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Religionsunterricht im Lehrplan 21: Unterricht ohne Inhalt?

01.01.2016
Ende Jahr ist die Vernehmlassung zum neuen Lehrplan 21 zu Ende gegangen. Die Kirchen kritisieren, dass der Vorlage der inhaltliche Bezug zum Christentum fehle.

«Mohammed statt Krippenspiel, Buddha statt Arche Noah», schrieb die «Schweiz am Sonntag» zum Religionsunterricht im neuen Lehrplan 21. Für Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren, ist das «reine Polemik». Doch wer im neuen Lehrplan blättert, landet zwar nicht bei Mohammed oder Buddha, aber im Nirwana einer inhaltlichen Leere.

Keine Feste erwähnt
Der Entwurf formuliert für das Fach Religion zwar die zu erwerbenden Kompetenzen, der Inhalt der Lektionen bleibt jedoch den Lehrkräften überlassen. Es fehle jeglicher Bezug zu Bibel und Christentum, stellt Rita Famos, Ratsmitglied des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes fest: «Der Entwurf ist minutiös darauf bedacht, dass keine kirchlichen Feste oder biblischen Geschichten erwähnt werden.» Dabei gehörten doch heute über 70 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Konfession an. Dass christliche Begriffe nicht explizit vorkommen, habe mit einem Paradigmenwechsel des neuen Lehrplans zu tun, hält Bildungsdirektor Christian Amsler entgegen. Lernziele würden über Kompetenzen statt über ausformulierte Inhalte definiert.
Ende Jahr endete die Vernehmlassung zum neuen Lehrplan, der der Volksschule von 21 Kantonen eine Vereinheitlichung bringen soll. Die Kirchen begrüssten es, dass der Religionsunterricht als obligatorisch im Lehrplan 21 verankert wird. Trotzdem lehnen Bischofskonferenz und Kirchenbund die Vorlage ab und fordern eine Überarbeitung. Der Lehrplan müsste zwingend die christlich-jüdischen Traditionen und Wertvorstellungen berücksichtigen.
Kürzlich kreuzten an einem Podium in Bern Vertreter der Kirchen mit der Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli und ihrem Berner Kollegen Bernhard Pulver die Klingen. Martin Schmid, Pädagogikdozent und reformierter St. Galler Kirchenratspräsident, kritisierte, der Lehrplan 21 sei «mutlos». Schüler müssten in der ersten Person von Religion reden können, nicht bloss in der distanzierten dritten Person. Andere kritisierten die Vorlage als «blutleer». Bildungsdirektorin Aeppli betonte, dass die Schule konfessionell neutral sein und alle Kinder berücksichtigen müsse. Bischof Felix Gmür verwies dagegen auf die Muttersprache, die jedes Kind zuerst lernt. Es gelte primär, die angestammte Religion zu thematisieren. Regierungsrat Pulver versprach auf dem Podium, ab März werde der Entwurf überarbeitet. Es gebe durchaus noch Spielraum für Nachbesserung.

Tilmann Zuber / Annette Meyer zu Bargholz

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