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Fair produzierte Kleider für die SBB

01.01.2016
Die SBB-Angestellten sollen fair produzierte Arbeitskleidung tragen. Das fordert das Hilfswerk «Brot für alle» und lanciert zur Fastenzeit eine Unterschriftensammlung.

«Die SBB leisten einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit in unserem Land», loben «Brot für alle» Bfa und «Fastenopfer». Doch die Werke orten auch Verbesserungspotenzial: «Die Bahn muss die Weichen dringend auf faire Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten ihrer Arbeitskleidung stellen.» Um das zu erreichen, lancieren die Hilfswerke im Rahmen der ökumenischen Kampagne eine Petition. Die SBB sollen der Fair Wear Foundation FWF beitreten. Die Non-Profit-Organisation setzt sich seit 1999 dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. Bfa gehört zu den Mitbegründern der FWF in der Schweiz.

Post produziert fair
Die Post wurde als erstes Schweizer Grossunternehmen im Juni 2012 Mitglied bei der FWF. Eineinhalb Jahre später zieht sie eine positive Bilanz. «Wir sind strukturierter geworden», sagt Secil Helg, Projekteinkäuferin Bekleidung bei der Post, gegenüber der Zeitschrift «EinBlick». Einige Lieferanten wurden gewechselt. Wer der FWF beitrete, müsse auf langfristige Lieferantenbeziehungen bauen. «Die Post hat damit bewiesen, dass die Beschaffung fair produzierter Arbeitskleidung umsetzbar und finanzierbar ist», heisst es bei «Brot für alle». Die SBB beschäftigen rund 28 000 Angestellte. Für sie werden jährlich mehrere 10 000 Kleidungsstücke bestellt, schätzt Urs Walter, Medienverantwortlicher bei «Brot für alle». Das weitere Vorgehen werde gemeinsam mit den SBB besprochen. Ziel sei, jetzige Produzenten in der Schweiz und in Bangladesch mit einzubeziehen, um mit diesen faire Arbeitsbedingungen auszuhandeln.

SBB führen Gespräche
Gemäss SBB stand das Unternehmen mit der FWF bereits in Kontakt. Im März sind weitere Gespräche mit der Geschäftsleitung von FWF geplant. «Im Grundsatz begrüssen wir das Engagement von FWF», sagt Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB. «Wir unterstützen soziale Standards und sind deshalb auch Mitglied der Business Social Compliance Initiative BSCI.»
Die Dienstkleider der SBB werden zu fünf Prozent in der Schweiz hergestellt. 45 Prozent der Konfektion stammen aus Osteuropa, 40 Prozent aus Asien und zehn Prozent aus Tunesien. Die Gewebe werden zu 70 Prozent in Europa und zu 30 Prozent in Asien produziert.
Die Plattform BSCI bietet Unternehmen ein Überwachungs- und Qualifikationssystem an, um die Arbeitsbedingungen verbessern zu können. Die Werke kritisieren, dass die BSCI als Unternehmerinitiative nicht unabhängig und das Monitoring mangelhaft sei. Merkmal der FWF hingegen sei, dass Belegschaft und Gewerkschaften in die Prüfverfahren einbezogen werden. «FWF akzeptiert keine Betriebsprüfungen von BSCI», erklärt Christian Ginsig. Das sei das Hauptproblem, das einer Mitgliedschaft bei der FWF im Wege stehen könnte.



Zum Bild: Fair produzierte Uniformen für SBB-Mitarbeitende: Dieses Anliegen sollen Kundinnen und Kunden mit einer Petition unterstützen, fordert «Brot für alle». | SBB CFF FFS

Karin Müller

Links:
www.sehen-und-handeln.ch/petition


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