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«Wir haben zwei offene Baustellen»

01.01.2016
Abschiedsinterview mit Dekan Pfarrer Andreas Heieck.

Andreas Heieck, als Dekan haben Sie fünf Jahre den Pfarrkonvent geleitet und waren Seelsorger der Pfarrerinnen und Pfarrer: Was waren Merkmale dieser Zeit?
Es zeichnete sich ab, dass die bestehenden Strukturen der Kantonalkirche zu verändern sind. Der insbesondere demografisch verursachte Mitgliederrückgang bewirkte, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei Kirchgemeinden und Pfarrpersonen zunahm. So entstanden grösseres Regionalbewusstsein und engere Vernetzung.
Der Trend der abnehmenden Relevanz der Kirchen kam auch in Schaffhausen an. Die Prognose der Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz, dass die Bedeutung der Kirchen in Zukunft schwindet, wirkte wie ein Paukenschlag und prägte das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit.

Mit der Strukturreform der Kantonalkirche werden Pfarrstellen verkleinert und die Gemeinden zur Zusammenarbeit angehalten. Was bedeutet das für die Pfarrschaft?
Auch sie hat enger zusammenzuarbeiten, sich zu vernetzen und Schwerpunkte zu setzen. Es bedeutet: weg vom reinen Generalistentum hin zu Pfarrämtern mit klareren Schwerpunkten, die über die einzelnen Gemeinden hinausgehen und so auch von anderen Gemeinden genützt werden. Das ist Problem und Chance zugleich.

Rund 525 Pfarrstellenprozente sollen eingespart werden ein schwerer Einschnitt für die Pfarrschaft.
Ich nehme eine äusserst angespannte Ruhe wahr. Für manche bedeutet es, dass sie sich beruflich verändern, neue Aufgaben suchen müssen. Falls sie in Zukunft noch einem anderen Erwerb nachgehen, ändert sich das Pfarrbild: Sie werden zu gewissen Zeiten für die Gemeinde nicht mehr erreichbar sein.

Herrscht eine Ruhe vor dem Sturm?
Nicht im Sinn von Stillstand. In fünf ausserordentlichen Pfarrkonventen haben wir Ideen für den Umstrukturierungsprozess entwickelt, die wir in diesen einbringen wollen. Der Pfarrkonvent steht grundsätzlich hinter der Strukturreform. Aber zusätzlich gibt es ja noch das Sparprogramm der Regierung. Wir haben zwei offene Baustellen mit ungewisser Entwicklung. Unterschwellig sind die Ängste und Sorgen sehr präsent.Mein Wunsch ist, dass der Prozess bald abgeschlossen werden kann.

Was sind die Gefahren?
Es ist wichtig, dass der Prozess nicht übergestülpt wird, sondern dass sich die Betroffenen beteiligen können. Ich bin dankbar, dass Kirchenleitung und Strukturkommission stets alle informiert und befragt haben. Das fördert die Akzeptanz. Ernst nehme ich die verbreitete Befürchtung, dass die Kirche jetzt nicht mehr «im Dorf» bleibe, sondern vielmehr «auf die Walz» gehe. Und: Werden bei der Bildung von Pastorationsgemeinschaften alle Kirchgemeinden passende Partner finden? Aber es ist besser, das halb volle als das halb leere Glas zu sehen.

Inwiefern?
Es ist eine Chance, dass durch grössere Vernetzung das lokale Kirchgemeindeleben bereichert wird und dass eine engere Verbundenheit mit den Nachbargemeinden entsteht. In unseren städtischen Kirchgemeinden zum Beispiel haben wir mit der engeren Zusammenarbeit neue Gefässe gefunden, etwa die «Marktrast» für Marktbesuchende.

Sie werden im Kanton Bern Verantwortlicher für kirchliche Weiterbildung. Was liegt Ihnen dabei am Herzen?
Ich möchte mit entsprechenden Angeboten die Freude am Beruf stützen sowie Werkzeuge und Ideen für dessen Ausübung angesichts unserer sich rasch verändernden Gesellschaft anbieten. Letztlich möchte ich einen Beitrag leisten, dass die Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft wieder steigt.





Andreas Heieck war fünf Jahre lang Dekan und während 20 Jahren Pfarrer am St. Johann.
Das Amt des Dekans umfasst die Leitung des Pfarrkonvents und dessen Vertretung nach aussen sowie die Seelsorge an Pfarrerinnen und Pfarrern.

Barbara Helg


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