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«Es gibt für uns keine Alternative»

01.01.2016
In Basel sind religiös motivierte Beschneidungen weiterhin möglich. Eine klare Haltung vertritt Rabbiner Yaron Nisenholz: Ohne Beschneidung kein Judentum.

Nachdem das Kölner Landgericht aufgrund einer medizinisch missglückten Beschneidung eines vierjährigen muslimischen Knaben die körperliche Unversehrtheit des Jungen als missachtet beurteilte, gingen die Wogen auch in der Schweiz hoch. Ein drohendes Beschneidungsverbot führte zu einem Schlagabtausch. Das Züricher Kinderspital setzte die Beschneidungen für einen Monat aus. Und Nico Rubeli, Präsident der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft, beschwörte in einem «Memorandum des Präsidenten» «genozidal phantasierte Aussonderungen» herauf. Beides trug zu einer kontroversen Debatte bei.

Gottesbund durch Beschneidung
Yaron Nisenholz, Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), ist wie Nico Rubeli besorgt. Er argumentiert mit klaren Fakten: «Für uns ist die Beschneidung am achten Tage ein Gesetz. Durch sie wird der Bund zwischen dem Volk Israel und Gott geschlossen. Es gibt für uns deshalb keine Alternative», sagt er unmissverständlich. «Die Beschneidung, hebräisch «Brit Mila» (etwa: Bund durch Beschneidung) ist Teil der religiösen Erziehung im Judentum.» Für die Entwicklung des Kindes erkennt der Rabbiner keine Nachteile durch die Beschneidung. Im Gegenteil: «Wenn ein jüdischer Knabe nicht beschnitten würde, entstünde ihm dadurch eher eine soziale Benachteiligung.»

Jüdische Identität bedroht
Yaron Nisenholz ist überzeugt, dass die Entwicklung eines Kindes beispielsweise durch den elterlichen Entscheid, in welche Schule das Kind gehen soll (Privatschlule, Steiner-Schule, öffentliche Schule) mehr beeinflusst werde, als durch eine Beschneidung. Und so ist für ihn klar: «An einem Ort, an dem die Beschneidung verboten wird, ist das Leben für Juden nicht mehr möglich. Deshalb bin auch ich besorgt über die derzeitige Entwicklung.»
Vollzogen werde das Ritual der Beschneidung von ausgebildeten «Mohelim», zum Teil selbst Ärzte, unter medizinisch-hygienischen Bedingungen, erklärt Rabbiner Nisenholz. Dabei finde die rituelle Beschneidung in der Synagoge, im Elternhaus oder im Spital statt. Im Universitären Kinderspital beider Basel werden Beschnei­dungen weiterhin durchgeführt, solange die Rechtslage in der Schweiz sich nicht ändert. Deshalb argumentiert auch Yaron Nisenholz: «Wenn die medizinischen Erfordernisse erfüllt sind, darf einer Beschneidung ­nichts im Wege stehen denn: ohne Beschneidung kein Judentum.»

Siehe auch das Interview mit Alfred Bodenheimer.

Franz Osswald


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