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«Twelve Points» für einen guten Zweck

01.01.2016
Heilsarmee rockt für die Schweiz: Als Kind wollte Sarah Breiter in die Mission nach Afrika. Falls das Publikum für die Heilsarmee-Band «votet», fährt die Zwanzigjähre vielleicht für die Schweiz an den Eurovision Song Contest.

Nein, die Koffer für Schweden habe sie noch nicht gepackt, lacht Sarah Breiter. Die Zwanzigjährige singt die zweite Stimme in der Heilsarmee-Band, die sich aufmacht, nach DJ Bobo, Lovebugs und Anna Rossinelli, die Schweiz am Eurovision Song Contest zu vertreten. «Das ist einfach eine coole Idee», erzählt Breiter, bei der sie gerne mitmache.
Zurzeit finden im Internet die Vorausscheidungen für Malmö statt. Die Band besteht aus sechs Musikern, die in einem internen Casting in Zürich ausgewählt wurden. Der Älteste, Emil Ramsauer, ist 94 Jahre alt. Sarah Breiter ist mit zwanzig Jahren die Jüngste. Beim Casting sei sie nicht aufgeregt gewesen, erzählt sie. Auch nicht bei den Aufnahmen im Tonstudio. Es habe Spass gemacht.
Musik sei ihr grosses Hobby. Sie habe schon immer gerne gesungen. Als Teenager in einer Rockband oder in einem Chor am Weihnachtsmarkt in Huttwil. Heute tritt sie in Lobpreisgottesdiensten auf. Im Sommer hat die Zwanzigjährige an drei Hochzeiten gesungen.

«Heilsarmee ist meine Heimat»
Die Heilsarmee gehört zu Sarah Breiters Biographie. Ihr Vater ist Offizier in der «Armee Gottes». Das klingt martialisch, bedeutet jedoch lediglich, dass er Pastor ist. «Die Heilsarmee ist meine Heimat», erklärt sie. Es sei ein Vorrecht in einer Gemeinde aufzuwachsen, in der man so viele Freunde habe, die hinter einem stehen und einen unterstützen.
Sarah Breiter arbeitet in der Altenpflege. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Jugendarbeit der Heilsarmee. Im JG-Team feiert sie Worship- und Lobpreisgottesdienste, betet für andere und packt auch konkret an. Etwa wenn sie bei anderen Leuten die Wohnung aufräumt. So will sie die Botschaft Gottes weitergeben und zeigen, dass Gott jeden und jede liebt. Als Kind wollte Sarah Breiter in die Mission nach Afrika. Doch heute habe sie gemerkt, dass sie auch hier das Evangelium weitergeben könne, «da wo einen Gott hinstellt.»

Das veraltete Bild auf den Kopf stellen
Für Sarah Breiter bietet die Teilnahme am Wettbewerb auch die Chance, die Heilsarmee in einem anderen Licht darzustellen. «Das veraltete Bild wird auf den Kopf gestellt, und wir nicht nur auf Topfkollekte und Uniform reduziert», hofft sie. Ähnlich sieht dies Martin Künzi. Der Projektverantwortliche von der Heilsarmee verspricht sich von der Teilnahme eine Steigerung der Bekanntheit. Und falls sie scheitern, könnten sie den neuen Song in ihr Weihnachtsrepertoire aufnehmen.
Hinter dem englischen Song «You and me» steht Georg Schlunegger von «Hitmill», der schon «Bligg», «Baschi» und «Pegasus» produziert hatte. Auch Schlunegger sieht die Sache entspannt: «Wir sind uns im Klaren, dass es die Schweiz schwierig hat, bei diesem europäischen Wettbewerb zu punkten.» «Hitmill» habe sich spontan entschieden, bei dieser ungewöhnlichen Aktion mitzumachen, «weil wir das Heilsarmee-Projekt spannend und sympathisch finden. Wenn also Zero Points, dann wenigstens für einen guten Zweck.»
Ob die Heilsarmee und ihr Song eine Chance haben, wird sich in Kürze zeigen. Zurzeit entscheidet ein Internet-Voting, welche 14 Kandidaten es in die SF-live-Sendung schaffen, in der der Eurovision Song Contest-Beitrag gekürt wird. Und vielleicht heisst es dann für Sarah Breiter Koffer packen für die Reise nach Schweden.


Bis 29. Oktober können Sie mit vier Stimmen über den Beitrag der Heilsarmee abstimmen. Voten können Sie unter:
www.eurovisionplattform.sf.tv

Tilmann Zuber

Links:
www.eurovisionplattform.sf.tv


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