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Zentralschweizer Ehen halten länger (3)

01.01.2016
Uri ist der Kanton mit den wenigsten Scheidungen in der Schweiz. Auch die anderen Zentralschweizer Kantone liegen unter dem Landesdurchschnitt.

Wer in der Zentralschweiz heiratet, hat gute Chancen auf langes Eheglück. Besonders glücklich scheinen die Urnerinnen und Urner zu sein: Hier scheitert nur jede vierte Ehe. Das ist absoluter Schweizer Rekord. Doch auch in den anderen Zentralschweizer Kantonen sieht es positiver aus, als im Rest des Landes. Die zweittiefste Scheidungsziffer hat Obwalden mit 40,8 Prozent. Es folgen Luzern mit 45,7, Schwyz mit 47, Zug mit 49,1 und Nidwalden mit 49,5 Prozent. Damit liegen allesamt unter dem schweizerischen Durchschnitt, der bei 54 Prozent liegt. Die meisten Ehen, 61 Prozent, scheitern in Basel-Stadt.
Die Scheidungsquote in Uri ist seit Jahren niedrig, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Allerdings machte die gesellschaftliche Entwicklung auch nicht vor dem Bergkanton halt und liess die Zahl von 6,4 Prozent im Jahr 1984 auf 25,6 Prozent 2010 ansteigen. Zum Vergleich: 1970 lag auch die Gesamtschweizer Scheidungsquote noch bei 13 Prozent.
Haben die Urner das Patentrezept für die ideale Ehe gefunden? «Ich erkläre mir das mit dem bodenständig kritischen Realismus der Urner», sagt der reformierte Urner Pfarrer Ulrich Schmaltz. Dieser schütze die Paare vor falschen Vorstellungen, dass die Ehe immer nur ein Feuerwerk wohliger Gefühle sein könne. In Traugesprächen müsse er die Paare selten auf den Boden der Realität zurückbringen. «Sie wissen, worauf sie sich einlassen.» Die Tatsache, dass die meisten Urnerinnen und Urner einer Religionsgemeinschaft angehören, habe vielleicht früher den Skrupel vor einer Scheidung erhöht. «Heute ist das aber nicht der Hauptgrund», ist der Pfarrer überzeugt.
Scheidungsanfällig sind vor allem junge Ehen, jedoch ist auch ein Anstieg der Scheidungen nach einer längeren Ehedauer fest zu stellen. Im Schnitt sind Paare bis zur Scheidung 14,5 Jahre verheiratet. Guy Bodenmann, Psychologe an der Universität Zürich, hat Faktoren ermittelt, die eine Scheidung begünstigen. Dazu zählen Untreue, Alltagsstress und kritische Lebensereignisse, wie Umzug, Krankheit, Pensionierung oder Wiedereinstieg der Frau ins Berufsleben. Ein Rezept für eine funktionierende Ehe kann auch der Wissenschaftler nicht geben. Erwiesen sei jedoch, dass «Intimität und Nähe nur möglich sind bei ausreichender Zeit füreinander, einem angenehmen, verstärkendem Umgang miteinander, emotionaler Selbstöffnung und dem Wissen, dass man auf den Anderen zählen kann.»

Annette Meyer zu Bargholz


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