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Über die Liebe plaudern

01.01.2016
Wie halten es die verschiedenen Religionsgemeinschaften und Kulturen mit Liebe, Partnerschaft und Ehe? In der Woche der Religionen gewähren Paare einen persönlichen Einblick.

Ist von Liebe, Partnerschaft und Ehe die Rede, weiss wohl niemand besser darüber zu berichten, als die von der Liebe Betroffenen oder müsste man schreiben, die von der Liebe Getroffenen? Vor allem der Beginn einer Liebesgeschichte bleibt in Erinnerung. Zum Beispiel Theepan Suntharalingam und Ketharany Biratheepan aus Luzern. Das Paar mit tamilischen Wurzeln hat sich auf einer hinduistischen Hochzeit in in Zürich kennengelernt: «Ich hatte zuvor noch Blut gespendet», erzählt Theepan. «Als Ketharany mich sah, spottete sie: Schau, der kommt zu einer Hochzeit und ist ganz bleich! Im Gespräch haben wir herausgefunden, dass unsere Väter aus dem selben Dorf in Sri Lanka stammen und sich gut kennen.»
Je nach gesellschaftlichem oder religiösem Hintergrund gibt es Bedingungen und Regeln, die es einem Paar überhaupt erst ermöglichen, sich dauerhaft zu binden. Beim Ehepaar Suntharalingam hatten die Eltern ein gewichtiges Wort mitzureden. In der tamilischen Kultur ist es üblich, dass die Eltern des Bräutigams die Brauteltern fragen, ob eine Hochzeit möglich sei. Dabei werden Fragen nach der Kaste abgeklärt und finanzielle Aspekte besprochen. Ist zwischen den Eltern alles geregelt ist, wird für beide Partner ein Horoskop erstellt. Erst wenn die Sterne günstig stehen, kann sich das Paar verloben. «Es kann auch vorkommen, dass Verbindungen scheitern, weil das Horoskop ungünstig ausfällt», gibt Theepan Suntharalingam zu bedenken.

Der Schweizer und die Taiwanerin
Wenn sich am 8. November im Luzerner Sentitreff Paare aus verschiedenen Religionen zum öffentlichen Austausch über Liebe, Partnerschaft und Ehe treffen, sind auch Erich und Jenny Steinmann mit dabei. Der Schweizer und die gebürtige Taiwanerin haben sich 1981 in Taiwan kennen gelernt: «Damals waren wir 23 und 27 Jahre alt. Es war nicht gleich Liebe auf den ersten Blick, doch es hatte recht gefunkt.» 1984 kam es zur Hochzeit in der Schweiz. 1992 entschied sich Erich für den buddhistischen Glauben, der beiden auch in der Beziehung hilft: «Wir versuchen, bei Problemen nicht gleich aufzugeben, Respekt für einander zu wahren und bei Streitereien sachlich zu bleiben.»
Nebst den Ehepaaren Suntharalingam und Steinmann werden im Sentitreff auch noch ein christliches und ein muslimisches Paar mitdiskutieren. Die Besucher erfahren zum Beispiel, dass bei der bis zu vierstündigen Hochzeitszeremonie der Hindus eine Feuerzeremonie (Yaga) ganz wichtig ist oder dass die Frau vom Mann das Dhali, eine goldene Halskette, geschenkt bekommt. Zur Sprache kommen Traditionen und Rituale zum Thema, aber auch Fragen, wie das mögliche Ende einer Partnerschaft, was die Religionen zur gleichgeschlechtlichen Liebe sagen oder wie der Glaube im Alltag gelebt wird.



Paargespräche
Paare mit verschiedenem kulturellen und religiösen Hintergrund erzählen von Brauchtum und Ritualen rund um Heirat und Ehe sowie von der Bedeutung des Glaubens für ihre Partnerschaft. Donnerstag, 8. November, 19.30, Sentitreff, Basel­strasse 21, Luzern. Anlass ist die Sonderausstellung «Ewig Dein» des Histo­rischen Museums Luzern und die Woche der Religionen vom 4. bis 10. November.

Urban Schwegler

Links:
Weitere Veranstaltungen unter www.iras-cotis.ch


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