliche Martin Pfluger vorstellte.

Zehntausend Franken an Heks
Die letztjährige Synode-Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 85'617 Franken ab, von dem 5000 Franken an die Offene Kirche Region Olten und 10'000 Franken an das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz zugunsten der Dürreopfer in Niger gehen. 70'617 Franken werden dem Eigenkapitel zugewiesen.
Den Ertrag des Finanzausgleichs stellt der Synodalrat für Bausubventionen zurück. Dies mit gutem Grund: In den nächsten Jahren stehen in vielen Kirchgemeinden grosse Vorhaben an. Gesamthaft planen die Kirchgemeinden Bauarbeiten im Umfang von mehr als 2 Millionen Franken, an denen sich der Finanzausgleich mit 214'274 Franken beteiligt.
Der umfangreiche Jahresbericht des Synodalrates zeigt eindrücklich, dass die Kirche nicht nur baut, sondern in den verschiedensten Sparten der Gesellschaft tätig ist. Die Aufzählung der Synodalrätin Susanne Rudin, die den Bericht präsentierte, wollte kein Ende nehmen.
Die Synode verabschiedete den Bericht einstimmig. Einzelne Voten forderten, man sollte den Jahresbericht auch den politischen Behörden zukommen lassen. So könnten sich diese eine besseres Bild über die vielfältige Tätigkeit der Kirche machen.
In seiner Grussbotschaft überbrachte Dieter Altenburger vom Departement Bildung und Kultur die besten Wünsche der Solothurner Regierung. Er lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Kanton und Kirchen. Mit der Neuregelung des Finanzausgleichs, die der Grünliberale Markus Knellwolf in einem Vorstoss im Kantonsrat forderte, sei nicht vor 2017 zu rechnen. Zuerst müsste der Finanzausgleich zwischen den politischen Gemeinden in Angriff genommen werden.

«Inseln für die Beziehung»
An der Synode stellten Therese Hulmann und Cornelia Lossner die Arbeit des Vereins für Ehe- und Lebensberatung (VEL) vor. Der Verein, der von den Kirchen und dem Kanton unterstützt wird, unterhält einen Sitz in Olten, Solothurn, Grenchen und Breitenbach. Die Beratung erfolgt unabhängig von Konfession und Nationalität und umfasst die Bereiche Partnerschaft, Ehe, Familie, Schwangerschaft, Familienplanung und Sexualität.
An konkreten Fällen illustrierten die beiden ihre Arbeitsweise. Gerade die Übergänge im Leben wie Heirat, Geburt oder der Auszug der Kinder, Berufswechsel oder die Pension seien Minenfelder, die etliche Konflikte auslösten. Im Gespräch spiegeln die Beraterinnen jeweils die Situation und versuchten den Betroffenen aufzuzeigen, was geschehen ist. Den meisten sei gar nicht bewusst, wie wenig Energie und Zeit sie in ihre Beziehung investierten, erklärte Therese Hulmann. Sie schlägt den Paaren vor, «gemeinsame Inseln» im Alltag einzurichten. Was einfach scheint, fällt vielen jedoch schwer: Deshalb rät sie, solche Termine verbindlich in der Agenda festzuhalten.
Ein anderes Minenfeld, in dem Vel tätig ist, sind Erziehungsfragen. Selbst wenn unzählige Ratgeber auf dem Markt sind und sich jeder in Sachen Kindererziehung für einen Experten hält, stehen viele im konkreten Fall ratlos und hilflos da. Gerade in der Pubertät, wenn der Zögling in den Augen der Eltern zum Monster mutiert, das die ganze Atmophäre in der Familie dominiert. Beispielsweise, wenn die Eltern darüber verzweifeln, dass ihr Sohn keine Ausbildung beginnt, herumhängt, kifft und nicht im Haushalt mithilft.
Hinter dem angeblich so «coolen» Verhalten verstecken sich Ängste, Unsicherheit und Frustration. Im Gespräch versucht Cornelia Lossner Druck und Emotionen aus der Situation zu nehmen und einen Weg aufzuzeigen. Oft, so die Beraterin, helfe es schon, wenn sich die Eltern bewusst seien, dass in der Pubertät bei den Jugendlichen eine Hirnentwicklung stattfinde: Und da heisst es manchmal: «Wegen Umbau geschlossen.»

Tilmann Zuber


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